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Wie kirchlich ist die Politik? Und umgekehrt!
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Wie kirchlich ist die Politik? Und umgekehrt!

Ein Artikel zum Jahresempfang des Kirchenkreises aus der MAZ von Stefan Blumberg

Erstmals wartete der Kirchenkreis Oberes Havelland beim Jahresempfang mit einer Diskussionsrunde auf, bei der nicht nur die geladenen Politiker und Superintendent Uwe Simon miteinander redeten, sondern sich auch das Publikum einmischte.
Mildenberg. Ralph Herforth hatte keinen ganz leichten Job. Als Moderator der Podiumsdiskussion des Kirchenkreises Oberes Havelland musste der Schauspieler – na klar – Fragen stellen, nachhaken, intervenieren, Kontra geben, das Mikrofon zu den Gästen tragen und auch noch den Überblick behalten. Wie kirchlich ist die Politik? Wie politisch ist die Kirche? Das waren die zentralen Fragen, die am Freitagabend zum Jahresempfang beantwortet werden sollten. 500 Jahre Reformation – passender hätte das Thema Politik und Kirche nicht sein können.
Überschneidungen von Themen aus Politik und Kirche – sind die in Ordnung oder nicht? Uwe Simon kann beides nicht auseinanderhalten. „Ich bin als Bürger Christ und als Christ Bürger. Man kann Politik und Kirche nicht trennen“, sagte der Superintendent des Kirchenkreises. Harald Petzold, Bundestagsabgeordneter der Linken, fährt da eine andere Schiene. „Das Institutionelle muss streng auseinandergehalten werden.“ Ganz anders betrachtet Jens Köppen, Bundestagsabgeordneter der CDU, das Verhältnis: „Die Kirche sollte sich keineswegs aus der Politik heraushalten. Jede Einmischung ist gut. Die Gläubigen müssen sich einmischen, auch wenn die Kirche als Institution keine Politik machen sollte. Aber wir alle machen Politik.“ Der Landtagsabgeordnete Björn Lüttmann (SPD) kann nur begrüßen, wenn sich die Kirche in die Politik ?einmischt. Er denkt dabei unter anderem an die Demonstrationen der Pegida-Bewegung vor zwei Jahren. „Wenn ich mich an die Oranienburger Veranstaltungen erinnere, war auf die Mitglieder der Kirchengemeinde immer Verlass.“
Ralph Herforth brachte den Dienst am Menschen ins Spiel und wie diese Arbeit an- oder eher nicht anerkannt wird, zum Beispiel in der Pflegebranche. „Warum verdienen Krankenpflegerinnen und -pfleger so wenig?“ Uwe Simon beobachtete, „dass sich die Spirale in diesen Berufen nach unten bewegt, sie brauchen mehr Wertschätzung. Auch bei uns in der Diakonie ist das nicht anders“. Harald Petzold: „Tätigkeiten werden in Deutschland so beurteilt, wie sie den Wert für die Gesellschaft darstellen.“ Nicht um den heißen Brei herum redete Björn Lüttmann: „Wir sind im Kapitalismus. Die Frage aus politischer Sicht ist, ob man etwas von den Reichen holen kann.“ Seinen christlichen Anspruch dazu formulierte Uwe Simon so: „Wir wollen denen helfen, die sich nicht selbst helfen können. Insofern wäre die Politik gut beraten, wenn sich die Kirche im Sinne einer humanen Gesellschaft mehr einmischt.“
Sorgen macht sich Petra Wolf, Pfarrerin aus Menz, um die seelsorgerische Arbeit wegen gestrichener Zuschüsse. Auch die mangelnde Unterstützung der kirchlichen Angebote (Kita, Schulen) werden von den kirchlichen Vertretern mit Bedenken betrachtet. „Vielfalt statt Einfalt. Kirchliche Einrichtungen sind eine wunderbare Ergänzung“, so Jens Köppen. „Es soll auch private Einrichtungen geben“, meint Harald Petzold.
Es war das erste Mal, dass der Kirchenkreis auf einem Jahresempfang ein Thema mit einer Podiumsdiskussion beleuchtete. „Auch wenn manche Dinge nur oberflächlich diskutiert wurden, hat mir die Runde gefallen. Auch, das sich Ralph Herforth mit seiner Meinung eingebracht hat“, sagte Kathrin Seifert, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats Neuholland. Sie bedauerte, genau wie Mathias Wolf (Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis), dass nur 80 der 97 angemeldeten Kirchenvertreter nach Mildenberg kamen.

Von Stefan Blumberg
erstellt von Mathias Wolf am 22.06.2017, zuletzt bearbeitet am 08.11.2017
veröffentlicht unter: Presseberichte aus dem Kirchenkreis