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Alles andere als trocken...
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Alles andere als trocken...

Bericht von der Kreissynode des Kirchenkreises Oberes Havelland

„Ehrlich gesagt, macht es mir Angst, was da auf uns zukommt!“
Die Frau redet über die Flüchtlingssituation in Deutschland. Doch wer jetzt die üblichen Argumente gegen Asylbewerber erwartet, wird enttäuscht. Denn die Frau ist Synodale, also Parlamentarierin des Kirchenkreises Oberes Havelland.
Sie hat gerade im Gottesdienst für Afrika gespendet und weitreichende Beschlüsse zur Unterstützung von Flüchtlingen nicht nur in Deutschland gefasst. Dafür ist diese Synodale auch bereit, auf Zuschüsse für die Gemeindearbeit zu verzichten.

Am Samstag, dem 7.11. tagte die Kreissynode des Kirchenkreises Oberes Havelland in Vietmannsdorf bei Templin im wunderschönen Landgasthof Askanien.
Das ist immer wieder das Außergewöhnliche an den Synoden der Kirche: Hier darf man Sorgen äußern, ohne in Schubladen gesteckt zu werden. Hier finden Menschen mit verschiedenen Meinungen und Ideen zusammen und ringen um Kompromisse, während anderswo die Fronten verhärtet erscheinen.
Als Pfarrerin Ute Gniewoß von der Insel Lesbos erzählt, wo die völlig erschöpften und halbtoten Bootsflüchtlinge ankommen und von Ersthelfern versorgt werden, ist es absolut still im Saal. Alle sind berührt. Dennoch gibt es keinen Aktionismus, sondern die Hilfe wird sachlich und nachhaltig koordiniert.
2 Prozent der Einnahmen werden von den Sachkosten zweckgebunden, so dass langfristig Flüchtlingsberatung und Unterstützung aufgebaut werden kann. Gleichzeitig wird aber auch ein Projekt in Simbabwe unterstützt, ebenso wie die Hospize in Oberhavel und der Uckermark oder der Kindergarten in Velten oder die Frauen, die durch die Dörfer fahren und mit den Kindern dort basteln, singen, Krippenspiel proben oder eben über Flüchtlinge reden.

Somit ist die Debatte über den Doppelhaushalt 2016/17 alles andere als trocken, sondern ein Querschnitt durch alle Aufgaben des Kirchenkreises.
Menschen, die nicht aus der Kirchen ausgetreten sind, ermöglichen mit ihren Kirchensteuern viel mehr, als den Erhalt alter Kirchen oder die Durchführung schöner Konzerte. Und Menschen, die Sonntag für Sonntag sich manchmal in kleiner Zahl in den kleinen Dorfkirchen treffen, seien sie Kirchenmitglieder oder nicht, bewirken mit ihren Kollekten Unterstützung, ohne die kein Hilfsprojekt bestehen kann. Auf der Kreissynode war auch tiefe Dankbarkeit all den Spendern und tausenden ehrenamtlichen Helfern gegenüber zu spüren, die still und im Verborgenen „nur mal kurz die Welt retten“.
Aber auch die Ängste der Gemeindeglieder werden ernst genommen. Die nächste Synode soll sich mit den sozialen und religiösen Herausforderungen der vielen Menschen muslimischen Glaubens beschäftigen, der Öffentlichkeitsbeauftragte bietet Gemeindeabende zum Thema „Islam“ an.
Hier wird weder vor der Not der Abkommenden noch vor der Sorge der Gastgebenden die Augen verschlossen.
„Ehrlich gesagt, macht es mir Angst, was da auf uns zukommt!“ sagte die Synodale leise in der Kaffeepause und alle nickten. Dann seufzte sie: „Aber nutzt ja nix, jetzt sind sie da. Musste ja trotzdem helfen, irgendwie!“ Alle nickten ein zweites Mal.
Das ist Brandenburger Frömmigkeit in Reinkultur!

Beate Wolf
erstellt von Mathias Wolf am 07.11.2015, zuletzt bearbeitet am 07.11.2016
veröffentlicht unter: Neuigkeiten aus dem Kirchenkreis