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Taufengel in der Kirche Neuglobsow

Taufengel in der Kirche Neuglobsow

fotografiert von Dr. med. Eva Runge, Dresden

Nachdem die Internistin Dr. Eva Runge 1998 in den Ruhestand getreten war, begann sie, kulturellen Interessen verstärkt nachzugehen. So besuchte sie mit Verwandten und Freunden alte Dorfkirchen und begann, die alten Bauten zu fotografieren, bevorzugt jene, in denen sich auch Taufengel fanden.

Diesen Taufengeln ist sie mit großem Interesse und Spürsinn begegnet und hat ihre Besonderheiten fotografisch festgehalten.
Ein Ausschnitt aus dem reichen fotografischen Bestand wird seit 10. Mai 2021 in der Kirche Neuglobsow gezeigt.
Taufengel waren im 18.Jahrhundert eine Modeerscheinung, nachdem in vielen Kirchen die Innenausstattung teils erneuert werden musste, teils aber auch aus liturgischen Gründen eine veränderte Bedeutung bekam: Es genügte eine kleine Wasserschale, da die Täuflinge nur noch mit Wasser besprengt, aber nicht mehr untergetaucht wurden und die großen Taufbecken nicht mehr erforderlich waren. Einem Taufengel wurde darüber hinaus attestiert, er gebe „gar gutte geistreiche Gedanken an die Hand“ (STURM, 1708, zitiert nach „Taufengel in Brandenburg“, 2006).

So entstanden, teils in bekannten Holzbildhauerwerkstätten, diese wunderbaren Figuren samt Aufhängungen, manche sogar mit einem Seilzug, um sie nach oben ziehen und zur Taufe wieder herablassen zu können.
Das „Verschwinden“ der Taufengel 100-150 Jahre später spiegelt Veränderungen in ästhetischen und theologischen Auffassungen während der Romantik und des Klassizismus. In einigen Fällen ging es um die stark vermenschlichte Engeldarstellung (z.B. die Ausstattung mit gestrickten Strümpfen oder mit einem besonderen Tuch) und eine einsetzende Verehrung der Engel und ihrer Ausstattungsstücke. So wanderten manche der Taufengel in Depots, auf Dachböden der Kirchen, mitunter bereits reparaturbedürftig oder wegen kaputter Aufhängungen nicht mehr einsetzbar. Manchen dieser Engel begegnet man heute nur noch in Papieren in Kirchenarchiven, in Rechnungen oder Ausstattungsberichten.
Erfreulicherweise ist der Taufengelbestand gerade in Brandenburg noch oder durch Restaurierung wieder recht gut. So verzeichnet die Aufstellung des Brandenburgischen Amtes für Denkmalpflege 2006 in der Uckermark noch 22 solche Engel in Kirchen, in Oberhavel lediglich vier, in Ostprignitz-Ruppin 15. Manche Taufengel sind auch in Museen zu bewundern, z.B. in Prenzlau.
Die Neuglobsower Ausstellung versammelt Taufengel aus dem nord- und mitteldeutschen Raum und gibt so einen schönen Überblick über die künstlerische Vielfalt ihrer Gestaltung.

Das Festliche der Gewandung, die gebende Gebärde, die frohe Farbigkeit der meisten Engel, ihr Blick auf das Gegenüber ziehen die Betrachtenden leicht in ihren Bann. Besonders beeindruckend sind die bäuerlich-naiven Werke, die sich keiner großen Bildhauerwerkstatt zuordnen lassen. Bibelkundigen Betrachterinnen und Betrachtern fallen beim Anschauen vielleicht Verse ein, die sich auf Engel beziehen, z.B. „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten…“.
Mit dem innigen Wunsch, das zur Taufe gebrachte Kind möge wohl behütet durchs ganze Leben gehen, haben unzählige Familien ihre Kinder Gott anvertraut und in dem Taufengel ein Symbol solchen Schutzes gesehen. Und in den Kirchen, die ihre Taufengel behielten oder nach Restaurierung wieder in ihre Funktion einsetzen konnten, geschieht das auch heute noch oder wieder so. Und vielleicht kommen den Betrachtenden auch „gutte geistreiche Gedanken“ in den Sinn!

Wir wünschen allen, die die Ausstellung besuchen, nicht nur Freude beim Betrachten dieser kundig fotografierten Kunstwerke, sondern einen behüteten Weg, gerade in diesem besonderen Jahr 2021.
Um selbst während der Ausstellung gut geschützt zu sein und auch andere zu schützen, bitten wir darum, dass nur maximal fünf Personen aus zwei Haushalten den engen Ausstellungsraum betreten und alle Hygieneregeln einhalten (Medizinische Masken, Abstand, Händedesinfektion). Desinfektionsmittel steht zur Verfügung.
Die Kirche ist täglich von 10-18 Uhr geöffnet. Die Ausstellung wird bis Anfang
Oktober 2021 zu sehen sein.
Kontaktinfo zu Kirchen in Taschenberg (Uckermark) und Gottberg (OPR)
Unter dem findet man die Zugänge zu den Kirchen und Taufengeln in Taschenberg (Uckermark) und Gottberg (OPR) - Ansprechpartner und Telefonnummern – so können zwei der Engel aus der Ausstellung bei einem Ausflug auch live betrachtet werden.
erstellt von Stefan Determann am 30.05.2021
veröffentlicht unter: Adventskirche Neuglobsow

Diese Information ist auch in der Newsliste des Kirchenkreises zu sehen.

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Informationen für Touristen und Besucher
Die Kirche ist von Mai bis September täglich von 9-18 Uhr geöffnet. Die Kirche liegt nah am Radweg Kopenhagen-Berlin und ist gut über das regionale Radwegenetz zu erreichen.

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