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Sparzwänge im Kirchenkreis

Sparzwänge im Kirchenkreis

Bericht von Cindy Lüderitz über die Kreissynode in der Märkischen Allgemeinen vom 12.11.2012

NEUGLOBSOW - Nach einer bald zweijährigen Annäherungsphase standen die Vertreter des Kirchenkreises Oberes Havelland am Sonnabend vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe: Wie verteilen sie angesichts von Sparzwang und Schrumpfungsprozess Haushaltsmittel und Personalstellen auf ein Gebiet, das sich über mehrere Landkreise erstreckt und erhalten zugleich die Nähe zu den Gemeindegliedern?

Zumindest der Zuschnitt der neuen Regionen wurde in Neuglobsow einstimmig verabschiedet: Danach wird der Kirchenkreis in vier Arbeitsbereiche aufgeteilt, die inhaltlich eine gewisse Autonomie genießen und in ihren Grenzen ein wenig an alte Kirchenkreise erinnern. Das größte Gebilde ist dabei die Region Gransee-Zehdenick mit fast 10 000 Gemeindegliedern und (derzeit noch) elf Pfarramtsbereichen. Künftig sollen es noch acht sein, weshalb insbesondere Protest aus den von Auflösung bedrohten Pfarrsprengeln Falkenthal und Herzberg kam.

Allein in den letzten zehn Monaten habe der Kirchenkreis 544 Mitglieder verloren – aktuell sind es noch 24 709. Zugleich sinken die Zuweisungen der Landeskirche und die Erträge aus Kirchensteuern. Die zwölf Mitglieder des Strukturausschusses hätten laut Christoph Poldrack (stellvertretender Superintendent) versucht, unter diesen Vorzeichen einen ausgewogenen, zukunftsfähigen Regional- und Stellenplan vorzulegen. Das Ungleichgewicht zwischen dünn besiedeltem Norden und stärkerem Süden sei berücksichtigt worden.

Auch Superintendent Uwe Simon verteidigte das Papier: „Wir rechnen auf dem Niveau einer günstigen Prognose. Eigentlich hätten wir noch radikaler ansetzen müssen. Mehr wird es nicht zu verteilen geben“, betonte der Chef des Kirchenkreises. Während immer weniger Geld zur Verfügung stehe, müssten jährlich zwischen zwei und drei Prozent mehr für das Personal eingeplant werden. Dieser Schieflage versuche die Konzeption Rechnung zu tragen. Zustimmung fand der Rahmenplan bei Kantor Uwe Großer aus Zehdenick, der sagte: „Wir blicken immer angstvoll in die Zukunft. Aber wir können damit arbeitsfähig bleiben.“ Hans-Joachim Vanselow empfindet das Papier als ungerecht – „wir sind die einzige Region, in der Pfarrstellen gestrichen werden sollen“, so der Pfarrer aus Falkenthal, der sich auch um die Gemeinden Bergsdorf, Klein-Mutz und Neuholland kümmert. Gemeinsam mit seinem Kollegen Ulrich Baller aus Herzberg, dessen Pfarrstelle perspektivisch ebenfalls wegfallen könnte, sprach Vanselow für 70 Kirchenälteste, die eine Auflösung ihrer Pfarrsprengel verhindern wollen. „Eine Region, die noch so intakt ist, so weit auszudünen, finde ich zu viel der Kürzung“, so Vanselow. Mit dieser Diskussion werde sich entscheiden, ob die Kirche einen Vertrauensverlust erfahre.

Auch die Templiner Kirchengemeinde kämpft um eine 50-Prozent Pfarrstelle, die nach dem Umzug Uwe Simons nach Gransee unbesetzt ist. Christian Albroscheit, eigentlich Pfarrer in Tornow-Marienthal, hilft derzeit im Nachbarkreis aus, fühlt sich dabei aber wie ein Notnagel. „Soll ich den Menschen sagen, ich bin hier, um Löcher zu stopfen?“, fragte Albroscheit. Die Synode beschloss den Rahmenstellenplan mit großer Mehrheit, vertagte die Diskussionen um die Stellenverteilung aber in die Regionen. Erst im Frühjahr soll festgeschrieben werden, wie der Plan konkret umgesetzt wird. Ulrich Baller sieht darin eine Chance zum Verhandeln. „Noch ist nichts entschieden.“ (Von Cindy Lüderitz)
erstellt von Mathias Wolf am 12.11.2012, zuletzt bearbeitet am 22.06.2017
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