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Reformation und Halloween
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Reformation und Halloween

Wie eigentlich alles begann...

Eigentlich wollte Bruder Martin (33) ja einen Kürbis an die Kirchentür nageln. Amerika war schließlich grade erst entdeckt worden und diese Frucht war in Europa noch unbekannt. Aber der Kürbis wehrte sich hartnäckig. Vielleicht war Martin auch handwerklich nicht so sehr geschickt. Als der vierte Kürbis zermatscht auf dem Boden lag und sein linker Daumen aufs Doppelte angeschwollen und blau war, gab Martin jedenfalls auf.
Bei den Zuschauern gingen die Meinungen auseinander. Während Huldrych (33), den man hier Ulrich nannte, das alles nur symbolisch sah, meinte Thomas (etwa 28), dass dies Verschwendung sei: Von den Kürbissen hätte man eine gute Suppe für die Armen kochen können und jedem, der nicht arm sei, gehöre sowieso kräftig eins aufs Maul.
„Menno“ sagte Menno (etwa 21) „müsst ihr immer mit Gewalt drohen, wenn euch die Argumente ausgehen?“ und plätscherte mit der Hand im Wasser. „Man müsste mal wieder taufen“, dachte er still und verträumt bei sich.
Bruder Andreas (37) – der sehr zu seinem Leidwesen immer mit einer bekannten Kaufhauskette verwechselt wurde – übertönte den stillen Menno und diskutierte mit Thomas. Besser sei den armen Bauern beizubringen, wie man Kürbisse anbaut, statt sie nur einmal satt zu machen, meinte er (was er übrigens viel später auch zur großen Belustigung der Bauern versuchte).
Und der kleine Jean (8) – hier in Wittenberg wurde er zu seinem Ärger Johannes gerufen - stand dabei und schaute zu. Er dachte, als er das unwürdige Benehmen des trinkfreudigen Augustiners und der anderen sah, dass er richtig Zucht und Ordnung einführen würde, wenn er mal groß wäre.
Erasmus (48 oder 52 – sein genaues Alter hatte er vergessen) mischte sich natürlich nicht praktisch ein, sondern überlegte sich einen knalligen Titel für eine philosophische Abhandlung über unpraktische Augustiner - „Lob der Torheit“ klang ihm noch nicht sexy genug für Jungstudenten…
Währenddessen bemühte sich Bruder Martin verbissen - aber erfolglos - weiter. Als schließlich nur noch ein Kürbis übrig war, gab er auf. Den wollte er für sich behalten. Schließlich war ja Halloween, und er gedachte einen neuen Brauch einzuführen. Er würde eine Maske in den Kürbis schneiden, eine gar gruslige. Und mit der Kürbisfratze würde er den Ablasshändler Tetzel erschrecken. Diesen Typen, der den armen Leuten Geld aus der Tasche zog, den hasste er zutiefst.
95 Sätze hatte Bruder Martin aufgeschrieben gegen diesen Tetzel und Leute seinesgleichen. Diesen Notizzettel klebte er nun an die Kirchentür. Die war ja von den vielen aufgeplatzten Kürbissen klebrig genug. Von Hammer und Nägeln wollte er nichts mehr hören. Er kühlte seinen geschwollenen Daumen und überlegte sich, wie er seinen letzten Kürbis gestalten würde…

Fröhlichen Reformationstag
wünscht Ihnen und Euch
Mathias Wolf

Anmerkung - Handelnde Personen
Martin Luther (1483-1546)
Ulrich/Huldrych Zwingli (1484-1531) - Schweizer Reformator
Thomas Müntzer (1489-1525) - Theologe, Reformator, Wortführer der aufständischen Bauern
Menno Simons (1496-1561) - Theologe, Gründer der pazifistischen Richtung der Täuferbewegung (Mennoniten)
Andreas Bodenstein genannt Karlstadt (1486-1541) - Professor, Theologe, Pfarrer - lebte eine zeitlang auch als Bauer
Jean (Johannes) Calvin (1509-1564) - Schweizer Reformator
Erasmus von Rotterdam (1466/67 oder 69 - 1536) - Theologe, Priester, Philologe, bedeutendster Vertreter des deutschen Humanismus
Johann Tetzel (1460-1519) - Dominikaner, Ablassprediger
erstellt von Mathias Wolf am 31.10.2016, zuletzt bearbeitet am 19.10.2017
veröffentlicht unter: Witziges und Vermischtes

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