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Die Reise ins Heilige Land
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Bildrechte: L. Glorius

Die Reise ins Heilige Land

Acht Tage Israel - ein Reisebericht von Lisa Glorius

Das Wetter im deutschen Februar ist ja bekanntlich selten sonnig und schön. Daher ist es kein Wunder, dass sich am 8. Februar 2016 früh am Morgen 18 Wetterflüchtlinge gen Israel aufmachten. Mit einer Alterspanne von Abiturient bis Rentner ging es in das Heilige Land am Mittelmeer. Vielleicht waren die Gründe eines Jeden für diese Reise sehr individuell, aber gemeinsam wollten wir nun dieses spannende Land bereisen, viel sehen, es erleben und verstehen.
In Tel Aviv angekommen, war es schon fast dunkel und viel konnten wir von unserem Bus aus nicht sehen. Müde, aber voller Vorfreude fielen wir in unsere Betten in Tiberias.
Unser Programm war vollgepackt und abwechslungsreich. Geplant waren Ausflüge zu klassischen Touristengebieten, aber auch Besuche von besonderen und außergewöhnlichen Orten.
Heidi, unser israelischer Guide, führte uns am Dienstag als erstes auf den Berg der Seligpreisung. Schon hier trafen wir auf ein „Problem“, was sich bei den meisten weiteren Reisezielen auftun würde: von dem eigentlichen Ort war nichts mehr zu sehen. Überall hatten Menschen ihre Prachtbauten aufgestellt, um zu sagen „Dieser Ort ist meiner!“. Dann ging es hinab zum See Genezareth. Die Überfahrt mit Andacht auf dem See war ein tief beeindruckendes Erlebnis - Stille und Einsamkeit an einem doch so geschichtsträchtigen Ort. Auf der anderen Seite des Sees besuchten wir einen Kibbuz, eine hebräische kollektive Siedlungsart. Das Highlight des Tages aber waren die frischen Pomelos, die wir geschenkt bekamen. Sie sollten uns auf unserer Reise begleiten und hier und dort zu einem Innehalten führen.
Am Mittwoch dann entdeckten wir die Überreste der Stadt Zippori und erkundeten Akko. Beide Orte sind ein riesiger Spielplatz für Archäologen und Historiker und plötzlich juckte es auch uns in den Fingern mit einer Schaufel nach den Überresten der Geschichte zu graben.
Am Donnerstag schon ging es Richtung Jerusalem. Wir fuhren durch das Jordantal, einer doch eher kargen Wüstenlandschaft. Am Jordan machten wir einen Zwischenstopp, wo Einige sich mit Jordanwasser segnen ließen und ihrer Taufe gedachten. Wir besuchten eine weitere Ausgrabungsstelle, eine der ersten klosterartigen Siedlungen von Gläubigen. Nach einer Ruhepause am Toten Meer erreichten wir schließlich Jerusalem. Der erste Blick auf die Stadt raubte uns den Atem und auch der zweite und der dritte Blick ließ nur Staunen in uns zurück. Nun waren wir also hier, in dieser wunderschönen Stadt, mit ihrer Vielfalt und ihrer Gefahr.
Am Freitag stand uns ein schwerer Gang bevor – es ging nach Yad Vashem (offiziell: „Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust“). Wir waren voller Trauer, als wir den Opfern des Nationalsozialismus gedachten. Und die Fassungslosigkeit kam bei dem Gedanken, dass sich einige Deutsche anstellen, dieses Grauen wieder zu beleben. Trotz der emotionalen Auslastung ging unsere Tagestour weiter. Später besuchten wir das israelische Nationalmuseum und sahen uns ein Modell Jerusalems zu Christis Zeiten an – es ist sehr beeindruckend, wie diese Stadt seitdem gewachsen ist. Am Nachmittag stürzten wir uns ins Getümmel und erlebten wie sich die Juden auf den Sabbat vorbereiten. Es war voll und bunt und laut und schön. Heidi führte uns zur Klagemauer, wo viele Juden den Sabbat einläuteten. Ausgelassene Freude schwabbte wie eine Welle von den Feiernden auch auf uns über.
Am Samstag fuhren wir in das palästinensische Gebiet, nach Bethlehem. So langsam erfuhren wir etwas mehr über den landesinternen Konflikt zwischen Israel und Palästina. Für Israelis ist es verboten, den Teil des Landes zu betreten, da es für sie dort durchaus gefährlich sein könnte. Zunächst blicken wir auf die Hirtenfelder, auf denen der Engel den Hirten erschien und ihnen die Geburt des Heilandes verkündete. Bei einer kleinen Andacht lasen wir auch aus der Bibel. Einen authentischeren Ort gibt es wohl kaum, um die Weihnachtsgeschichte zu hören. Später standen wir vor dem Ort, an dem Jesus geboren worden sein soll. Auch hier störten sich Einige von uns an dem Prunk am Ort des „Königs ohne Krone, ohne Zepter, ohne Gold“. Danach hatten wir das Glück, die Schule Talitha Kumi zu besuchen, eine christliche deutsch-palästinische Schule in Bethlehem. Ein Lehrer erzählte uns nicht nur viel über die Schule, sondern ließ uns auch Teilhaben an seiner Wut, die ihm der Konflikt mit Israel bescherte. Und da wurde mir erst klar, dass es in diesem Streit kein Richtig und kein Falsch gibt, kein Recht und Unrecht – und mir wurde bewusst, dass dieses Thema bei Weitem nicht so klar zu greifen ist, wie es ein Streit zwischen zwei Menschen sein mag. Am Abend lernten wir eine Rabbinerin kennen, die uns mit ihrer Energie faszinierte und uns von dem liberalen Judentum erzählte.
Der Sonntag führte uns über viele unterschiedliche Punkte in Jerusalem, die uns beeindruckten und bewegten. Vom Garten Gethsemane bis hin zur Grabeskirche sahen wir viel und nahmen noch viel mehr vor der Stadt mit. So beeindruckend dieses Land für uns war, umso trauriger waren wir über den Abschied am Montag, der sich unweigerlich vor uns auftat. Umso wichtiger war es uns, den letzten Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Für eine Andacht trafen wir uns zu diesem Zweck auf der Dachterrasse des Hotels, sprachen über unsere Erlebnisse und genossen auch noch die letzte unserer Pomelos aus dem Kibbuz.
Am Tage des Abflugs besichtigten wir noch den Tempelplatz, der wohl einer der konflikt-trächtigsten Orte in Jerusalem ist. Als wir die letzten Stunden in der Sonne Israels verbrach-ten, erkundeten wir gerade Jaffa, einen Teil Tel Avivs.
So richtig wollten wir uns nicht verabschieden und ein Teil von uns versprach: Israel – wir sehen uns wieder. Und dann ging es in den Flieger, zurück in das kalte und nasse Deutschland.
Lisa Glorius, Velten
erstellt von Mathias Wolf am 08.04.2016, zuletzt bearbeitet am 23.03.2017
veröffentlicht unter: Aktuelles aus der Kirchengemeinde

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