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Pfarrer Günther Schobert sagt Tschüss
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Pfarrer Günther Schobert sagt Tschüss

Ein Artikel aus der MAZ von Jeannette Hix

Nach 39 geht der Evangelist in den Ruhestand und schließt auch beim Pfarramt die Pforten

Mildenberg. Die Umzugskartons sind teilweise schon gepackt: Am 2.?September zieht Pfarrer Günther Schobert (65) von Zehdenick nach Potsdam. Er geht nach 39 Jahren in den Ruhestand. Mit ihm schließt auch das Pfarramt in Mildenberg, um in Tornow wiederbelebt zu werden. Im Gepäck hat Günther Schobert unzählige Erinnerungen. Zum Beispiel wie er nach der Wende Hilfstransporte nach Rumänien begleitet hat. Noch bis vor fünf Jahren ist er in die armen Regionen rund um Siebenbürgen gefahren. Eine gute Freundin sei damals auch immer mitgefahren. „Heute managt sie in Potsdam-Babelsberg eine Hausverwaltung und als ich hörte, dass dort eine Wohnung frei ist, habe ich zugeschlagen“, sagt der Pfarrer.

Die Wohnung sei im Erdgeschoss, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und alles, was man so zum Leben braucht, sei um die Ecke. „Ich will nicht mit 90 halb blind mit dem Auto unterwegs sein“, sagt er.

In 18 Dörfern wie Badingen oder Ribbeck sowie sechs Gemeinden und in insgesamt elf Kirchen war er tätig, düste besonders an Heilig Abend von einer Christmesse zur anderen – oftmals vier Messen hintereinander. „Da ging ohne straffen Zeitplan nichts“, erinnert er sich. Er erinnert sich auch noch, als er mal nach Ribbeck wollte. „Dort sei es sehr schwierig, wurde mir gesagt. Die Kirche war eigentlich gesperrt, hatte keinen Strom und somit auch kein Licht und keine Heizung. Aber als ich dort ankam, hatte jemand ein ellenlanges Stromkabel vom nächsten Haus gezogen. Die Leute hatten Kerzen und Decken mit und es war eine sehr schöne Messe“, erinnert sich der Pfarrer noch heute gerne. Auch eine Konfirmation ist ihm noch besonders in Erinnerung. „Dort hieß es, dass die Leute nichts am Hut mit der evangelischen Kirche hätten. Doch als ich dort ankam, saßen da 30 Leute“, sagt Günther Schobert. Viele seien danach sogar Gemeindeglieder geworden.

Gemeindeglieder? Ja – auf das Wort lege er großen Wert. „Jeder ist ein Glied in der Gemeinde, in der Gemeinschaft. „Mitglied hört sich an, als wäre er im Verein“, sagt der Pfarrer.

Holprig war es in seinem Leben anfangs zugegangen. Er schmiss die Schule, beziehungsweise flog nach Abschluss der 8. Klasse raus. „Ich wollte nicht in FDJ eintreten und die politischen Differenzen wurden immer heftiger“, sagt er. Günther Schobert wechselte in eine kirchliche Bildungseinrichtung, machte 1972 sein Abitur. Danach studierte er Theologie in Berlin, Leipzig und Potsdam. Damals als Student hat er auch ein Mitglied der Familie von der SPD-Politikerin Regine Hildebrandt kennengelernt. „Ihr Schwager war Chorleiter der Kantorei“, sagt Günther Schobert. Der Chor probte, wo Schobert als Theologiestudent untergebracht war. Und Günther Schobert ging das Herz auf. „Ich möchte gerne mitsingen“, hat der schon damals leidenschaftliche Hobbysänger gesagt. Und nach einem Vorsingen wurde das Unmögliche möglich. Denn der Chor stand direkt vor einem großen Auftritt und lag mit den Proben in den letzten Zügen. Im Chor lernt er auch den Mann von Regine Hildebrandt kennen. „Er sang in der gleichen Tonlage wie ich“, meint Schober und denkt an einen Mix zwischen 1. Bass und Tenor – „mit kleinen Abstrichen bei mir“, wie er sagt. Das Singen ist seine Leidenschaft geblieben. „Ich hoffe, dass ich jetzt im Ruhestand mehr dazu komme.“

Ob der Neuseeland- und Kanada-Fan über das Singen hinaus noch einmal so weite Flugreisen unternehmen würde wie einst, will er erstmal abwarten. „Ich muss sehen, wie es mir gesundheitlich geht.“

Schon 2017 sei er kurz davor gewesen an die Himmelspforte anzuklopfen. „Der Arzt sagte damals, ich sei dem Tod von der Schippe gesprungen. Doch das stimmt nicht. Der Tod hat mich von der Schippe geschupst“, lacht Günther Schobert. Damals hatte sich in seiner Harnröhre ein Harnstein festgesetzt. „Nach dem künstlichen Koma war unklar, ob meine Nieren nach drei Monaten wieder voll arbeiten würden“, sagt Günther Schobert. Schon damals hätte er aufhören können zu arbeiten. „Doch ich habe mich fürs Weitermachen entschieden. Ich hatte ja schon den Ruhestand 2019 im Blick.“ Und eine Marathon-Zeit hinter sich – seit 1. August 1980 kümmert er sich um das Pfarramt Mildenberg und Co.

Kirche sei etwas, die da sein muss, wenn man sie braucht, sagt der Pfarrer. Doch während in großen Städten wie Berlin die Leute reihenweise aus der Kirche austreten, sei das in ländlichen Gebieten nicht der Fall, meint Günther Schobert. Die Leute vom Land hingen auch mehr an den Traditionen. Es dauere, bis sie zum Beispiel mal den Stromanbieter wechseln oder aus der Kirche austreten. Ein Grund für die doch leicht rückgängigen Zahlen auch auf dem Land erklärt der Pfarrer damit, dass in seiner Region zur Wende rund 1000 Leute lebten. Heute seien es nur noch 700. „Ich denke auch nicht, dass die evangelische Kirche unmodern ist. Wir haben schon gleichgeschlechtliche Paare kirchlich getraut, da war noch nicht mal das Gesetz dazu verabschiedet“, sagt Günther Schobert.

Seine Gemeinde will ihren liebgewordenen Pfarrer würdevoll verabschieden. Am Sonnabend, den 27. Juli, findet ab 14 Uhr der Verabschiedungs-Gottesdienst in der Mildenberger Kirche statt. Am 31. Juli ist sein letzter Arbeitstag. Im Ruhestand jedenfalls will er zuerst seine alten Kontakte zur Berliner Domkantorei wieder beleben, um vielleicht wieder im Chor mitzusingen. Auch will er seiner Gemeinde weiter zur Verfügung stehen. „Wenn man mich braucht, dann bin ich da.“ Dafür ist ihm der Weg von Potsdam nach Zehdenick nicht zu weit.
erstellt von Mathias Wolf am 31.07.2019
veröffentlicht unter: Neues aus den Kirchengemeinden