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Der gute Geist der Stadtkirche Velten
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Der gute Geist der Stadtkirche Velten

Ein Artikel aus der MAZ von Ulrike Gawande

Gerd Gieche (79) wurde in der evangelischen Kirche in der Ofenstadt getauft und konfirmiert. Von 1985 bis 2001 war er festangestellter Küster der Gemeinde. Seitdem übernimmt er den Dienst mit viel Engagement ehrenamtlich.

Velten
Der schönste Moment sei für ihn der Sonntagmorgen, wenn er in der Stadtkirche Velten die Lieder ansteckt, die Kerzen anzündet, die Glocken läutet und dann den Gottesdienstbesuchern die Kirchentüren öffnet, verrät Gerd Gieche, der zum Jahresbeginn seinen 79. Geburtstag gefeiert hat.

Denn bis heute lässt es sich der Senior, der von 1985 bis 2001 als festangestellter Küster der Gemeinde tätig war, nicht nehmen, diese Aufgaben nun ehrenamtlich auszuführen. Es gibt wohl kein Gemeindemitglied in Velten, das Gerd Gieche nicht kennt. Jeden Vormittag kommt er in das evangelische Gotteshaus, um sauber zu machen, das Gelände in Ordnung zu halten oder den Rasen zu mähen. „Ich mache es für die Gemeinde“ so Gieche bescheiden, der zum Gemeindekirchenrat gehört, jedoch ungern im Mittelpunkt steht.

Für ihn war die Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen stets ein wichtiger Halt in seinem Leben, das 1939 in Berlin begann. Doch aufgewachsen ist der Junge in Velten, nachdem sein Vater im Krieg gefallen war. Seine Mutter erzog ihn im christlichen Glauben. Gottes Wort bedeutet für Gerd Gieche, der als Heizer bei Knochenschulz in Velten und in der Konsumbäckerei gearbeitet hat, vor allem ein Miteinander. Neben seinem Hauptberuf begann Gieche schon 1974 ehrenamtlich als Küster in der Ofenstadt. Heizte Kindergarten und Kirche. Und musste dafür etliche Säcke Kohlen schleppen.

Als die Kirche ihn dann 1985 endlich einstellen konnte, konzentrierte sich Gerd Gieche voll auf die Gemeinde, in deren Kirche er schon getauft und konfirmiert worden war. Er sei schon als kleiner Bub gerne zum Kindergottesdienst und zur Christenlehre gegangen, verrät er. Damals habe man noch mehr auswendig lernen müssen als heute, erinnert er sich. Bis jetzt sei davon viel hängen geblieben, sagt der 79-Jährige, der es für angebracht hält, wenn sich auch die heutigen Konfirmanden wieder intensiver mit der Bibel beschäftigen würden.

Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ gehört für ihn zu den wichtigsten Botschaften der Bibel. Doch auch die kirchliche Musik, egal ob von Bläsern oder Chor dargebracht, seien immer wieder schön, so Gieche, dem daher auch die von Pfarrer Markus Schütte neu eingeführten musikalischen Sonntagsserenaden einmal im Monat gefallen. „Der Pfarrer gibt sich viel Mühe.“ Besonders gern hört und singt Gerd Gieche die alten Lieder im Gesangbuch. Wie das von Carl Spittas Anfang des 19. Jahrhunderts geschriebene Lied „Bei dir Jesu will ich bleiben, stets in deinen Diensten steh`n“. Es klingt wie ein vertontes Gebet und scheint wie für den Küster geschrieben zu sein. „Mir sind die alten Lieder lieber, mit denen man aufgewachsen ist. Mit ihnen ist man verbunden.“

In seiner Freizeit liest Gerd Gieche gerne alte Schmöker, aber auch die Lutherbiografie und geht auf Reisen. Nach Italien, Südfrankreich oder Griechenland. Auch in Rom war der Veltener schon mehrmals. „Als evangelischer Gläubiger war es eine aufregende Sache, den Papst bei einer seiner öffentlichen Audienzen zu erleben. Da waren so viele Menschen. Fast wie beim evangelischen Kirchentag.“

Von Ulrike Gawande

Die Evangelische Stadtkirche Velten

Die Kirche in Velten wurde 1750 im Stil des Preußisch-Barock erbaut. Der historische Taufstein datiert auf das Jahr 1671. Im Jahr 1955 wurde die Innengestaltung stark verändert, so wurden Emporen entfernt und der Altarbereich neu gestaltet. Demnächst stehen Malerarbeiten an. Die Orgel der Firma Sauer wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gebaut und nach 1990 in der Kirche aufgestellt.

Die Stadtkirche bietet etwa 250 Besuchern Platz. Seit Anfang 2017 ist Markus Schütte Pfarrer der Kirchengemeinde Velten/Marwitz, zu der rund 1?600 Gemeindemitglieder gehören. Einmal im Monat findet die Sonntagsserenade, ein musikalischer Abendgottesdienst um 18 Uhr statt. Das nächste Mal am 3. Juni zum Thema „BeGeistert“, umrahmt vom Posaunenchor Oberkrämer. Nach der Sonntagsserenade wird stets zu Käse und Wein im Kerzenschein eingeladen. Im Anschluss an jeden Gottesdienst am Sonntagvormittag findet ein Kirchen-Kaffee statt. Am Freitag, 11. Mai, 14.30 Uhr lädt Pfarrerin Nele Poldrack zur „Zeit zum Trauern“ in die Kirche ein. Zur Kirchengemeinde gehört auch der evangelische Kindergarten, der derzeit von 45 Kindern besucht wird. Seit 2017 gibt es außerdem einen Kinderchor, der jeden Mittwoch um 15.30 Uhr probt.
erstellt von Mathias Wolf am 19.06.2018, zuletzt bearbeitet am 30.08.2020
veröffentlicht unter: Aktuelles aus der Kirchengemeinde