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Die Tausend Kraniche und der Wunsch nach Frieden

Die Tausend Kraniche und der Wunsch nach Frieden

Es gehört zu den Glücksmomenten, wenn ich abends nach Hause komme und auf der Straße stehen bleiben muss, weil stolz ein Kranich in aller Ruhe die Straße überquert und hinter den Büschen am Straßenrand verschwindet. Nicht weit davon entfernt steht ein anderer bewegungslos auf einem Bein. Schläft er? Zaubervögel, elegant am Himmel und auf dem Boden. Sie kommen in großen Schwärmen und ihre Schreie sind nicht zu überhören. Kein Wunder, wenn sich um Kraniche Legenden ranken. In der Wappenkunde steht er für Vorsicht und schlaflose Wachsamkeit, im asiatischen Raum für Treue und Weisheit. In Japan ist er der Vogel des Glücks. Gefaltet wird er als Wunsch für ein erfülltes langes Leben verschenkt. Wer 1000 Kraniche faltet, der hat „bei den Göttern“ einen großen Wunsch frei.

Weshalb ich das aufschreibe? Weil ich dabei an ein Mädchen denke, dass in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden wäre, wenn es nicht den 2.Weltkrieg und die Atombombe auf Hiroshima gegeben hätte. Ihr Name ist Sadako Sasaki. In Hiroshima aufgewachsen, schien sie bis zu ihrem 12. Lebensjahr ein gesundes sportbegeistertes Mädchen zu sein. Doch dann brach die Krankheit aus, die durch die Strahlung der Bombe verursacht worden war. Es wird erzählt, dass eine Freundin ihr Papier zum Falten ins Krankenhaus gebracht hätte. Sadako fing an 1000 Kraniche für ihren großen Wunsch zu falten. Sie wollte wieder gesund werden. ABER sie starb am 25.Oktober 1955. Als sie starb, gründeten ihre Klassenkameraden den „Klub der Papierkraniche“. Sie falteten Kraniche und gaben sie gegen eine Spende ab. Für Sadako sollte es ein Denkmal geben, stellvertretend für alle Kinder, die durch die Bombe getötet oder an den Folgen erkrankt und gestorben oder beeinträchtigt waren. Schnell sprach sich die Idee herum. Schüler aus ganz Japan beteiligten sich an der Spendenaktion, die ja mehr war und ist, als Geld sammeln. Es gehört die unstillbare Friedenssehnsucht und der Wille sich dafür einzusetzen bis heute dazu.

Das Denkmal wurde im „Park des Friedens“ im Zentrum von Hiroshima aufgestellt. Auf einer Kuppel steht eine Abbildung von Sasaki mit einem Kranich in den Händen. Eingraviert in die Kuppel steht: „Dies ist unser Ruf. Dies ist unser Gebet, Frieden zu schaffen in dieser Welt.“

Die Kinder von damals sind alt geworden. Ihr Erinnern und ihre Sehnsucht nach Frieden sind heute noch genauso aktuell wie damals. Kriege und Katastrophen, das sind Schicksale mit Namen und ihren Lebensgeschichten. Man kann sie sich nicht vom Leibe halten, in dem sie zusammengefasst nur ein historisches Ereignis bleiben. Natürlich, alles ist schon oftmals gesagt. Alles ist schon einmal so geschrieben. Aber noch nicht oft genug gehört und gelesen. Denn immer gibt es irgendwo einen Krieg, diesmal wieder ganz nah vor unserer Haustür.

Die tägliche Kriegsberichterstattung bleibt nicht ohne Folgen. Wenn ich in die Gespräche um mich herum höre, dann spüre ich die unterirdische Anspannung und den entstandenen Unmut über die Ungewissheit. ,Es ist doch klar, was zu tun ist. Und dann ist wieder Ruhe.‘ Hingesprochen, 0,5 Sekunden lang und bewirkt was? Einen Kranich zu falten, den einen nur von 1000 Kranichen, als Ausdruck der Friedenssehnsucht, dauert allein 10 Minuten. 10 mal 1000 Minuten vor Augen haben, was uns Menschen das Leben so wertvoll macht. Eines davon ist, nach Hause zu kommen, stehen zu bleiben und zu sehen, wie ein Kranich stolz und erhaben über die Straße geht und hinter den Büschen am Straßenrand verschwindet.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Anne Lauschus
erstellt von Stefan Determann am 07.09.2023
veröffentlicht unter: Neues aus der Kirchengemeinde

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