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Hubertusmesse in Friedrichswalde
Foto: R. Gerhardt
Bildrechte: R. Gerhardt

Hubertusmesse in Friedrichswalde

Neobiota in Brandenburg

Die Rückkehr von ehemals heimischen und das Auftreten fremder Arten in der brandenburgischen Fauna verläuft nicht problemlos. Es ergeben sich Veränderungen im Beziehungsgefüge des Naturhaushalts. Die Ausbreitung eingeschleppter Tier- und Pflanzenarten gilt heute, nach der Zerstörung von Lebensräumen durch den Menschen, als zweitwichtigste Ursache des Rückganges der einheimischen Arten.
Zum Beispiel der Wolf: Bei allem Wissen, allem Glauben, aller Toleranz, ein bisschen unheimlich sind uns die neuen Zugereisten schon. Wirklich gesehen oder gehört haben wir sie noch nicht. Nur der Freund eines Freundes will jemanden kennen, der mal einen beim Abendrot beobachtet hat. Gerüchte haben wir aber alle schon gehört, Schauergeschichten hat uns schon Oma am Bett erzählt und damit für Albträume gesorgt. Diese Einwanderer aus dem Osten würden Großmütter überfallen und kleinen Mädchen auflauern. Oder die Lebensgrundlage notleidender Ziegenzüchter vernichten.

Da sind uns doch die alten Nachbarn lieber, die die nur mal gucken, im Müll wühlen oder auf der Suche nach etwas Essbaren den halben Vorgarten umgraben. Auch harmlosen Vandalismus wie die mutwillige Sabotage von Kraftfahrzeugen können wir vertragen. Obwohl Marder, Fuchs und Wildschwein damit natürlich schlechte Vorbilder sind für Zuwanderer wie Waschbär und Mink, lässt man ihnen doch viel durchgehen.

Aber beim Wolf, dem Neuen, ist das ganz was anderes. Engagierte Menschen werden nicht müde zu betonen, dass die Zuwanderer aus Polen eigentlich nichts Böses im Sinn haben. Man müsse ihnen Raum geben, ihnen mit Respekt begegnen und ihre Andersartigkeit akzeptieren, dann ließen sie sich auch integrieren. Angst vor einem Zusammenprall der Kulturen müsse man nicht haben. Der Wolf wurde einst mit Feuer und Schwert bekämpft. In Deutschland stand er in etwa auf derselben Stufe wie die Ratte, und es galt ihn auszurotten", Diese konsequente Bekämpfung hat dann auch dazu geführt, dass sich zwischen 1904 und 1999 kein einziger Wolf mehr nach Deutschland getraut hat Wegen der belasteten Vorgeschichte ist eine Annäherung schwierig. Die menschliche und nichtmenschliche Bevölkerung Deutschlands hat sich hier ohne den Wolf eingerichtet. Was wir über ihn wissen, haben wir von den Brüdern Grimm und anderen Propagandisten der Vertreibung. "Den Wolf zu tolerieren ist eigentlich kein Problem mehr", versuchen Experten die Diskrepanz zwischen der Angst vor dem Wolf und der tatsächlichen Gefährdung zu überbrücken. Denn anders als im Mittelalter bedeutet der Verlust eines Schafs heute nicht mehr den Verlust der gesamten Existenz für den Besitzer. Schwieriger ist die Anpassung für die Jäger. Selbst Tierarten, die sich nicht bereitwillig vom Wolf fressen lassen, werden vorsichtiger und damit schwieriger zu erlegen. Und vor allem: Welche Auswirkungen der Wolf auf Reh- oder Rotwildpopulationen haben wird, lässt sich noch nicht sagen. Der Ansiedlung des Wolfes steht unsere Bevölkerung sehr verhaltene gegenüber. Und hier verhärten sich die Fronten. Auf der einen Seite Tierhalter, Jäger und andere Betroffene, die den Wolf oft ablehnen, auf der anderen die Naturschutzverbände, die große Teile der städischen Bevölkerung hinter sich weiß. Hier wäre ein echter moderierter Prozess nötig, bei dem die Vorbehalte beider Seiten berücksichtigt werden.

Was wir mehr denn je brauchen ist Vertrauen. Und da fehlt es. Ich traue, denen, die keine Flughäfen bauen können, nicht zu, den Wolf anzusiedeln. Ich trauen denen, die es nicht schaffen unsere Kinder klug zu bilden, nicht zu, Fauna und Flora in Ordnung zu halten. Ich traue denen, die in Ideologien verhaftet sind, nicht zu vernünftige Entscheidungen zu treffen. Vertrauen kann man nicht kaufen, Vertrauen muss man gewinnen, sich hart erarbeiten. Jeden Tag, nicht nur vor den Wahlen. Vielleicht müssen wir es aushalten, das wir unterschiedliche Meinungen haben, aushalten anders zu denken und zu fühlen, aber Entscheidungen für oder gegen etwas sollten wir nur gemeinsam fällen.
erstellt von Ralf Schwieger am 05.11.2012, zuletzt bearbeitet am 24.07.2015
veröffentlicht unter: News-Archiv