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Eindrücke der Reise zu den Partnern
Gemeinsam mit Vertretern der Kirchenkreis-Verantwortlichen ( u.a. Superintendent Byumanine Bisimwa) , der Frauenarbeit und anderen Leitungsgremien war Pfr. Dührkoop an vielen markanten Punkten des Partnerkirchenkreises.
Foto: Dührkoop
Bildrechte: Dührkoop

Eindrücke der Reise zu den Partnern

Pfarrer Joachim Dührkoop berichtete über Goma und Muku

Mit sehr gemischten Gefühlen kehrte Pfarrer Joachim Dührkoop, der unter anderem im Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen im Gemeindedienst für Mission und Ökumene wirkt, von seiner Kongo-Reise, die ihn vorwiegend in den Altenkirchener Partnerkirchenkreis Muku führte, zurück.
Der Theologe, der an der Mosel lebt und sechs verschiedene Evangelische Kirchenkreise im Rheinland bei ihren Partnerschaftsarbeiten begleitet, war für drei Wochen in einer „kriegsverwundeten“ Region unterwegs und erspürte das unendliche Leid, dass den Menschen nach jahrzehntelangem kriegerischen Auseinandersetzungen ein Leben voller Spannung und Verunsicherung aufdrückt, aber er erspürte auch die Kraft dieser Menschen, die sie einsetzen zum Leben und Überleben.
Mit einem „Kopf voller Bilder“ kehrte Dührkoop kürzlich in den hiesigen Alltag zurück und berichtet derzeit vielen Interessierten – vor allem auch bei Herbstssynode des Kirchenkreises in Betzdorf- von den Erlebnissen seiner Reise.
Dort – wie auch im synodalen Ausschuss für Ökumene, Eine-Welt und Partnerschaftsarbeit, der sich unter Vorsitz von Pfarrer Peter Zahn (Herdorf) kürzlich in Flammersfeld traf, konnte er gemeinsam mit dem in Goma geborenen Michel Sanya Mutambala, der auch als Übersetzer nach Muku mitreiste, darüber berichten welche Freude der Besuch aus Deutschland bei den Partnern auslöste.

Erster Besuch seit 1997
1997 war zuletzt eine Delegation aus dem Kirchenkreis Altenkirchen in der „Poste Muku“ unterwegs: Danach haben immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen und Unruhen in dieser Region nahe des Kivu-Sees, einen Delegationsbesuch verhindert. So auch 2011, als Superintendentin Andrea Aufderheide mit dem heimischen Ausschuss eine Reise vorbereitet hatte und alle Planungen abgebrochen werden mussten.
2010 waren der jetzige Superintendent Byumanine Bisimwa und seine beiden Amtsvorgänger für mehrere Wochen im Kirchenkreis Altenkirchen unterwegs (u.a. beim Kreiskirchentag in Altenkirchen). Damals gab es – neben vielen ‚hautnahen’ Erlebnisberichten - auch erste Gespräche über eine neue Partnerschaftsvereinbarung innerhalb des mehr als 30 Jahre bestehenden Austauschs der beiden Kirchenkreise.
Die Weiterarbeit an dieser Partnerschaftsvereinbarung war eine der Aufgaben, die Pfarrer Dührkoop in Muku übernommen hatte.
Die Wichtigkeit des persönlichen Kontakts wurde bei Treffen in den Gemeinden des Kirchenkreises Muku, aber auch in Goma, dem Sitz der übergeordneten Kirchenleitung, für die heimische Delegation deutlich. Mit viel Freude, afrikanischem Improvisationstalent und immenser Gastfreundschaft wurden sie jeweils empfangen.

Präsente halten die Erinnerung wach
Neben Ziegen und Hühnern, die auch als Gast-Geschenke überreicht wurden, gab es für die Delegation auch wieder eine Menge aus ortstypischen Materialien in kunstvoller Weise gefertigten Präsente , die dann – im Gegensatz zu den lebenden Gaben - nach Deutschland mitgenommen wurden und hier, als Zeichen der Verbundenheit, die deutschen Partner stetig an ihre afrikanischen Freunde erinnern.
Die übersprudelnde Freude über den Besuch aus Deutschland war doch immer überschattet von einer „trügerischen Sicherheit“, schildert Joachim Dührkoop. „Ich war der einzige Weiße, der zu Fuß in Goma unterwegs war“. Irgendwo in 15 Kilometer Entfernung von Goma „so wusste man“, waren Rebellen unterwegs. Wann und wie es zu Überfällen kam, konnte man hingegen nie wissen.

Im Flüchtlingslager Mugunga in Goma
Fünf oder sechs große Flüchtlingslager gibt es in Goma. Ob 60000 oder gar 80000 Menschen hier untergekommen sind, weiß niemand so genau. 2002 wurde Goma von einem Lavastrom aus dem etwa 14 km entfernten Nyiragongo zu großen Teilen zerstört. Die erkalteten Lavamassen prägen noch immer Teile der Stadt, u.a. das Flüchtlingslager „Mugunga“. „16000 Menschen, die vor dem ungleichen Kampf zwischen den gut ausgerüsteten Rebellen und dem karg ausgestatten kongolesischen Militär geflohen sind, leben hier unter unvorstellbaren Bedingungen und müssen sich irgendwie selbst organisieren“.
Dort war der Ökumene-Pfarrer auch unterwegs, nahm viele Leidensgeschichten wahr. „Hart zum Leben und zum Laufen“ sei es in dem auf unebenem Lavagestein gebauten Flüchtlingscamp. Aus UN-Beständen gibt es zwar kleine Zelte und harte Decken für die teils traumatisierten Menschen, für alles andere müssen die Flüchtlinge – darunter auch zahlreiche Witwen und Waisen – selbst sorgen.
„Gerade auch die Frauen bemühen sich in diesem unwirtlichen Umfeld etwas wie ‚Normalität’ zu schaffen: Frischgewaschene Wäsche liegt auf den schwarzen Steinen zum Trocknen, Kinder versuchen das bedrückende Umfeld bei phantasievollen Spielen wenigstens zeitweise auszublenden. „Kicken“ mit einem Besucher aus Deutschland brachte einen Hauch fröhlicher Abwechslung.

