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Der kickende Pfarrer von Oranienburg: Zwischen Fußballplatz und Kanzel
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Der kickende Pfarrer von Oranienburg: Zwischen Fußballplatz und Kanzel

Ein Artikel aus der MAZ von Knut Hagedorn

Am Freitag steht er im Trikot auf dem Sportplatz, am Sonntag im Talar in der Kirche: Seit 2003 arbeitet Friedemann Humburg als evangelischer Pfarrer in Oranienburg. Seine zweite große Leidenschaft ist der Fußball.
„Pfarrer sein ist meine Berufung“, sagt Friedemann Humburg voller Überzeugung. Seit 2003 ist der studierte Theologe Pfarrer der St. Nicolai-Kirche in Oranienburg. Viele kennen den 50-Jährigen von Andachten auf der Kanzel, die Pfarrerrobe ist sein Markenzeichen. Aber an einigen Tagen in der Woche wechselt Friedemann Humburg den Dress und jagt dann dem runden Leder hinterher.
Mit der Mutter zu Dynamo Dresden
„Fußball ist meine große Leidenschaft, seit frühesten Kindheitstagen“, berichtet der gebürtige Dresdner, dessen fußballerisches Herz auch einem Verein aus Sachsen gehört. „Meine Mutter und ich sind leidenschaftliche Dynamo Dresden-Fans“, so der 50-Jährige, der so oft es geht auch versucht, Spiele der Schwarz-Gelben zu verfolgen.
Trotz der großen Affinität zum Fußball dauerte es jedoch fast drei Jahrzehnte, bis Friedemann Humburg erstmals selbst Vereinsmitglied bei einem Fußballverein wurde. „Meine Kindheit verlief wohl so wie bei vielen Fußballverrückten. Nach der Schule ging es ab auf den Bolzplatz. Allerdings hatte ich damals nie die Intention, auch in einem Verein zu spielen und teilweise auch nicht die Zeit.“
Dies sollte sich 2003 ändern. Friedemann Humburg zog mit seiner Frau Jutta nach Oranienburg und kehrte damit zurück nach Oberhavel. „Ich bin zwar in Dresden geboren, meine Eltern sind aber 1970 nach Friedrichsthal gezogen und leiteten dort viele Jahre ein christlich-diakonisches Feierabend- und Pflegeheim.“
Ich brauche den Fußball als Ausgleich
Mit 16 verließ Friedemann Humburg aus beruflichen Gründen die Region, um 18 Jahre später zurückzukehren. „Ich brauche den Fußball auch als Ausgleich, daher war klar für mich, dass ich hier spielen wollte“, blickt der kickende Pfarrer zurück.
Friedemann Humburg schaute sich die Sportvereine in Oranienburg an und fand schlussendlich eine sportliche Heimat in Sachsenhausen. „Ich entschied mich zum TuS 1896 zu gehen und spiele dort auch heute noch.“ Auch außerhalb des Vereinslebens ist der 50-Jährige mit dem runden Lederball aktiv. „Einmal im Jahr gibt es in Berlin ein Spiel zwischen Pfarrer und Imamen. Das macht großen Spaß und da bin ich immer gerne mit dabei.“
Gewinnen – aber nicht um jeden Preis
Seine Rolle als Pfarrer spielt auf dem Platz aber nur eine untergeordnete Rolle, wie Friedemann Humburg berichtet: „Viele wissen, dass ich Pfarrer bin, aber das ist kein Problem. Natürlich bin auch ich ehrgeizig und will Spiele gewinnen, aber nicht um jeden Preis. Ich versuche schon manchmal beruhigend einzuwirken, Fairness steht für mich an oberster Stelle.
Doch auch ein Pfarrer ist vor Blessuren nicht gefeit. „Ich musste schon mal mit einem Muskelfaserriss hinter die Kanzel. Ab und an kam es auch schon mal vor, dass ich humpelnd durch die Kirche lief. Aber meine Gemeinde weiß, dass ich Fußball spiele und quittiert dies meist mit einem Lächeln.“
Die Entwicklung des Fußballes im Allgemeinen betrachtet Friedemann Humburg allerdings mit Sorge. „Also was gerade im Profibereich passiert, ist nicht mehr nachvollziehbar. Die teilweise gezahlten Ablösesummen stehen in keiner Relation zum Leben. Geld steht an oberster Stelle.“
Von Knut Hagedorn
erstellt von Mathias Wolf am 03.09.2019, zuletzt bearbeitet am 14.09.2020
veröffentlicht unter: Aktuelles aus der Kirchengemeinde