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Kirchenkreis zeigt Flagge
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Kirchenkreis zeigt Flagge

Ein Bericht von der Herbstsynode 2014 aus der MAZ von Cindy Lüderitz

Zehdenick/Oranienburg – Aus eigener Kraft will der Kirchenkreis Oberes Havelland Beratungsangebote für Flüchtlinge in Gransee und Oranienburg schaffen. Das sagte Superintendent Uwe Simon am Sonnabend bei der Herbstsynode in Zehdenick. Finanziert aus Personalrücklagen und zunächst auf zwei Jahre befristet soll dafür ab 2015 eine Stelle geschaffen werden. Ob diese dann auf einen oder zwei Mitarbeiter verteilt wird, ist laut Simon noch unklar. Dazu wird jetzt ein Konzept entwickelt. Angesiedelt wird die neue Beratungsstelle in der Superintendentur in Gransee. „Wir haben lange nach Ansätzen gesucht, um auf die neuen Wohn- und Lebensorte von Flüchtlingen eingehen zu können und von einer Willkommenskultur nicht nur zu reden, sondern sie zu leben und Integration zu ermöglichen“, betonte Simon. Es sei zu spüren, fügte er hinzu, wie groß teilweise die Vorbehalte gegenüber den Flüchtlingen in der Bevölkerung seien. Aus der Zehdenicker Region sei ihm kürzlich der Ausspruch zu Ohren gekommen: „Erst schickt ihr uns die Nazis, jetzt die Asylbewerber.“ Der Kirchenkreis müsse sich dem Schicksal der Flüchtlinge annehmen und sich zugleich der latenten Ausländerfeindlichkeit und dem unterschwelligen Rassismus stellen, unterstrich Simon: „Wir wollen Flagge zeigen.“
Im Rahmen der bereits angeschobenen Regionalisierung innerhalb des 2011 gebildeten Super-Kirchenkreises beschloss die Synode am Sonnabend ein neues Modell für den Mittelbereich zwischen Lindow und Liebenwalde. In der Region um den Altkreis Gransee sollen fünf größere Pfarrsprengel gebildet und von insgesamt neun Seelsorgern betreut werden. Ziel sei es laut Simon, die Zusammenarbeit der vielen kleinen Gemeinden stärker zu verankern und der Vereinsamung in den ländlichen Regionen zu begegnen.
Immer weniger hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter hätten immer mehr Aufgaben zu bewältigen und das bei schwindenden Gemeindegliederzahlen und weiten Wegen über Land. Bei seiner Gründung vor vier Jahren zählte der Kirchenkreis noch rund 25 250 Gemeindeglieder. Die Zehn-Jahres-Prognose von damals lautete: zehn Prozent Mitgliederschwund bis 2021. Nach aktuellen Zahlen wird diese Situation früher eintreten, prophezeite der stellvertretende Superintendent Christoph Poldrack. Mit Stand Oktober waren noch 23 936 Gemeindeglieder eingetragen. Der Rückgang mache sich zuallererst im dünner besiedelten Norden bemerkbar – also dort, wo jetzt die Pfarrsprengel aufgeweitet und mit Ausnahme von Liebenwalde (ein Prediger) jeweils mit zwei Seelsorgern besetzt werden sollen. „Hier ist der Handlungsdruck am größten“, begründete Uwe Simon die Neustrukturierung. Im Südkreis gäbe es andere, funktionierende Formen der Zusammenarbeit. Im Templiner Raum würden ähnliche Diskussionen wie in Gransee, Zehdenick oder dem Löwenberger Land noch anstehen.
Mit dem Beschluss der Synode werden Gransee und Menz zu einem Pfarrsprengel zusammengefasst und Baumgarten sowie Meseberg (bisher Gutengermendorf) diesem neu zugeordnet. Löwenberg, Falkenthal und Gutengermendorf bilden künftig ebenfalls einen Pfarrsprengel. Zehdenick vergrößert sich um Mildenberg und Tornow/Marienthal sowie die Gemeinden Bergsdorf und Klein-Mutz. Liebenwalde wird ergänzt durch Neuholland. Im Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin rücken Herzberg und Lindow
zu einem Sprengel zusammen.

Der 2011 gegründete Kirchenkreis Oberes Havelland erstreckt sich über Teile der drei Landkreise Oberhavel, Uckermark und Ostprignitz-Ruppin und berührt im Bereich Friedrichswalde/Schorfheide noch den Barnim.

Der Haushaltsplan, der am Sonnabend in Zehdenick verabschiedet wurde, hat ein Volumen von 3,7 Millionen Euro. Ein Großteil davon entfällt auf die Personalkosten für die derzeit 62 Mitarbeiter.

Weil sich trotz mehrfacher Ausschreibung kein Bewerber fand, wird die vakante Pfarrstelle in Gransee im Januar durch eine Entsendung besetzt – mit Christian Guth.

Voraussichtlich im Frühjahr wird die Stelle eines Kantors für Zehdenick ausgeschrieben. Uwe Großer hatte sich nach zehn Jahren aus der Havelstadt verabschiedet.

Rund 200 000 Euro wird der Kirchenkreis aus Eigenmitteln im nächsten Jahr für verschiedene Bauprojekte ausgeben, unter anderem für die weitere Sanierung der Kirchen in Vehlefanz sowie Großwoltersdorf und bald auch in Grieben.
erstellt von Mathias Wolf am 10.11.2014, zuletzt bearbeitet am 22.06.2017
veröffentlicht unter: Presseberichte aus dem Kirchenkreis