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Ein „da Vinci“ für Neuholland
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Ein „da Vinci“ für Neuholland

Ein Artikel aus der Neuen Oranienburger Zeitung von Marco Paetzel

Neuholland – Seinen Glauben hatte er 1968 verloren. Lothar Köhn war als junger Künstler auf Berliner Demos mit Studenten unterwegs, für Gott war da kein Platz mehr in seiner Welt. „Die Kirche war reaktionär und gehörte zum Establishment“, sagt der Holzkünstler. Am Sonntag, gut 47 Jahre später, schenkte er der Kirche in Neuholland einen Altar, der Leonardo da Vincis Gemälde „Das Abendmahl“ nachempfunden ist. Für Köhn schließt sich damit ein Kreis in seinem Leben. Viele Menschen in der Kirchengemeinde Neuholland hatte er in den vergangenen Jahren liebgewonnen, zuletzt ist der Exzentriker mit dem Zopf sogar wieder in die Kirche eingetreten. Vielleicht, sagt der 71-Jährige, spielen da auch die Gene eine Rolle: „Meine Großmutter ist im Alter auch tief religiös geworden“, so der Künstler im Gespräch mit der MAZ.
Rund 50 Gäste waren am Sonntagmorgen in die kleine Kirche im Liebenwalder Ortsteil gekommen, um beim Gottesdienst den Altar zu weihen. Auf 2,20 Meter mal 90 Zentimeter hat Lothar Köhn das Motiv des Abendmahls nachgeschnitzt, etwa ein halbes Jahr hat er daran in seinem Atelier in Neuholland gearbeitet. Seine Lebensgefährtin, die Malerin Doris Wittenberg, hat der Schnitzerei die Farben des Gemäldes gegeben. Für Lothar Köhn ist der Altar aus Eichen- und Lindenholz ein schöner Farbtupfer in der sonst so kargen Kirche. Das Vorgängerstück sei aus Spanplatten zu DDR-Zeiten gewesen. „Das war mit einem riesigen Tuch bedeckt, damit es ein bisschen nach was aussah“, so Köhn, der auch eine neue Kanzel samt Kreuz-Schnitzerei gebaut hat.
Das Motiv des Abendmahls sei ihm als Erstes in den Kopf gekommen. Passt ja auch zu Ostern, sagt der Künstler. Immerhin stelle die Szene den Gründonnerstag dar. „Jesus sagt den Jüngern: ,Leute, morgen kaschen die mich und dann geht’s ab auf den Berg da oben’.“ Lothar Köhn habe beim Schnitzen versucht, diese Szene so genau wie möglich nachzuahmen. „Einiges muss man im Relief aber weglassen, ich kann beispielsweise die Beuge eines Arms nicht so darstellen wie man das beim Malen kann.“
Es war nicht das erste Werk, das Lothar Köhn für die Neuholländer Kirche geschaffen hat. Im vergangenen
Jahr übergab er ein Relief in Form eines Buches mit dem Friedensgebet. Der Text ist um 1912 entstanden und kann als religiöses Gegenstück zur damals vorherrschenden Kriegsbegeisterung gesehen werden. Zudem hat Lothar Köhn dabei geholfen, die kleine Trauerhalle auf Vordermann zu bringen. Geld nimmt er für seine Dienste nicht. „Es gibt ja zu Ostern immer ein schönes Kuchenbüfett, das ist Bezahlung genug“, sagt der Künstler und schmunzelt. Ein Mammutbäumchen bekam er am Sonntagmorgen außerdem zum Dank überreicht.
Katrin Lutze vom Gemeindekirchenrat Neuholland freut sich über den Altar. „In unsere schlichte Kirche passt so ein schönes Stück gut rein.“ In den kommenden Monaten gebe es noch viel zu tun, vor allem das Dach der Kirche müsse repariert werden. Der ganz große Traum der Neuholländer ist es aber, dass die Kirche ihre Turmspitze wiederbekommt, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. „Darum kämpfen wir, aber
das wird teuer.“ Liebenwaldes Bürgermeister Jörn Lehmann sei in dieser Angelegenheit auf der Seite der Neuholländer, so Katrin Lutze.
Auch auf Lothar Köhn können sie sich verlassen. Bis Weihnachten will er einen Taufengel schnitzen, der von der Kirchendecke hängen soll. Dafür will Köhn aber dann keinen Kuchen als Belohnung. „Würstchen“, so der Künstler, „wären auch mal schön.“
erstellt von Mathias Wolf am 07.04.2015
veröffentlicht unter: Neues aus dem Pfarrsprengel