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10: Halloween und Reformationstag
Foto: M. Wolf
Bildrechte: M. Wolf

10: Halloween und Reformationstag

Oktober 2015

Mitte der 90-ger Jahre, hatten wir im Fernsehen zum ersten Mal etwas über Halloween gesehen: Meine Freundin und ich waren die beiden einzigen Mütter mit kleinen Kindern in unserem winzigen Dorf mit knapp 50 Einwohnern und wollten das auch mal probieren. Vielleicht würde es lustig.
Wurde es aber nicht! Mein Söhnchen begann beim Anblick des Gespensterkostüms zu weinen, seine kleine Freundin rannte weg, weil ein Hund hinter dem Hoftor bellte, als wir an der ersten Haustür klingelten.
Meine Freundin und ich haben gelacht und die Sache abgehakt. Wir haben uns damals gar nichts dabei gedacht außer, dass es ein Spaß sein sollte.

20 Jahre sind seit dem vergangen. Halloween ist zu einem sehr deutschen Fest geworden.
Aus den weißen Gespensterbettlaken sind Kostüme geworden, bei denen selbst das rote Kreuz manchmal zusammenzucken würde, so schrecklich werden die Kinder manchmal geschminkt.
Geordnet laufen die Kinder mit großen Tüten um Süßigkeiten bettelnd von Haus zu Haus, ihre Eltern passen auf, dass auf die Forderung „Süßes oder es gibt Saures“ auch angemessen reagiert wird. Nicht wenigen Kindern ist es instinktiv peinlich.
Doch längst muss ich als Pfarrerin aufpassen, was ich zu dem Thema Halloween sage. Denn inzwischen wurde es zu einem Kulturkampf „Heidentum gegen Christentum“ hochstilisiert.
Ich bekam Interview-Anfragen von Radio und Zeitungen, „Was halten Sie als Pfarrerin vom heidnischen Halloween-Fest?“
Heidnisches Fest? Ich dachte, es sei einfach nur ein lustiges Kinderfest.
Na, aber nicht in Deutschland! „Halloween statt Reformationstag“, hieß es plötzlich kämpferisch aus bestimmten Kreisen, die den Einfluss der Kirche zurückdrängen wollen.
Und etliche Pfarrer nahmen leider diesen Unsinn auf und wetterten von der Kanzel gegen Halloween.
Und ich? Ich fand Halloween am Anfang lustig. Das mit dem „Gespenster-Verjagen“ ist doch ur-lutherisch. Hat nicht Luther selbst auf der Wartburg mit einem Tintenfass nach dem Teufel geworden? Falls er anschließend einen Keks gegessen hat, wäre das der erste Beleg von Halloween in Deutschland.
Nein, mal im Ernst! Ich habe nichts gegen Halloween, aber ich habe meine Probleme damit, wenn Kinder zum Süßigkeiten-Betteln animiert werden. Ich wünschte, sie würden nicht den Satz: „Süßes oder es gibt Saures“ sagen, das klingt so erpresserisch, aber meine Güte, so ist das Fest eben. Ich finde manche Kostüme übertrieben blutig und wünschte, sie würden lustiger gestaltet werden. Aber die mit Kerzen beleuchteten Kürbisse finde ich schön und auch die Idee, dass Kinder von Haus zu Haus gehen. Warum manche daraus ein antikirchliches Fest machen müssen, verstehe ich nicht..
Am 31.10. ist unser Haus sowieso gerammelt voll, denn es hat sich rumgesprochen, dass der Pfarrer witzige und spannende Vorträge über Luther hält und es außerdem leckere Lutherbrötchen gibt.
Könnten wir nicht früh einen Familiengottesdienst feiern und abends ziehen die Familien mit kleinen Kindern herum und verjagen Gespenster und die Erwachsenen ohne Kinder treffen sich zum gemütlichen Lutherabend?
Überlassen wir doch das Kämpfen den Sportlern!
Ich wünsche den Kindern ein schönes Halloween und den Erwachsenen einen schönen Reformationstag!
erstellt von Mathias Wolf am 28.10.2015, zuletzt bearbeitet am 13.10.2016
veröffentlicht unter: Blog: Gedanken einer Dorfpfarrerin