Über den Kivusee nach Muku
Nur knapp 100 Kilometer von Goma – am anderen Ende des Kivusees gelegen – liegen Bukavu und Muku. Orte, die man per Dampfschiff erreichte.
In diesem Bereich sind UN-Truppen mit einer hohen Dichte vertreten, ihre optisch präsenten gepanzerten Fahrzeuge können den kriegsgebeutelten Menschen der Region allerdings – so Dührkoop – nur ein sehr fragiles Sicherheitsgefühl vermitteln.
Allerdings gab es zumindest so viel Sicherheit, dass man – wenn auch auf teils abenteuerlichen, körperlich stark fordernden Wegen – sehr viele Gemeinden des Partnerkreises erreichen konnte. Allenthalben gab es dann dort (s.o.) ein frohes Empfangen.

Projekte wurden vorgestellt
Vor Ort gab es viele Eindrücke und Gespräche über die Entwicklungen verschiedenster Projekte, die in partnerschaftlicher Kooperation laufen oder entstehen könnten.
Noch immer „gut in Schuss“ und eine wirkliche Bereicherung für die Menschen in Muku ist die mit großer Hilfe aus dem Kreis Altenkirchen – in den ersten Partnerschaftsjahren entstandene und immer wieder technisch ausgerüstete -Brunnenanlage „Manunga“. Statt über lange Wegstrecken mühsam Wassercontainer herbeizuschleppen, kann an der Brunnenanlage das Wasser direkt bei den Wohnhäusern und der Krankenstation abgezapft werden.
Weiterhin sehr positiv entwickelt sich nach Dührkoops Ansicht die Frauenarbeit, die vor allem auch den vielen Witwen Chancen zur Sicherung des Lebensunterhaltes für sich und ihre Kinder ermöglicht.
Geplant – so erfuhr die Delegation – ist u.a. der Bau eines Lagerhauses in der Nähe von Muku. Hier sollen geerntete und hergestellte Waren zwischengelagert werden, ehe sie auf den Märkten offeriert werden.
Rege ist man in der Poste Muku beim Bau notweniger Gebäude zugange. Selbst hergestellte Ziegelsteine wachsen schnell zu festen Schulräumen, kirchlichen Häusern oder Krankenstationen. Für die Eindeckung der Gebäude braucht es die Hilfe der Partner aus Deutschland. Eines der Anliegen, das Pfarrer Dührkoop mit in die heimischen Gesprächsgruppen brachte.

„Persönliche Kontakte unbedingt aufrechterhalten“
Obwohl dank moderner Kommunikationsmittel der Kontakt zwischen den Partner im Kirchenkreis Altenkirchen und Muku schneller und einfacher geworden ist als noch zu „Brief- und Fax-Zeiten“, ist es nach den Erfahrungen Pfarrer Dührkoops weiterhin unabdingbar auch regelmäßig die persönlichen Kontakte zu pflegen. „Die Partnerschaft lebt von ihrer langen Dauer und des trotz der weiten Entfernung großen Vertrauens, aber die Besuche sind ganz, ganz wichtig“, resümiert er nach seinen Reiseerfahrungen. Möglichst alle zwei/drei Jahre sollte man sich schon vor Ort treffen, um in Augenschein zu nehmen, was das Leben der Partner derzeit bestimmt.
Reisen nach Muku sind schwierig zu planen (s.u.), aber auch Einladungen der Gäste aus Muku nach Altenkirchen gestalten sich mitunter schwierig. Vor allem jüngeren Delegationsmitgliedern wird häufig europäischerseits das Visum verweigert.

Hoffnungszeichen aus dem Osten Kongos
Ob künftig eine Reise einer Delegation nach Muku leichter wird, ist weiterhin ungewiss. Allerdings gab es kurz vor der Herbstssynode hoffnungsvolle Nachrichten aus dem Kongo.
Wie die Nachrichtenagentur dpa am 5. November 2013 berichtete, hat die
Armee der Demokratischen Republik Kongo die Rebellen der berüchtigten M23-Bewegung nach Angaben der Regierung in Kinshasa besiegt. Die letzten Hochburgen der Rebellen im rohstoffreichen Osten des riesigen Landes seien jetzt unter Kontrolle der Streitkräfte, berichtete der lokale Sender Radio Okapi. Die Miliz gestand die Niederlage ein. Sie teilte mit, man werde die Waffen niederlegen, die Rebellion beenden und auf rein politischer Ebene weiter nach Lösungen suchen.
erstellt von Mathias Wolf am 07.03.2014, zuletzt bearbeitet am 25.08.2017
veröffentlicht unter: Arbeitsgruppe für Partnerschaften