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Menü mit Kartoffelschalen-Bimmler

Menü mit Kartoffelschalen-Bimmler

Ein Artikel aus der Gransee-Zeitung von Sabine Slatosch

Falkenthal (sla) Am Freitagabend war das Falkenthaler Gemeindehaus mal wieder mit fürstlich gedeckten Tafeln geschmückt. Die Schlemmerlesung ist seit vielen Jahren Tradition. Diesmal las Hans-Joachim Vanselow, Pfarrer im Ruhestand, aus den Erinnerungen von Kurt Mühlenhaupt. Seine Frau Ellen war die Zauberin im Küchenreich, zusammen mit sieben helfenden Feen.
Veranstaltung mit Tradition: Bei der Schlemmerlesung ging es diesmal um Mühlenhaupts Erinnerungen.

In Anbetracht der Fastenzeit schlemmern wir heute vorösterlich und etwas weniger, schmunzelte sie. Denn das Menü war dennoch reichhaltig und vielfältig: Erbsensuppe mit frischer Minze aus dem Garten, Feldsalat mit Birnen und Gorgonzola-Käse, Fischfilet mit Mandelkruste, Blumenkohl mit Currysoße und Ingwer. Lediglich die Fleischmengen waren ein wenig reduziert: Hackbraten im Teigmantel und Chicoree in Schinkenröllchen.

Das Entree zur den leckeren Speisen lieferte Vanselow mit der Geschichte vom "Ostermahl". Kurt Mühlenhaupt erinnert sich an eine Italienreise, die ihn zusammen mit Hannelore zu Anna und Eugenio führt. Nicht nur, dass Anna ihnen zum Frühstück einen überaus anregenden Corretto - Espresso mit siebzigprozentigem Grappa - serviert. Sie will für das Paar kochen an Ostern. Das tut sie dann auch, und das überaus opulent und in etlichen Gängen, die sich ohne Pause aneinander fädeln wie eine Perlenkette. Zwei Tage brauchen die beiden, um das Essen zu verdauen. "Anna hat irgendwie gemeint, ich kann Kurt nicht wirklich versorgen", ergänzte Hannelore Mühlenhaupt, die den Text für die Lesung gewählt hatte.

Nach der Vorsuppe hörten die etwa 35 Gäste Texte, die in Berlin-Kreuzberg spielen. Wie Kurt als Kartoffelschalenbimmler arbeitete und die Prüfung für das Trödlerdiplom auf dem Wirtschaftsamt bestand. Wie er sein erstes Geschäft als Trödler erfolgreich abschloss und wie er an amerikanische Offiziere Standuhren verkaufte. "Er war ein guter Beobachter und Menschenkenner" erklärte Hannelore seinen Erfolg. Inmitten des ganzen Trödels haben seine Bilder gestanden, zum Schluss sei der Trödel die Dekoration für seine Bilder gewesen. "Die Kunst lebt vom Überfluss, und den gab es nach dem Krieg nicht", so Hannelore Mühlenhaupt, "Kurt musste fünfzig Jahre alt werden, bis er ausschließlich von seiner Kunst leben konnte".

Mühlenhaupts Möbeltrödel wurde später Inventar seiner Künstlerkneipe "Leierkasten" in Kreuzberg. Dreißig verschiedene Stühle, sechs verschiedene Tische, eine Bühne und sehr wenig Glühbirnen waren da, erinnerte sich Ellen Vanselow. Als gebürtige Kreuzbergerin war sie oft mit ihrem ersten Ehemann dort und hörte Musik. Es sei immer dunkel dort gewesen, die Männer haben alle lange Haare gehabt, und es wurde gekifft. Etliche Maler, Musiker und Literaten frequentierten die damals einzige Künstlerkneipe. Episoden aus Kreuzberger Zeiten rankten sich um das Gelesene. Es ist die Gegend, die auch Hans-Joachim Vanselow gut kennt, weil er als Student dort wohnte.

Ein Dessert aus Quarksahnespeise mit Zitrone und Quarkspeise mit Erdbeermarmelade rundete die amüsante Lesung ab. Es war die zweite Lesung aus den Erinnerungen von Kurtchen. Eine dritte schwebt dem ehemaligen Falkenthaler Pfarrer vor. Darin soll es um Mühlenhaupts erste Eindrücke im Märkischen Land gehen.
erstellt von Mathias Wolf am 31.03.2014, zuletzt bearbeitet am 07.04.2015
veröffentlicht unter: Neues aus dem Pfarrsprengel