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7: Sommerzeit, Urlaubszeit
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7: Sommerzeit, Urlaubszeit

August 2015

Die einen liegen am Strand mit einem Cocktail in der Hand, die anderen lassen sich verwöhnen auf einem herrlichen Kreuzfahrtschiff, wieder andere ziehen begeistert von einem Museum zum anderen.
Doch egal, was du tust, irgendwann wird selbst der schönste Strand langweilig und nach 5 Stunden Nationalgalerie läufst du selbst an Rubens ziemlich müde vorbei.
Und die Gattin sagt seufzend zum Ehemann: „Och, nicht heute abend schon wieder Kapitänsdinner!“
Mich hat das immer ziemlich irritiert. Wieso ist das, wovon du das ganze Jahr geträumt hast und wofür du viel Geld ausgegeben hast, auf Dauer wieder langweilig? Sind wir so verwöhnt? Das glaube ich nicht! Die meisten haben sich den Urlaub redlich verdient!
Weil du oft genug nur Zuschauer bist. Und Zuschauen wird nach einer Weile langweilig, egal, was du siehst. Palmen, Musical, Gemälde – selbst wenn du noch so viel Abwechslung hast, irgendwann willst du nicht mehr nur zuschauen.
Und so sind die schönsten Urlaubserlebnisse dann immer diejenigen, wo du aktiv geworden bist:
Als in Florenz der Gemüsestand vom Wind umgeworfen wurde und du mit der italienischen Familie alles aufgesammelt und aufgebaut hast. Und abends wurdest du zur Pizza bei Mama eingeladen. Das war toll.
Als du nach dem Gewittersturm in den Alpen mit den anderen Hotelgästen gemeinsam die Terrasse aufgeräumt hast. Und abends gab’s eine Party als Dank, wo du am Grill gestanden hast und die anderen haben die Salate gemacht. Das sind die unvergesslichen Erlebnisse.
Da bist du aus deiner Zuschauerrolle rausgetreten, da warst du nicht mehr Gast, sondern Familienmitglied. Da gab es eine echte Begegnung und eine echte Beziehung.
Wenn du immer nur Zuschauer bleibst, wirst du dich irgendwann langweilen, weil du immer draußen bleibst.
Mit dem Kirchen“besuch“ ist das genauso. Wenn du dich bei einem Gottesdienst irgendwo ganz nach hinten setzt, nicht mal das Gesangbuch aufschlägst, weil du sagst, dass du eh nicht mitsingen kannst, wenn du auch beim Vaterunser nur Beobachter des Geschehens bleibst, dann wirst du dich langweilen, egal wie toll die Orgel, wie lebendig die Predigt ist.
Setzt dich nicht als Beobachter in die letzte Reihe. Mach einfach mal mit. Summ wenigstens mit. Lass dich ins Gebet fallen. Trau dich, nach dem Abendmahl mal deinen Banknachbarn zuzulächeln und „Friede sei mit dir“ zu wünschen.
Es klingt nicht spektakulär. Aber eine Terrasse von runtergefallenen Ästen zu reinigen, klingt auch nicht spektakulär.
Und doch sind solche Begegnungen, wo du aktiv wurdest, die wahrhaft entspannenden Momente im Urlaub. Und wenn du dann zuhause Fotos zeigst, dann sieh mal in die Gesichter deiner Zuschauer. Beim zehnten Sonnenuntergang wird es nur ein verhaltenes Lächeln geben. Aber du, wie du mit der Gastwirtin den großen Sonnenschirm aufspannt oder du, schüchtern lächelnd, in der kleinen gotischen Kapelle mit der Kerze in der Hand – das wird deine Zuhörer interessieren, da werden sie wieder munter, da bekommen sie plötzlich Lust, das auch mal zu machen.
Einen schönen Urlaub wünsche ich uns allen!
erstellt von Mathias Wolf am 03.08.2015, zuletzt bearbeitet am 13.10.2016
veröffentlicht unter: Blog: Gedanken einer Dorfpfarrerin