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Bischof fordert mehr Taten als Worte
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Bischof fordert mehr Taten als Worte

Ein Artikel aus der Gransee-Zeitung von Thomas Pilz

Löwenberg (GZ) Die Flüchtlingskrise war beherrschendes Thema der Frühjahrssynode des evangelischen Kirchenkreises Oberes Havelland am vergangenen Sonnabend. Stellung nahm diesmal der Vorsitzende der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg - Schlesische Oberlausitz, Bischof Markus Dröge.

79 evangelische Christen hatten sich im Bürgerhaus Löwenberg versammelt. Zahlreiche Probleme und Details der alltäglichen Arbeit kamen während der Tagung zur Sprache - doch immer wieder mit Verweis oder in Bezugnahme auf die Flüchtlingskrise.

Das wurde bereits während des Grußwortes der Superintendentin des Oberhavel-Partnerkreises Altenkirchen (Rheinland-Pfalz) deutlich, Dr. Andrea Aufderheide. Sie berichtete, es sei ein Erstaufnahmelager für die dortige Region geschaffen worden, das 3000 Asylsuchenden Platz bietet. Ähnlich wie andernorts in Deutschland sei spürbar, im ländlichen Raum stoße dieser Umstand nicht immer auf uneingeschränkte Sympathie.

Doch die Kirchengemeinden seien ein Motor für Patenschaftsprojekte mit Asylbewerbern, erläuterte Aufderheide. Wichtig sei vor allem der Umgang mit traumatisierten Menschen, zumal mit Kindern. All das sei eine große Herausforderung, so die Superintendentin, zugleich aber auch eine große Chance. "Wir haben die Erfahrung machen können, dass in diesen Tagen das Christsein oft neu entdeckt wird", sagte sie.

Bischof Dröge konzentrierte sich in seinem Impuls-Vortrag ebenfalls auf das alles beherrschende Thema - wenngleich er einleitend auf das Credo der evangelischen Christen in Deutschland in diesem Jahr einging: 2017 wird der 500. Jahrestag des Thesenanschlags zu Wittenberg begangen, Das Motto lautet daher: "Reformation und die eine Welt". Dahinter stehe die Überzeugung, dass die Schöpfung "nicht zerrissen" werden dürfe, weil alles mit allem zusammenhängt. "Jeder Mensch ist angesprochen und berufen, erlöst und befreit Verantwortung für Mitmenschen zu übernehmen", erklärte Dröge.

Für die Kirchen sei der Umgang mit den aktuellen Fluchtursachen seit Jahren Thema. Seien es Kriege, soziale, wirtschaftliche oder ökologische Ursachen, die die Menschen in die Flucht treiben. Er erinnerte an frühchristliche Gemeinden und deren Netzwerke der Verkündigung, die eine revolutionäre soziale Entwicklung eingeleitet hätten. Dies hätte erst die Entdeckung der Würde des einzelnen Menschen ermöglicht.

In Bezug auf die Flüchtlingskrise bedeute das aktuell: Nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Taten solle den Menschen in Not geholfen werden.

Wie vielschichtig aber das Thema wahrgenommen wird, zeigte die anschließende Diskussion. Aus den Reihen der Synodalen kam der Vorschlag, den Begriff Flüchtlingskrise zu vermeiden. Weil dies die globalen Ursachen ausblendet. Statt dessen möge von Wirtschaftskrise gesprochen und sollten die Asylbewerber Zuwanderer genannt werden, möglich wäre auch "Heimatvertriebene". Der Granseer Pfarrer Christian Guth berichtete, dass vor allem Flüchtlinge aus dem Iran sich taufen lassen wollen. Das sei eine bemerkenswerte Tendenz.

Sorgen wurden von anderer Seite artikuliert, die Bewältigung der Flüchtlingskrise gehe zu Lasten der sozial Schwachen hierzulande. Das schaffe Nährboden für Rechtsextremismus. Konstatiert wurde, dass es vereinzelt auch Tendenzen der Intoleranz in den Kirchengemeinden gebe, was im Grunde unvereinbar mit dem Glauben sei. Angesprochen wurde Dröge auf das Problem eines Einwanderungsgesetzes. Da es ein solches noch nicht gibt, gelte es in dieser Situation, "menschliche Werte über wirtschaftliche und politische Werte zu stellen und zu handeln", betonte der Bischof. Und er wies auf den Kernauftrag des Evangeliums hin, der Kirchengemeinden konkret verpflichte, sich um die Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen zu kümmern.
erstellt von Mathias Wolf am 07.03.2016, zuletzt bearbeitet am 10.06.2017
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