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Kirchennacht unterm Kaiserstiel
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Kirchennacht unterm Kaiserstiel

Ein Bericht aus der MAZ von Cindy Lüderitz (10.6.2014)

Falkenthal – Warum Falkenthal den Beinamen Storchendorf trägt und die Vögel hier so gerne nisten, lässt sich vom rund 36 Meter hohen Kirchturm aus eindrucksvoll erspähen. Egal, in welche Himmelsrichtung der Blick aus der Laterne fällt, die Aussicht ist weithin grün. Das ist zugleich die Farbe der Hoffnung und womöglich wirkt Hans-Joachim Vanselow nach dem Aufstieg unter den hölzernen Kaiserstiel (die Spitze der Turmkonstruktion) auch deshalb zuversichtlich, dass das größte Projekt seines Ruhestandes doch bald ins Rollen kommt. Die Sanierung des mehr als 300 Jahre alten Kirchturms liegt dem langjährigen Ortspfarrer und Mitglied des Kirchen-Fördervereins am Herzen.
Die „Großbaustelle“ war anlässlich der langen Nacht der Kirche, an der sich die Falkenthaler am vergangenen Sonnabend als eine von zwei Gemeinden im Kreis beteiligten, zu besichtigen. Nur die Pforten der Granseer Sankt-Marien-Kirche waren daneben noch geöffnet – und das erstmals im Rahmen dieser Veranstaltung. „In der Stadt gibt es diese Nacht schon seit zehn Jahren und die Kirchen haben Zulauf. Wir als Dorf beteiligen uns zum dritten Mal“, sagt Vanselow. Das kleine Kirchenfest in Falkenthal musste sich das Publikum allerdings mit dem örtlichen Sportverein teilen, der sein 20-jähriges Bestehen feierte.
Auf den Weg in die Turmspitze stoppt Hans-Joachim Vanselow auf der Glocken-Etage und macht auf ein besonderes Jubiläum in diesem Jahr aufmerksam. 90 Jahre alt ist das dreistimmige Geläut und laut dem Pfarrer i.R. von schönem Klang. Bis zum Glockenfest im Sommer wollen die Mitglieder des Fördervereins entziffert haben, was auf dem Eisenguss geschrieben steht. Nur ein Spruch ist noch leserlich: „Denen die in Schmach und Schuld künde neu ich Gottes Huld.“ Für die Zeit nach dem Krieg ein angemessener Spruch, findet Hans-Joachim Vanselow. Die Glockenunterlagen aus dem Archiv, die heute eintreffen, sollen weiter Aufschluss geben.
Auf der nächsten Etage wird das Ausmaß der Schäden, die die Kirchenfreunde umtreiben, ersichtlich. Der Fachwerkaufsatz bröckelt an einigen Stellen. Vanselow spricht von Holzschwund. „Hier wurde märkische Kiefer verbaut, keine Eiche. Trotzdem hat es lange gehalten.“ Die Architektin hat vorgerechnet, dass es mehr als 350 000 Euro kosten würde, den Turm zu sanieren. Das wäre zu viel auf einmal, sagt Vanselow. Der Verein bereitet derzeit einen Fördermittelantrag vor, rechnet sich aber größere Chancen aus, wenn das Vorhaben auf mehrere Bauabschnitte aufgeteilt wird. Dass die geneigte Falkenthaler Kirchturmkrone inzwischen ein wenig an den schiefen Turm von Pisa erinnert, könnte sich für die Bemühungen des Vereins noch als nützlich erweisen, nimmt Uwe Rohtermundt das Dilemma mit Humor. Die Konstruktion unter der Krönung hat mit einer rund 600 Kilogramm schweren Glocke auch einiges zu tragen. Auch hier hat das Holz inzwischen leicht nachgegeben.
Unterstützung erhält der Verein vom Förderkreis „Alte Kirchen“, der unter neu gegründeten Initiativen ein Startkapital in Höhe von 2500 Euro ausgelobt und Falkenthal berücksichtigt hat. „Darüber haben wir uns sehr gefreut“, sagt Vanselow. Und es gibt auch Auftrieb, weiter für die Rettung des Kirchturms zu arbeiten. Inzwischen hat der Verein eine Internetseite freigeschaltet und ist auch auf Facebook aktiv. Die Spendensammlung läuft weiter. Vielleicht, denkt Vanselow laut, wird es einen weiteren „Falken-Thaler“ geben – eine Währung zugunsten des Kirchturms.

erstellt von Mathias Wolf am 11.06.2014, zuletzt bearbeitet am 07.04.2015
veröffentlicht unter: Neues aus dem Pfarrsprengel