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Glockengeläut auf Knopfdruck
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Glockengeläut auf Knopfdruck

Petra Sasse liegt die Germendorfer Kirche am Herzen: Sie fegt, schmückt, läutet - ein Artikel aus der MAZ von Heike Bergt

Germendorf. Petra Sasse fegt die kleinen Früchte der Eibe vom gepflasterten Weg vorm Eingang zur Germendorfer Kirche. „Das muss hier sauber sein. Sonst schleppen auch alle mit ihren Schuhen das Zeug ins Haus“, sagt sie, schwingt energisch den Besen und lacht. Petra Sasse wohnt „um die Ecke“ und ist die gute Seele der Germendorfer Kirchengemeinde.

Die 61-Jährige ist im Ort geboren, hat mit Ehemann Erwin hier ein Haus gebaut, Tochter und Enkelkind leben in Leegebruch. Gelernt hat sie einst Lageristin in Oranienburg, heute arbeitet Petra Sasse als Raumpflegerin in einer Arztpraxis im Nachbarort. Ja, sie sei als Kind christlich erzogen worden, aber zu DDR-Zeiten trat der Glaube in den Hintergrund. „Dann habe ich zu meinen Wurzeln zurückgefunden, bin wieder in die Kirche eingetreten.“ Das war vor 15 Jahren. Dass sie gern zu den Gottesdiensten kommt, liege auch an Pfarrer Arndt Farack. Seine Predigten seien mitnichten langweilig, sondern lebensnah und aktuell. Das findet sie wichtig.

Petra Sasse ist eine herzliche und leise Frau. Jeden zweiten Sonntag gehe sie in die Kirche. Dann ist in Germendorf Gottesdienst. An den Sonntagen dazwischen betet sie in Eden oder in der Leegebrucher Kirche. Ihr Mann begleite sie dabei nicht. Erwin Sasse arbeitet seit vielen Jahren in der Munitionsräumfirma Kemmer. Ein nicht gerade ungefährlicher Job. „Aber er hilft mir gern bei meiner Arbeit für die Kirche“, sagt Petra Sasse.

So hat er ihr zum Beispiel einen Baum aus Metall gebaut, dessen Vorbild die Germendorferin in der Schlossparfümerie von Kerstin Lagatz in Oranienburg entdeckt hatte. Der Nachbau sei zumindest genauso schön geworden, stand im Lutherjahr apfelgeschmückt im Gotteshaus von Germendorf und ziert jetzt ihr Wohnzimmer. Petra Sasse liebt Engel, dekoriert ihre Wohnung den Jahreszeiten entsprechend äußerst geschmackvoll. Und sie liebt Bäume. Vor allem exotische Exemplare wachsen in ihrem Garten ums Haus: Amberbaum, Taschentuchbaum, Tulpen-, Schneeglöckchen-, Lebkuchen- und Mammutbaum gehören dazu. Die einen haben tolle Blüten, die anderen tragen farbigen Herbstschmuck: „Ich bin kein Reisemensch, deshalb habe ich hier meinen eigenen Schlosspark“, begründet sie. „Daran sieht man auch, was Gott uns alles geschenkt hat.“

Kein Wunder, dass auch die Blumen auf dem Altar der Kirche nicht selten aus ihrem Garten stammen. Petra Sasse reinigt im Wechsel mit Kerstin Schulze die Kirche vorm nächsten Gottesdienst, schmückt den Altar, zündet die Kerzen an, wäscht die Altardecken. Im Herbst muss Laub gefegt und zum Gottesdienst immer pünktlich die Glocke geläutet werden. Das geht allerdings per Knopfdruck. Die Germendorferin wünscht sich „noch mehr Veranstaltungen innerhalb der Gemeinde“, wie ein Frauenfrühstück, ein Rentnercafé, gemeinsames Weihnachtsliedersingen. Sie hat viele Ideen. Viele halte vielleicht davon ab, in die Kirche zu kommen, „weil wir hier weder Wasser noch Toilette haben.“ Sie habe den Gemeindekirchenrat aber schon darauf angesprochen. Petra Sasse sucht Unterstützung durch Frauen, die „auch Liebe zur Germendorfer Kirche“ haben und bei den genannten ehrenamtlichen Arbeiten helfen und Veranstaltungen mit organisieren. „Das wünsche ich mir von Herzen“. Wer will, sollte sich in der Gemeinde melden (03301/5?76?99?61). Im Sommer würde sie auch gern alle in ihren Garten einladen. Vielleicht gibt es auch wieder mal einen Gottesdienst Open Air, wie 2016, als das Germendorfer Gotteshaus Baustelle war. „Es war einfach toll im Grünen“, schwärmt Petra Sasse.
erstellt von Mathias Wolf am 09.11.2017, zuletzt bearbeitet am 10.11.2017
veröffentlicht unter: Neues aus dem Pfarrsprengel