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Des Reformators gedacht
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Des Reformators gedacht

Ein Bericht aus der Gransee-Zeitung von Sabine Slatosch

Den Gottesdienst zum Gedenken an die Reformation gestalteten am Sonnabend erstmals gemeinsam für mehrere Pfarrbereiche die Pfarrer Mathias Wolf und Tobias Ziemann in der Granseer St. Marienkirche. Am 31. Oktober 1517 nagelte Martin Luther - der Legende nach „mit lauten Hammerschlägen“ - an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen, die als Grundlage für eine Disputation zum Thema des Ablasshandels dienen sollten. Diese Thesen waren an der Tür von St. Marien angeschlagen.
Zum feierlichen Auftakt des Gottesdienstes sang der Kirchenchor, begleitet von den Bläsern der Kirchengemeinde und von Kantor Martin Schubach an der Orgel. „So halten wir dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“, las die Lektorin Isabel Pawletta, Mitglied des Gemeindkirchenrates, aus dem Brief des Paulus an die Römer, in welchem Luther die Antwort fand auf die Frage: Wie können wir sündige Menschen vor Gott gerecht oder rein sein. Thema der Predigt, die Pfarrer Wolf im Dialog mit von Tobias Ziemann vorgetragenen Luther-Zitaten führte, war die Bergpredigt Jesu mit den Seligpreisungen und die Frage: Sind die Seligpreisungen eine Aufforderung zum privaten Handeln oder ein Programm zur Umgestaltung der Welt. „Für Luther folgen die Werte aus dem Glauben, wir können es uns nicht verdienen“, so Wolf. Es seien die Armen im Geist, die Leidenden und Traurigen, die Ohnmächtigen und Schwachen, die Barmherzigen, die nach Frieden suchen und die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, die Jesus selig spreche, sagte er, „genau das ist es, was auch Luther wieder entdeckte“. Und Luther: „Man muss die Christen lehren: Wer einem Armen gibt oder einem Bedürftigen leiht, handelt besser, als wenn er Ablässe kaufte“. Gute Werke habe Luther abgelehnt, wenn sie mit dem Hintergedanken eines Lohns im Himmel getan werden. Man möge es nicht zum Gesetz machen, denn dann werde es Zwang, „es muss von selber folgen, wir sollen’s nicht suchen, sondern es ist eine gewisse Folge des guten Lebens“, so Luther. Für Wolfs sind die von Jesus gepriesenen die Nachdenklichen und jene, die sich nicht mit Vorgegebenem abfinden, sondern neue Wege gehen. Er sprach von Martin Luther King, Albert Schweitzer und Franz von Assisi. Aber auch von der Nonne im Hospiz in Kalkutta, die sterbende Menschen pflegt, dem Arzt in Simbabwe, der sich um Aidskranke Kinder Kümmert, ohne auf Zeit und Geld zu achten, und den vielen vertrauten Gesichtern im Kirchenraum – Menschen, die das Gotteshaus säubern ohne Geld, Kuchen backen oder stundenlang in Gemeinderäten sitzen. „Ihr werdet nicht in der Zeitung stehen, aber Euch gelten diese Seligsprechungen“, sagte er. Gute Werke seien keine Garantie für den Eintritt ins Himmelreich. Das Himmelreich sei allein die Gnade Gottes, „aber diese Gnade bemächtigt und, gute Werke zu tun“. Luther sagt: „Die Werke haben etwas Eigenes von dir, aber sie sollen nicht dein Eigen sein, sondern dem Nächsten gehören“.
Eine Choralkantate erklang. Orgelmusik, Bläser und die Stimmen der Sängerinnen und Sänger der Kantorei durchdrangen das Kirchenschiff, mittendrin die hellen Stimmen des Kinderchores. „Bitte lass ihn zum Glauben- und Hoffnungsvorbild werden“ lobte Isabel Pawletta den Urheber der Reformation, bevor Pfarrer Ziemann den Segen sprach.

erstellt von Mathias Wolf am 02.11.2015, zuletzt bearbeitet am 18.07.2017
veröffentlicht unter: Neues aus dem Pfarrsprengel

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