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Pfarrer Schütte sieht Veltens Zukunft mit Sorge

Pfarrer Schütte sieht Veltens Zukunft mit Sorge

Kein Go für verstärkten Wohnungsbau, keine S-Bahn – die aktuellen Beschlüsse von Pro Velten, CDU, AfD und NPD bringen der Stadt keinen Fortschritt, findet Pfarrer Markus Schütte. „Ich wünsche mir, dass mehr Menschen den Mut für Veränderungen haben. Denn Veränderung ist ein Grundzug des Lebens. Angst und Abschottung sind keine Rezepte für die Zukunft.“

Velten. 27.03.2020 von Jeannette Hix

„Schützt Fremde“ steht mit Riesen-Lettern an der evangelischen Kirche in Velten. Nebenan im Gemeindehaus wohnt Pfarrer Markus Schütte (51) mit seiner Frau und seinen zwei Kindern (4 und 10). Der Spruch prägt seit über zehn Jahren das Selbstverständnis der Gemeinde und ist ihm wichtig. Denn Fremden gegenüber offen zu sein, bedeutet auch Mut für Veränderungen und Neues zu haben. „Veränderung und Entwicklung sind Grundzüge des Lebens. Angst und Abschottung sind keine Rezepte für die Zukunft“, sagt Markus Schütte.

Mit großer Sorge sieht der Pfarrer die aktuellen Beschlüsse von Pro Velten, CDU, AfD und NPD, die sich gegen den S-Bahn-Anschluss aussprechen und gegen Bebauungspläne ab 50 Wohneinheiten. „Das beschäftigt derzeit viele Menschen in Velten. Die einen sind sehr offen für Veränderungen, die anderen sehen gesellschaftliche Veränderungen als bedrohlich“, sagt Schütte.

In Marwitz wird auch viel gebaut. Dort ist die Einwohnerzahl in den letzten zwei Jahren von 1500 auf 2000 gestiegen. Wachstum bedeute auch Fortschritt. „Neue Menschen bringen auch viele Impulse für eine Gesellschaft mit.“ Aktuell plant die Ortsgemeinde in Marwitz ein Dorffest, das neben der Feuerwehr, dem Karnevals- und Sportverein auch von der Kirchengemeinde mitgestaltet wird. Anliegen sei es, alte und neue Marwitzer zusammenzubringen.

Als er vor drei Jahren mit Frau und Kindern von Neuruppin nach Velten zog, wurde er sehr herzlich empfangen. In Neuruppin hatte Markus Schütte an einer evangelischen Schule als Schulpfarrer gearbeitet. Auf die Stelle in Velten hatte er sich beworben und wurde vom Gemeindekirchenrat gewählt. Inzwischen hat er etwa 300 Hausbesuche gemacht.

„Mal leiste ich seelischen Beistand, wenn ein Angehöriger verstorben ist. Mal besprechen wir eine Taufe. Mal weise ich auf Angebote hin, wenn jemand hoch verschuldet und verzweifelt ist. Der seelische Beistand ist es oft, der Menschen Trost bringt. Aber es ist manchmal eine Herausforderung, wenn ich morgens bei einem Trauerfall bin und kurz darauf eine Hochzeit bespreche.“
300 Hausbesuche hat er in drei Jahren gemacht

Auch Gottesdienste, Konfirmandenunterricht oder Baubesprechungen wie für die Kirche in Marwitz, die gerade saniert wird, gehören zu seinen Aufgaben. Das Zusammensein mit den Menschen und die Vielfalt der Aufgaben in seinem Amt seien der Grund, warum er sich einst entschloss, Theologie zu studieren.

Sein Großvater war evangelischer Pfarrer, seine Mutter wurde evangelisch erzogen, sein Vater katholisch. In Lehnin, in der Nähe vom Kloster, ist er aufgewachsen. „Der christliche Glaube spielte bei uns eine zentrale Rolle. Es war normal, zum Beispiel an jedem der fünf Osterfeiertage in die Kirche zu gehen und vor dem Essen zu beten.“

Zitat: „Veränderung und Entwicklung sind Grundzüge des Lebens.“

Trotzdem hat er sich die Entscheidung zum Theologiestudium nicht leicht gemacht. „Ich hatte auch überlegt, Lehrer zu werden oder Musiker. Denn die Musik spielt damals wie heute eine große Rolle in meinem Leben. Ich singe gern, auch mit meiner Familie und in den Gottesdiensten“, sagt Pfarrer Schütte, der auch im Veltener Projektchor die Bass-Stimme ist. Musik sei für ihn ein Lebenselixier.

Der Eintritt als Schüler in die Pionierorganisation und in die FDJ war für Markus Schütte keine Option, das Abitur und ein Theologiestudium somit nicht möglich. Also lernt er den Beruf des Krankenpflegers, studiert Geschichte und Philosophie an der Humboldt Uni Berlin.

Doch mit der Wende wendet sich auch für Markus Schütte alles. Er holt sein Abitur nach. Seine erste Reise als Rucksacktourist nach Israel lässt ihn endgültig die Entscheidung fällen, doch ein Theologiestudium nachzuschieben. Sechseinhalb Jahr studiert er an der Humboldt Uni Berlin Theologie. Das Vikariat dauert noch mal drei Jahre. 2004 übernimmt er das Stadtkirchen-Pfarramt in Potsdam. Bei der Gemeindearbeit lernt er auch seine zweite Frau kennen. Die Kinder aus erster Ehe sind längst erwachsen.

Glaube bedeutet für den Pfarrer Hoffnung

Und wieder packte er seine Koffer und wurde 2011 Schulpfarrer in Neuruppin. In Velten gehören 1300 Menschen zu seiner Gemeinde, 300 sind es in Marwitz. Die Mitgliederzahlen seien stabil.

Aber was sagt er jungen Leuten, die Fragen zu Glaube, Gott und Kirche haben? „Zu glauben ist ein Sich-auf-den-Weg machen - auch zu sich selbst. Glaube bedeutet für mich, eine Hoffnung zu haben, die mich trägt. Ohne diese Hoffnung kann ich mir mein Leben nicht vorstellen. Ich kann Leute auf diesen Weg bringen. Aber es ist nicht meine Aufgabe, ihnen zu sagen, wie sie ihr Leben führen sollen.“

Das Singen tut Markus Schütte gut - manchmal auch ein Lauf durch den Wald. „Ich versuche, im Sommer jede Woche zu joggen, immer so 40 Minuten und etwa acht Kilometer. Joggen ist für mich Meditation.“ Im Winter kann er sich nur alle zwei, drei Wochen aufraffen. Aber auch ein Pfarrer darf Schwächen haben.
erstellt von Stefan Determann am 15.04.2020, zuletzt bearbeitet am 30.08.2020
veröffentlicht unter: Aktuelles aus der Kirchengemeinde

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