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Gransees Gospelstimmen
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Gransees Gospelstimmen

Ein Artikel aus der Gransee-Zeitung von Mandy Oys

Gransee (MZV) Eine hölzerne Kugel fungiert als Taktgeber. Vermutlich mit Reis gefüllt und gerade so groß, dass sie in die Hosentasche passt. Nicola Schröder-Liefring schwingt das Schüttelinstrument und gibt so den Rhythmus vor - für christliche, afroamerikanische Musik, die jahrzehntealt ist, aber bis heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat.

Kantor Martin Schubach spielt das Klavier an diesem ersten Probenabend im neuen Jahr. Nicht ungewöhnlich für Gospelchöre, dass der Chorleiter die Instrumentalbegleitung übernimmt, meint Schubach. Sein Chor singt natürlich auch a-capella. „Wir heben uns von anderen Chören ab, weil wir eine große stilistische Bandbreite haben.“

Dr. Volker Liefring, der zweite Bass, lässt derweil die Finger schnippen. „Er hat doch noch gar nichts gesagt“, raunt es aus der ersten Reihe. Gemeint ist der Chorleiter. Den Wink, endlich loszulegen, hat Martin Schubach natürlich verstanden. Er „dirigiert“ die Leibesübungen zum Warmwerden, dann Stimmübungen im Kanon - zur Erwärmung. „Noch mal höher ansetzen, bitte.“ Derselbe Kanon aus elf Kehlen, dem folgt ein weiterer und noch einer, in dem das „Schubidu“ durch sinnhaften Text ersetzt ist: „Singen macht Spaß, Singen tut gut, Musik macht munter, Singen macht froh.“ Das trifft es. Dann folgt er endlich, ein Gospel, der weltbekannt ist: „Freedom is coming“ - ein Lied über Frieden und Gottvertrauen. Die Textmappen bleiben geschlossen, man muss die englischen Zeilen und die Noten dazu abfordern. „So trainiert man richtig“, mahnt Schubach, bevor die Herren „oh, yes I know“ (Oh ja, ich weiß) singen. Die weiblichen Tenöre, zwei der vier des Chores, stimmen ein. Dann folgen die Sopranistinnen und die einsame Alt-Stimme - die einzige, die es heute zur Probe geschafft hat. „Freedom is coming“ ist der erste Gospel, der den Saal des Gemeindehauses an diesem Probenabend erfüllt. Es folgen die Klassiker „Just couldn’t be“ und „Good news, chariot’s coming“. „Praise the Lord“, sagt Schubach, “müssen wir nicht üben, das sitzt.“ Hier hört der Chorleiter Widerworte. Es sei zu schön, um es nicht zu singen. Und natürlich erklingt an diesem ersten Probenabend im neuen Jahr auch „Down by the riverside“ - da scheint der Gospelchor endgültig in seinem Element zu sein, Fingerschnippen, Klatschen im Takt. Fehlen noch die klassischen Roben, der Ort stimmt indes. Im Gemeindehaus tritt der Chor immer wieder auf - das nächste Mal zum Gottesdienst am 6. März.

Zu Beginn eines Jahres gilt es, auch solche Termine abzusprechen. Es sei schwierig, auf einen Nenner zu kommen, hatte Kantor Martin Schubach vor Beginn dieser Probe gesagt. Jeder hat Verpflichtungen, beruflich oder privat. Die übrigen Auftritte dieses Jahres sind noch nicht durchgeplant, es wäre zu früh für die meisten. Ein zweiter Termin steht jedoch ebenfalls: der Gospelworkshop im Mai, unter anderem mit Zehdenicker Sängern. Zum dritten Mal findet eine solche Veranstaltung in Gransee statt.

Das Zeitproblem ist auch ein Grund dafür, dass der Gospelchor nur alle 14 Tage gemeinsam probt. Der jüngste Sänger ist Schubachs Sohn, erst ist gerade elf, an diesem Donnerstag allerdings nicht dabei. Es können nicht immer alle da sein, dieses Mal sind es 11 der 18 Sänger. Mehr als die Hälfte von ihnen singt auch im Kirchenchor. Zwei Mal pro Woche zur Probe - das ist für viele einfach zu viel, sagt Schubach.

Er ist seit acht Jahren der Chorleiter. Gegründet wurde die Gruppe einst von Christine Korsch. 2004 war es, als sie Kirchenchormitglieder einlud, Gospel zu singen. Es war die Zeit, in der im ganzen Land Chöre gegründet wurden, sagt Schubach. Im September wird in Chorin das 20. Gospelchorfest gefeiert, daran sei abzulesen, wann die Musik auch in Brandenburg zunehmend Anhänger gefunden hat.

Unter den Mitgliedern des Granseer Chores gibt einige, die von Beginn an dabei sind. Einer von ihnen hat es zur ersten Probe dieses Jahres geschafft: Wolfram Sadowski - Zahnarzt, CDU-Politiker und der Bass des Chores neben Volker Liefring. Sadowski erinnert sich, dass es damals während der Kirchenchorprobe hieß, wer etwas anderes singen will, könne kommen. 2005 trat der Gospelchor zum ersten Mal auf. Heute muss niemand mehr im Kirchenchor singen, um auch Gospel zelebrieren zu dürfen.
Ein Repertoire an Standards habe sein Chor, sagt Martin Schubach. Jetzt, nach Ende der Weihnachtszeit werden jene wieder geprobt, weiterhin 14-tägig. „Wir müssen viel ablesen.“ Eigentlich unüblich für einen Gospelchor. Die Zeit zwischen den Proben sei jedoch einfach zu lang, um „eingeschworen“ zu sein, alle Texte und Noten fehlerfrei draufzuhaben. Eine Gemeinschaft scheinen die Sänger dieses Tages dennoch zu sein, sie treffen sich nicht nur, um zu singen. Es herrscht eine vertraute Atmosphäre. Anderthalb Stunden lang dringt ihr Gesang an diesem Abend nach draußen auf die Klosterstraße.

erstellt von Mathias Wolf am 15.01.2016, zuletzt bearbeitet am 08.05.2017
veröffentlicht unter: Neues aus der Kirchengemeinde