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Festkonzert statt Festgottesdienst
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Festkonzert statt Festgottesdienst

Ein Artikel aus der MAZ von Ulrike Gawande

Eine Woche lang wurde in der Oranienburger Nicolai Kirche das Jubiläum der Kirchweihe vor 150 Jahren gefeiert. Der Vorplatz der Kirche bekam einen Namen, es erklangen 800 Jahre Stadtgeschichte in Geschichten und zum Abschluss wurde im Festgottesdienst auf höchstem Niveau musiziert.

Oranienburg. Vier Stunden Gottesdienst mit drei Predigten wie 1866, das bekamen die Oranienburger anlässlich des Festgottesdienstes, auf den Tag genau 150 Jahre nach der Weihe der St. Nicolai Kirche am Sonntag nicht geboten. Manch einer atmete sicherlich leise auf, als Pfarrer Arndt Farack diese Anekdote zur Kirchengeschichte am Ende des Gottesdienstes zum Besten gab. Dafür aber erklang in dem von Baumeister Friedrich August Stüler entworfenen Gotteshaus ein wahres Festkonzert mit Chor, Orchester, Posaunenchor und einer brillanten jungen Solistin: Charlotte Rackwitz, die in den fünf anspruchsvollen Sätzen der Bach-Solokantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ ihr Können bewies. Es war eine wahre Ohrenweide.
Mit präzisem, aber weich fließendem Dirigat entlockte Kantor Jack Day seinem Ökumenischen Chor in den Ausschnitten aus dem Oratorium „Messias“ von Georg Friedrich Händel engelsgleiche Töne. Mit „Ehre sei Gott“ aus Bachs Weihnachtsoratorium gaben die rund 40 Sänger und das Amicus-Orchester sogar einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Adventszeit. Der Festgottesdienst stand, auch wenn er 150 Minuten kürzer war, dem Einweihungsgottesdienst der Kirche am 16.Okotber 1866 in keiner Form nach.
Nur weniger Besucher waren gekommen. Damals, so steht es in den Analen zu lesen, hätten die 1250 Plätze des Gotteshauses nicht für alle Gäste gereicht. Am Sonntag war die Kirche zwar gut gefüllt, doch Platz wäre noch gewesen. Der Mensch habe eben die Wahl, sinnierte Farack in seiner Predigt: Die Wahl, ob man in die Kirche gehe, ebenso wie die Wahl über einen Kirchenbau zu entscheiden. Eine Entscheidung, wie sie die Gemeinde vor 150 Jahren Gott sei Dank getroffen hat, so der Pfarrer. Denn sich zu entscheiden sei heutzutage die eigentliche Schwierigkeit, so der Pfarrer, angesichts der vielen Wahlmöglichkeiten, die jeder Mensch habe. „Wir haben die Freiheit zu wählen, unser Leben zu gestalten und stehen doch unter dem Druck, uns entscheiden zu müssen.“
Farack dankte der Stadt daher für die Entscheidung, im Rahmen der nun beendeten Festwoche, dem Kirchplatz den Namen von Pastor Carl Ballhorn gegeben zu haben. Außerdem bedankte er sich beim Kreismuseum, in dem zahlreiche historischen Schätze der Kirchengemeinde aufbewahrt werden. Für die Kirchweihwoche schmückten die Gaben, wie das Altarbild „Maria mit dem Jesuskind“, nun wieder die St. Nicolai Kirche. Nur den antiken Klingelbeutel von 1806, der wirklich eine Klingel hat, gab Farack nicht aus der Hand.
Von Ulrike Gawande
erstellt von Mathias Wolf am 25.10.2016, zuletzt bearbeitet am 17.08.2018
veröffentlicht unter: Newsarchiv