Start Willkommen im Kirchenkreis Presseberichte aus dem Kirchenkreis Artikel: Kirche braucht Gesichter
Kirche braucht Gesichter

Kirche braucht Gesichter

Superintendent wirbt nach Diskussion um Rahmenstellenplan für mehr Kooperation

Die Diskussion um die Strukturplanung im Kirchenkreis hat für Diskussionen in den Gemeinden gesorgt.

Über Einschnitte sprachen Superintendent Uwe Simon und der Öffentlichkeitsbeauftragte Mathias Wolf gestern mit der Presse. Fragen und Antworten zeichnete Cindy Lüderitz auf.

MAZ: Mit dem auf der Synode in Neuglobsow verabschiedeten Rahmenstellenplan hat der Kirchenkreis eine Struktur für 2021 festgelegt. Ist das nicht verfrüht?

Uwe Simon: Wir wissen nicht, was 2021 sein wird. Aber wir wissen, dass wir unsere Ausgaben reduzieren müssen. Und der Rahmenplan bildet dieses Erfordernis ab, der Soll-Stellenplan wird alle zwei, drei Jahre verabschiedet. Ähnlich wie Kommunen sind wir in der Pflicht, uns dabei der Einnahmesituation anzupassen.

Was heißt das für Gemeinden und Mitarbeiter der Kirche?

Simon: Wir haben uns dazu bekannt, in den Regionen des Kirchenkreises die Vielfalt der kirchlichen Berufe zu erhalten. Jede der vier Regionen hat jetzt eine bestimmte Anzahl von Stellen und es wird eine spannende Diskussion, wie dieser Rahmen dort ausgefüllt wird. Vor Ort heißt das auch, dass wir nicht mehr nur in den Grenzen eines Sprengels denken können, sondern andere Kooperationsmodelle benennen müssen. Die Kirche braucht Gesichter für die Menschen, damit sind aber nicht nur Pfarrer gemeint.

Wie viele Pfarrer werden bis 2021 im Kirchenkreis in den Ruhestand verabschiedet?

Simon: Genau kann ich das nicht sagen. Aber sieben, acht Kollegen haben dann das Rentenalter erreicht.

Welche Einschnitte befürchten Sie bis 2021?

Simon: Wir können heute nicht sagen, wie sich die Situation in neun Jahren darstellt, aber ich habe schon auf der Synode gesagt, dass ich glaube, wir hätten noch radikaler kürzen müssen, weil unsere bisherigen Prognosen vorsichtig sind. Der Rückgang an Einnahmen und Gemeindegliederzahlen wird sich beschleunigen. 60 Prozent der Gemeindeglieder zahlen heute keine Steuern.

Mathias Wolf: Ich bin seit 17 Jahren in Menz. Damals gab es mit Großwoltersdorf noch einen zweiten Pfarrsprengel, drei hauptamtliche Mitarbeiter und 960 Gemeindeglieder. Inzwischen sind es noch 490. Der Rückgang ist weniger Kirchenaustritten geschuldet, Hauptursachen sind der demografische Wandel und die Abwanderung.

Sie verzichten auf betriebsbedingte Kündigungen?

Simon: Wir sind froh, dass wir in den vergangenen zehn Jahren ohne ausgekommen sind und wir hoffen, dass das auch so bleiben kann. Es ist unser Ziel, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Glauben Sie, dass die Regionenbildung die Antwort auf eine befürchtete Anonymisierung im Kirchenkreis ist?

Simon: Ich glaube, dass die Bedeutung der Regionen zunimmt und die Beziehungsarbeit wichtiger wird, um sich nicht zu verlieren.

Auf der Synodaltagung gab es zumindest in diesem Punkt keine großen Diskussionen. Glauben Sie, dass dies Beleg für eine große Akzeptanz ist?

Simon: Letztlich haben wir mit den Regionen nichts Neues erfunden. Wir greifen Erfahrungen aus den alten Kirchenkreisen auf und sind hoffnungsvoll, dass diese Regionen zukunftsfähig sind.

Ist die Verteilung der Mittel und des Personals gerecht?

Simon: Wir sind genötigt, im Kirchenkreis das Unvergleichbare zu vergleichen. Dicht besiedelte Gemeinden im Süden, im Mittelbereich und die großen Entfernungen im dünn besiedelten Norden. Da müssen wir einen Ausgleich über den Personalschlüssel schaffen, weshalb im Norden pro Gemeindeglied mehr Mitarbeiter beschäftigt sind als im Süden. Ziel aller Planungen ist es, ein Mittel gegen die Vereinzelung zu finden und in den Gemeinden dafür zu werben, mehr mit anderen gemeinsam zu machen. Das wird zu einer Veränderung des Pfarrerbildes führen.

Inwiefern?

Simon: Das Pfarrerbild, wie wir es beispielsweise aus „Die Heiden von Kummerow“ kennen, gibt es ja schon nicht mehr. Der Pfarrer ist heute für viele Gemeinden zuständig. Wir müssen dem Amt eine Gestalt geben, damit der Pfarrer das sein kann, was er ist und nicht aufgerieben wird bei den vielen Aufgaben.

Insbesondere in den Regionen Falkenthal und Herzberg wird befürchtet, dass mit dem Wegfall von Pfarrstellen Gemeinden auseinanderbrechen.

Simon: Die Diskussionen dort sind noch nicht beendet. Aber beispielsweise in Bezug auf Falkenthal wird überlegt, wie der Sprengel aufrechterhalten und pfarramtlich betreut werden kann.
erstellt von Mathias Wolf am 22.11.2012, zuletzt bearbeitet am 22.06.2017
veröffentlicht unter: Presseberichte aus dem Kirchenkreis