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Kein Hausrecht in der Kirche
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Kein Hausrecht in der Kirche

Ein Bericht aus dem Neuen Granseer Tageblatt von Cindy Lüderitz

Kappe – „Möge das Projekt nicht auf halber Strecke stecken bleiben.“ Das hatte Architektin Bettina Krassuski der Kapper Kirche
anlässlich der Bekrönungsfeier gewünscht und damit einen wunden Punkt getroffen. Dank der neuen, vergoldeten Turmspitze leuchtet das 123 Jahre alte Gotteshaus zwar wieder weithin. Doch so richtig genießen können die Kapper das wegen des Zerwürfnisses in der Gemeinde nicht.
Nach der Kür, die rund 190 000 Euro verschlang, wartet nun die Pflicht: die Sanierung des Kirchenschiffes. An diesem Kapitel wird sich der Förderverein Kapper Cappe, der die Kirchensanierung mit seiner Gründung 2010 konzeptionell und finanziell einfädelte, aller Voraussicht nach nicht mehr beteiligen. Die Initiative steht vor der Auflösung. Für den Vorsitzenden Christian
Schulze gibt es aus jetziger Sicht kein Zurück mehr, wie er gegenüber der MAZ sagte. Das heißt auch, dass es nach fünf Jahren
„harter Arbeit“ keine Schorfheider Brunchkonzerte mehr geben wird.
Mit der Musik hatte alles angefangen. Sie wurde zum tragenden Gerüst der Idee von einer wiederbelebten Dorfkirche. Und
Kappe wurde mit seiner exklusiven Konzertreihe trotz aller Abgeschiedenheit ein Geheimtipp. Der Landkreis Oberhavel zeichnete
den Verein 2013 mit seinem Kulturförderpreis aus.
Heute fühlen sich Christian Schulze und seine Frau Karin von der Kirche ausgebremst. Der Nutzungsvertrag, den die Kirche mit
dem Verein abschließen wollte, erscheint beiden wie ein Papier des Misstrauens, nachdem es bislang gut lief. Über die strittigen Paragrafen sind sich beide Seiten nicht einig geworden. Schulzes verunsichert beispielsweise das laut Vertrag verankerte Mitspracherecht der Gemeinde bei Sonderveranstaltungen wie Konzerten oder Ausstellungen oder das explizite Verbot für Essen und Trinken in der Kirche. Für überflüssig hält Christian Schulze ebenso die Regelung, dass Erträge der Veranstaltungen
durch den Nutzer mit der Zweckbestimmung „Sanierung der Kapper Kirche“ zu spenden sind. Der Förderverein verfolgt nur diesen einen Zweck. Gescheitert waren die Gespräche überdies an den Nutzungsbestimmungen für die Winterkirche. Der Verein
benötigt den Raum, um sich mit einer Ausstellung ganzjährig zu präsentieren. Der Gemeindekirchenrat beansprucht die Winterkirche für Gottesdienste in der kalten Jahreszeit – ohne Bilder an den Wänden.
„Wir hätten mit diesem Vertrag kein Hausrecht mehr“, so Schulze. Künstlerische Arbeit sei unter den Voraussetzungen nicht
möglich. Pfarrer Dieter Rohde sagt, er bedauert den Ausstieg des Vereins. Seiner Ansicht nach wäre ein Kompromiss möglich, wenn beide Seiten aufeinander zugegangen und jeder einen halben Schritt von seinem Standpunkt abgerückt wäre.
„Es ist ganz normal, einen solchen Vertrag zu schließen“, erklärt auch der Superintendent des Kirchenkreises Oberes Havelland,
Uwe Simon. Ein Musiker des Orchesters der Deutschen Oper Berlin schrieb nach der Bekrönungsfeier in der vergangenen Woche an Bischof Markus Dröge: „Unverständlich ist die Entscheidung, nun Regelungen einzuführen, die die Organisation
und Durchführung von Konzerten und Ausstellungen quasi unmöglich machen“. Nach der Fertigstellung des Turmes hinterlasse
die Geschichte den bitteren Beigeschmack, „dass der Mohr hier seine Schuldigkeit getan habe“.
erstellt von Mathias Wolf am 01.04.2015, zuletzt bearbeitet am 16.03.2018
veröffentlicht unter: Newsarchiv