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Kirchensteuern sprudeln kräftig
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Kirchensteuern sprudeln kräftig

Ein Artikel aus dem Oranienburger Generalanzeiger von Ingmar Höfgen

Oberhavel (OGA) Der evangelische Kirchenkreis Oberes Havelland hat am vergangenen Sonnabend die finanziellen Weichen für die nächsten beiden Jahre gestellt. Die Synodalen verabschiedeten den Haushalt für die Jahre 2018/2019.

In jedem Jahr stehen rund 4,2 Millionen Euro zur Verfügung, davon etwa drei Millionen für die 75 Mitarbeiter, die sich um rund 22.000 Gläubige kümmern. Für anstehende Baumaßnahmen will man jetzt externen Sachverstand verpflichten. Hier die wichtigsten Themen im Überblick:

Finanzen: Die Einnahmen aus der Kirchensteuer sprudeln weiter - wegen der guten Konjunktur und trotz der geringer werdenden Zahl von Gemeindegliedern. Nach sieben fetten Jahren folge nun ein achtes, sagte Superintendent Uwe Simon am Sonnabend in der Aula der Liebenwalder Grundschule. Damit gebe es ein Luxusproblem - wie kann das Geld sinnvoll verteilt werden? 2018 und 2019 stehen jeweils 4,2 Millionen Euro zur Verfügung, die Rücklage beträgt etwas mehr als sieben Millionen Euro. Simon warf aber auch einen Blick voraus: Ab 2019 fallen 20 000 Euro pro Jahr aus der Partnergemeinde Altenkirchen weg. Und bis 2025 könnten wegen der rückläufigen Zahl der Gläubigen, die mit ihren Steuerzahlungen die Institution Kirche unterstützen, ein Viertel der Einnahmen fehlen.

Personal: Nach langer Diskussion wurde mehrheitlich beschlossen, die Stelle eines Baubeauftragten einzuplanen. Ein Sperrvermerk sorgt aber dafür, dass erst die genauen Aufgaben für eine Ausschreibung abgesprochen und auf der nächsten Synode entschieden werden sollen. Ein Fachmann soll die Ehrenamtler unterstützen - und auch den Kirchenkreis beraten bei der Frage, was an welchen Kirchenbauten gemacht werden soll. Pfarrer Thomas Hellriegel fühlte sich von dem Vorschlag überrannt - Superintendent Uwe Simon betonte, genau dies nicht zu tun, sondern über diese Stelle auf der Kreissynode zu diskutieren. Befürworter gab es mehrere: Pfarrerin Ruth-Barbara Schlenker sagte, dass sie es aus Thüringen gar nicht anders kenne. Und ein früherer Berliner Lehrer erinnerte an die dortigen Verwaltungs-Einsparungen der Vergangenheit. Dann hätten sich Schulleiter mit Fachfremdem beschäftigen müssen - dabei hätten sie einfach nur Lehrer sein wollen, wie auch viele Pfarrer einfach gern Pfarrer wären.

Geschaffen werden soll eine halbe Springerstelle für Vakanzen, wenn Pfarrer Christoph Poldrack im Sommer 2018 in den Ruhestand geht - in Leegebruch verbleibt dann eine halbe Pfarrstelle. Die derzeit einzige Vakanz ließ sich bisher nicht besetzen. Die erste Ausschreibung für die Nachfolge von Tobias Ziemann in Gutengermendorf blieb ohne Bewerbung. Sollte dies so bleiben, werde man die Entsendung beantragen, sagte Simon. Allerdings gebe es derzeit mehr Entsendungswünsche, als ausgebildeten Nachwuchs.

Partnergemeinden: Die durch einen Bundesbeamten am südafrikanischen Flughafen Johannesburg gestoppte Reise von Gläubigen der zimbabwischen Partnergemeinde nach Oberhavel (wir berichteten) beschäftigt inzwischen die höchsten Kreise. Es habe intensive Gespräche zwischen dem Konsistorialpräsidenten und dem Präsidenten der Bundespolizei gegeben, sagte Simon. Dabei gehe es auch darum, wie man den kirchlichen Austausch ermöglichen könne. Trotz aller nötigen Unterlagen, darunter Einladungen und Bürgschaften, und trotz erteilter Visa hatte im Sommer ein deutscher Beamter den Abflug von sechs Männern und Frauen gestoppt, weil er angeblich die Gefahr von Asylantragstellungen in Deutschland sah. Bei einer Reise des Kirchenkreises nach Sibiu (Rumänien) wurden Herausforderungen sichtbar. Dort gebe es Gemeinden ohne Gemeindeglieder, die nur noch aus Kirchengebäuden und Ländereien bestehen.

Reformationsjubiläum: Um das Fazit der Feierlichkeiten zum 500. Jahr, in dem Martin Luther seine Thesen zum Ablasshandel veröffentlichte, werde seit Wochen gestritten, sagte Uwe Simon. Die einen vermissen theologische Tiefe, die anderen ökumenische Erfolge, andere wiederum sehen eine Kommerzialisierung der ursprünglichen Erneuerungsbewegung. Er könne die zum Teil harsche Kritik nicht nachvollziehen, sagte Simon. Die schwerpunktmäßige Auseinandersetzung mit unverkennbar evangelischen Themen habe dem Erbe in der Gemeinschaft der Kirche gut getan. Simon verwies auch auf die große Resonanz beim zentralen Gottesdienst in Gransee am vergangenen Dienstag.

Baumaßnahmen: Nachdem die Ausschreibung für die Kirche in Zabelsdorf teilweise deutlich überhöht waren, ist der Beginn der mehrjährigen Sanierung offen. Eventuell geht es auch noch in diesem Jahr los - dann aber wohl nicht mit Firmen aus der Region. Die Innensanierung in Liebenwalde soll auch mit Fördermitteln erfolgen. Die Arbeiten in Sachsenhausen werden 2018 fortgesetzt. Dann stehen auch Arbeiten an den Gotteshäusern in Groß-Ziethen und eventuell Marwitz auf dem Plan.

Beratung von Flüchtlingen: Der Beratung und Betreuung von Flüchtlingen will sich der Kirchenkreis weiterhin widmen, auch wenn der Landkreis dies in Eigenregie erledigt. Die in Oberhavel gewählte Konstruktion - eine kreiseigene Gesellschaft berät die Flüchtlinge objektiv, welche Ansprüche sie gegen den Landkreis und damit gegen den Eigner der kreiseigenen Gesellschaft haben - kritisierte der Oranienburger Henning Schluss als Verstoß gegen das Subsidiaritätsprinzip. Simon verwies aber darauf, dass es der im Land Brandenburg geltenden Rechtslage entspreche. Simon sah dies auch ohne staatliche Finanzierung als "ureigene Aufgabe" der Kirche. "Wir können nicht immer nur nach den Mitteln schielen."
erstellt von Mathias Wolf am 07.11.2017, zuletzt bearbeitet am 08.11.2017
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