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Eier und Worte
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Eier und Worte

Andacht von Nele Poldrack, Pfarrerin in Leegebruch

Der Osterstrauß ist verwelkt. Ich nehme vorsichtig die bemalten bunten Eier ab. Wie schön war das gemeinsame Bemalen, als die Kinder noch Kinder waren. An der Geschicklichkeit der Zeichnung ist das ungefähre Alter abzulesen. Sorgsam stelle ich sie zurück in den Eier-Karton. „Ostern erledigt“, denke ich dabei und gleichzeitig: Nein, Ostern ist nicht erledigt. Dass Jesus auferstanden ist, ist doch der Grund unserer Hoffnung als Christen.
Was grade in der Welt geschieht, nährt meine Hoffnung nicht. Die Kriege im Nahen Osten, die kein Ende nehmen, Namen wie Trump, Erdogan und Putin. Wieder wird aufgerüstet und gedroht. Und währenddessen geht stillschweigend der Erde das Wasser aus. Menschen sterben an Giften, an Hunger, an der Gier anderer und an den Ängsten vor der Zukunft. „Ich such meine Hoffnung nur noch im Kleinen, in den Kindern und Enkeln.“, sagst du. Ich verstehe dich. Wer die Welt realistisch ansieht, kann verzweifeln.
Sorgsam wie die liebevoll bemalten Eier nehme ich mir Worte von Ostern vor: „Der Tod ist überwunden.“ „Gott hat das letzte Wort.“ „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!“ „… wenn ein Mensch nicht mehr dem Tod entgegen rast…“ „Auferstehung heute und jetzt.“ „Jesus war kein Spinner sondern wirklich von Gott.“ „Gott hat Jesus Recht gegeben!“ „Die Liebe siegt, nicht Hass, Tod und Geld.“ Ich erinnere mich an Situationen, in denen diese Worte gesagt wurden, voller Zuversicht und Kraft. Jeder dieser Sätze wiegt schwer. Ist zerbrechlich wie ein ausgeblasenes Ei. Dem offenen Herzen sind sie Heilmittel gegen Angst, Trauer und Verzweiflung. Ich brauche den Glauben an die Auferstehung Jesu, um leben zu können. Denn ist Gott nicht unsere einzige wirklich realistische Hoffnung?
Mit dem Wissen, dass Gott nicht am Ende ist, können wir unseren Teil dazu beitragen, dass die Welt, unser Land und unser Umfeld ein Lebensort ist, an dem schon jetzt Tränen abgewischt werden und das Unrecht keine Lobby hat. Gott wird genau mit unseren Kräften etwas Gutes ausrichten. Und den ganzen großen Rest dazu tun.
Nein, die Osterworte kommen nicht in den Eierkarton. Ich will sie mit mir tragen. Das eine hängt seit Ostersonntag bei mir an der Pinnwand: „Jesus sagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ Ja, das glaube ich! Und mit dem Dichter Heinz Kahlau – der ausgemachter Atheist war, sage ich Ihnen: Wehe, wenn unsere Erfahrungen über unsere Hoffnungen siegen!
Ihnen ein lebendiges Wochenende!
Nele Poldrack
erstellt von Mathias Wolf am 15.05.2017, zuletzt bearbeitet am 22.05.2017
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv

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