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Da hilft nur klar zu sagen, wo die Grenzen sind
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Da hilft nur klar zu sagen, wo die Grenzen sind

Synode des Kirchenkreises Oberes Havelland diskutiert in Löwenberg über Flüchtlingsarbeit. Ein Artikel aus der MAZ von Cindy Lüderitz

Löwenberg. Als Pfarrer Christian Guth mit seinen iranischen Taufschülern Sankt Marien in Gransee betrat, gab es in der Stadt Gerede: „Jetzt wird der Koran schon in die Kirche getragen“, mutmaßten Beobachter. Aber nicht nur außerhalb der Kirche, auch innerhalb der evangelischen Gemeinden polarisiert das Flüchtlingsthema zunehmend. Veltens Pfarrerin Ute Gniewoß nannte es am Sonnabend in Löwenberg einen Skandal, dass selbst „aus dem Kern mancher Gemeinden“ Worte der Unbarmherzigkeit gegenüber Geflüchteten kämen. „Da hilft nur klar zu sagen, wo die Grenzen sind, was mit dem christlichen Glauben vereinbar ist und was nicht“, sagte sie.
Die Situation nicht als Krise, sondern als Aufgabe zu sehen, dafür warb Superintendent Uwe Simon. Er sprach von einer Mobilisierung innerhalb der Gemeinden und von „unglaublich vielen Engagierten“, die in Willkommensinitiativen, als Paten, als Christen helfen. Das Kümmern um die Flüchtlinge habe auch viele Gemeinden aus der Selbstbeschäftigung geholt und gezeigt, „welche wichtige Rolle wir in der Vermittlung und Positionierung haben“, so Simon.
Bischof Markus Dröge erinnerte an den Kernauftrag des Evangeliums, der Kirchengemeinden konkret verpflichte, sich um die Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen zu kümmern. Lange Zeit habe es funktioniert, die Probleme in der Welt zu verdrängen, jetzt kämen sie mit einem menschlichen Antlitz ganz nahe. Das führe zu Veränderungen. Kirche und Diakonie hätten sich noch nie so nahe gestanden wie jetzt. „Das ist auch ein Segen“, so Dröge.
Zehdenicks Pfarrer Andreas Domke sprach sich für mehr Personal aus, um die Projektarbeit mit den Flüchtlingen zu bewältigen beziehungsweise zu erweitern. Der Kirchenkreis unterhält bereits Beratungsstellen in Hennigsdorf und seit kurzem auch in Zehdenick. Bedarf hätte ebenso Gransee angemeldet, sagte Simon und verwies auf die Haushaltsplanung zur Herbstsynode. Neben der Flüchtlingsarbeit gebe es auch die berechtigte Erwartung an die Kirche, sich um andere Bereiche zu kümmern, etwa die Notfallseelsorge oder um Partnerschaften im Ausland. „Die Flüchtlingsarbeit kommt jetzt dazu, anderes wird deshalb nicht vernachlässigt“, betonte Simon. Und so war der zweite Teil der Kirchenversammlung einer Vielzahl von Themen in Oberhavel gewidmet.
Henning Schluss, Leiter des evangelischen Bildungswerks Oranienburg, informierte, dass die Gespräche über weitere Schulformen mit dem Landkreis wieder aufgenommen worden sind. Aufgrund steigender Schülerzahlen durch Zuzug und Aufnahme von Flüchtlingen sei ein erhöhter Schulbedarf festzustellen, so Schluss.
In einigen Pfarrsprengeln des Kreises gebe es nach Angaben des Strukturausschusses aufgrund des neuen Zuschnitts noch Regelungsbedarf. Wenn Pfarrer Christian Albroscheit demnächst in den Ruhestand geht, gibt es eine Vakanz in Templin. Mit Barbara Schlenker wurde eine neue Pfarrerin in der Synode begrüßt. Sie trat in Grüneberg die Nachfolge von Gerhard Gabriel an.


Sie kennen das Risiko
Flüchtlinge aus dem Iran absolvierten bei Pfarrer Christian Guth in Gransee einen Taufkurs und möchten jetzt ihr Bekenntnis zum christlichen Glauben ablegen. Ostermontag ist ihr großer Tag.

MAZ: Sind ihre Täuflinge vorbereitet?
Christian Guth: Das sind sie. Wir haben zehn Doppelstunden absolviert, die Bibel studiert, über den Glauben gesprochen, über unsere Feiertage, die Kreuzigung, die Liturgie der Gottesdienste.

Wie haben Sie sich verständigt?

Guth: Ein Dolmetscher war bei den Kursen dabei. Meine Predigten wurden in Farsi übersetzt, so dass sie auch dem Gottesdienst folgen können. Außerdem haben wir persische Bibeln angeschafft.

Für die Iraner ist das Glaubensbekenntnis auch ein Risiko. In ihrem Heimatland werden Christen verfolgt. Wie gehen sie damit um?

Guth: Sie haben gesagt, sie kennen das Risiko, aber sie möchten das – auch wenn es keine Garantie dafür ist, dass sie hier bleiben können. Sollten sie Deutschland verlassen müssen, wollen sie ihren Glauben woanders leben.

Hat der Taufkurs für Sie persönlich auch etwas verändert?

Guth: Ja, das hat es. Ich habe jetzt doch ein größeres Bewusstsein für die Kirche in der Welt. Meine bisherige Wahrnehmung konzentrierte sich doch sehr auf Gransee, den Kirchenkreis und vielleicht noch unsere Landeskirche. Das ist jetzt anders.

Wie ist Ihnen der Unterricht in Erinnerung geblieben?

Guth: Es war schön zu erleben, wie sie alles aufsaugen. An einem Abend wollte ich bis zu der Stelle der Kreuzigung erzählen. Dann wollten sie auch hören, wie es weitergeht.
erstellt von Mathias Wolf am 07.03.2016, zuletzt bearbeitet am 07.11.2016
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