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Wie die Glocke in Schwung kommt
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Wie die Glocke in Schwung kommt

Ein Artikel aus der MAZ von Stefan Blumberg

Donnnggg! – Donnnggg! – Donnnggg!
Die hunderte Kilogramm schweren Glocken in den Kirchtürmen sind ein wohlklingender akustischer Wegbegleiter. Man sieht sie kaum, man hört sie dafür um so besser. „Jede Kirche hat bei uns eine Glocke“, sagt Mathias Wolf. Gemeinsam mit seiner Frau Beate und Christian Guth betreuen sie die evangelischen Kirchenmitglieder des Pfarrsprengels Gransee.
Doch wie kommt der Klang der Glocken in unsere Ohren? Um sie in Schwung zu bekommen, gibt es drei Möglichkeiten: Seilziehen mit der Hand, mit der motorisierten Läuttechnik (in Menz wurde die bereits in der 60er-Jahren eingebaut) und auf elektronische Weise wie in Großwoltersdorf oder Gransee. „Die Technik bei uns ist computergestützt“, sagt der Granseer Pfarrer
Christian Guth. Er stellt die Zeiten ein, zu denen die vier Glocken (beziehungsweise eine, zwei oder drei von ihnen) ertönen sollen. Zu den Gottesdiensten zum Beispiel. Die haben feste Zeiten. Die Uhrzeit wird einmal gespeichert – und fertig. „Der Computer“ macht nach der Programmierung alles allein. Und wenn ein unvorhergesehenes Ereignis wie eine Beerdigung oder Trauung ansteht, wird der Computer mit den entsprechenden Zeiten gefüttert.
Auch in den anderen Orten, die Christian Guth betreut, muss niemand mehr ein Seil in die Hand nehmen, um die Glocke in Schwung zu bringen: Gransee, Schönermark, Sonnenberg, Meseberg und Baumgarten. Nur der Knopfdruck ist noch nötig, damit der Motor anspringen kann. In Neuglobsow, Neulögow, Wolfsruh, Dollgow und Zernikow wird nach wie vor das Seil gezogen. Das werde auch so bleiben, so Mathias Wolf. Denn die Mittel, die laut Haushalt für den Pfarrbereich (Dollgow, Großwoltersdorf, Menz, Neulögow, Rönnebeck, Schulzendorf, Wolfsruh, Zernikow) zur Verfügung stehen, sind beschränkt (zirka 45 000 Euro). Als im Vorjahr ein Blitz in die Läutetechnik in Menz einschlug, betrug der Schaden allein 3500 Euro.
Die imposanteste Glocke hängt in der Dollgower Kirche. Sie stammt aus dem Jahre 1490 und wurde vom berühmten Glockenbauer Gerhard de Wou gefertigt, der auch eine Glocke (Gloriosa) für den Erfurter Dom baute. „Der Klang der Dollgower Glocke ist einfach faszinierend“, schwärmt Mathias Wolf. Wie die Glocke nach Dollgow kam, ist nicht genau überliefert. Die Vermutungen gehen dahin, dass Gerhard de Wou, als er in Neuruppin Glocken gegossen hat (die beim Stadtbrand im 18. Jahrhundert vernichtet wurden), auch die Dollgower Glocke goss. Im I. Weltkrieg wurde die zweite Dollgower Glocke für Kriegszwecke eingeschmolzen, aber dank einer Spendenaktion erhielten die Dollgower eine zweite Glocke zurück.
In der Glockenstube der St. Marienkirche in Gransee hängen vier Glocken, drei von ihnen tragen die Jahreszahl 1711, eine 1725 als Baujahr. In der Läuteordnung ist festgehalten, wann, wie oft, wie lange und zu welchen Anlässen die Glocken erklingen dürfen. „Das wird unterschiedlich gehandhabt“, sagt Christian Guth. Da sind die feierlichen Anlässe wie Trauungen, Bestattungen, Gottesdienste, Volkstrauertag oder Friedensdekade. In Menz, so Mathias Wolf, wird es bei Gottesdiensten so gemacht, dass eine Stunde vorm Gottesdienstbeginn mit einer Glocke auf den Treff hingewiesen wird. Beginnt und endet er, werden alle drei Glocken geläutet. Konzerte, Gedenken (bei Katastrophen) oder der Silvesterabend sind weitere Anlässe, um die Glocken in Schwung zu bringen. Im Falle des Todes eines Einwohners wird in Menz am folgenden Morgen dreimal fünf Minuten geläutet.
Wenn in der Granseer Kirche St. Marien aller 15 Minuten ein oder mehrere Töne aus dem Kirchturm zu hören sind, dann läutet die Glocke nicht, dann wird sie geschlagen. Auch dies passiert alles automatisch. Genau wie das Donnnggg Donnnggg – Donnnggg!
erstellt von Mathias Wolf am 24.03.2017, zuletzt bearbeitet am 18.07.2017
veröffentlicht unter: Neues aus dem Pfarrsprengel