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Pfarrer werden immer mehr zu Reisenden
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Pfarrer werden immer mehr zu Reisenden

Ein Bericht aus der MAZ von Bert Wittke

Wenige Tage nach dem gemeinsamen Reformationsfest in Gransee, diskutierten die Synodalen des Kirchenkreises Oberes Havelland am Sonnabend auf ihre Herbstsynode in Liebenwalde den Doppelhaushalt 2018/2019. Immer weniger Pfarrer betreuen immer größere Gebiete. Für etwas Entlastung soll die Einführung eines Baubeauftragten sorgen.

Liebenwalde. Kirche macht Schule gemacht oder anders ausgedrückt: Der Evangelische Kirchenkreis Oberes Havelland hatte am Sonnabend zur Herbstsynode in die Aula der Grundschule „Am Weinberg“ nach Liebenwalde eingeladen. Draußen schien derweil die Sonne und auch unter den rund 100 Synodalen dominierten aufgehellte Gesichter. Überdies fand Superintendent Uwe Simon in seinem Bericht lobende Worte für die vielen Veranstaltungen in jenem Jahr, da sich der Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg zum 500.?Mal jährte. Er sei zudem froh, fuhr Uwe Simon in seinem Bericht fort, dass fast alle Pfarrstellen, die vakant wurden, wieder besetzt werden können. Dies sei wichtig, wenn man ein attraktiver Kirchenkreis sein möchte.

Finanziell scheint es um den Kirchenkreis, der zurzeit 22?454 Gemeindeglieder zählt, nicht schlecht zu stehen. Das wurde deutlich, als es im Zuge der Haushaltsberatungen für 2018/2019 um die Personalplanung ging. Wie Pfarrer Christoph Poldrack (Leegebruch) erläuterte, dürften im Jahr 2018 für Personalkosten 3 072 806 Millionen Euro ausgegeben werden, im Folgejahr seien es 3 121 077 Millionen. Diese Personalkostengrenzen würden eingehalten. In den Personalkosten enthalten sei unter anderem eine 0,5-Pfarrstelle (Springerstelle) für Vakanzvertretung. Ironie des Schicksals: Gegenwärtig vertritt Christoph Poldrack den Pfarrer Tobias Ziemann aus Gutengermendorf, der das Löwenberger Land in Richtung Berlin verlassen hat. Mitte 2018 wird dann Christoph Poldrack selbst in den Ruhestand gehen und vertreten werden müssen. Geeigneten Pfarrersnachwuchs für den Kirchenkreis zu finden, scheint nicht so einfach zu sein. Auf eine erste Ausschreibung nach dem Rückzug von Pfarrer Tobias Ziemann habe es nicht eine Bewerbung gegeben. Weiter in den Personalkosten enthalten ist eine 0,8-Stelle für Flüchtlingsarbeit, die beinhaltet, den Gemeinden Hilfe bei der Integration von Flüchtlingen zu geben. Das Kirchenparlament bewilligte zudem eine Mitarbeiterstelle für das Projekt „Kirche mobil“, dass die Betreuung von Leuten beinhaltet, die aufgrund der Entfernung nicht mehr zur Kirche gehen können. Wie sagte Superintendent Uwe Simon in seinem Bericht: „Wir erleben also eine Kirche, die sich gerade grundlegend wandelt.“ Dazu gehöre auch darüber nachzudenken, wie man Gemeinschaft über weite räumliche Entfernungen erfahrbar machen kann. Und wie man Nachwuchs für ein Pfarramt gewinnen könne, das sich gerade fundamental wandele, weil es nicht mehr nur ortsbezogen ausgeübt wird, sondern auch etwas mit „Reisedienst“ zu tun hat. Oder anders gesagt: Immer weniger Mitarbeitende betreuen immer größere Gebiete.

Was den Erhalt und die Unterhaltung der Kirchengebäude betrifft, schlug Uwe Simon in Liebenwalde vor, die Bauhilfen zu erhöhen und den Posten eines Baubeauftragten zu schaffen und in die Personalplanung für 2018/2019 aufzunehmen. Dieser solle möglichst Bau-Ingenieur sein und Bau- sowie Sanierungsvorhaben der Kirche fachlich begleiten, bei der Vergabe von Aufträgen mitreden und die Gemeinden bei allen Baufragen sowie beim Erschließen und Beantragen und Fördermitteln beraten. Kurzum soll er die „an einer Stelle versammelte Baukompetenz“ verkörpern. Später entspann sich unter den Synodalen eine Diskussion über die noch nicht ausformulierte Stellenbeschreibung. Aus diesem Grund folgten die Mehrheit der Synodalen einem Antrag des Superintendenten, der vorschlug, die Einführung der Stelle eines Baubeauftragten zunächst mit einem Sperrvermerk zu versehen. Dieser solle aufgehoben, wenn bei der nächsten Frühjahrssynode eine genaue Stellenbeschreibung vorliegt und von den Synodalen akzeptiert wird. Finanzielle Vorbehalte für die Aufnahme dieser Stelle in den Personalplan für 2018/2019 gibt es nicht. Wie es hieß, verfüge der Kirchenkreis über ein Rücklagepolster für seine Personalausgaben in Höhe von rund sechs Millionen Euro.

Auf mehr als vier Millionen Euro werden sich die Personal-, Sach- und Baukosten im Jahr 2018 belaufen, meist aus Kirchensteuern, Spenden und Pachteinnahmen finanziert.

Die meiste Arbeit aber geschieht ehrenamtlich. Friedhöfe werden gepflegt, Kirchen geputzt, Glocken geläutet, bedürftige Menschen besucht und beraten. Kaum auszudenken, was wäre, wenn es diese im Verborgenen tätigen Gemeindeglieder nicht gäbe.
erstellt von Mathias Wolf am 07.11.2017, zuletzt bearbeitet am 08.11.2017
veröffentlicht unter: Presseberichte aus dem Kirchenkreis