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Knatsch ums Klosterdach

Knatsch ums Klosterdach

Ein Bericht aus dem Ruppiner Anzeiger von Markus Kluge

Lindow (RA) Um 1230 wurde das Lindower Kloster gegründet. Rund 400 Jahre später im Dreißigjährigen Krieg wurde es zerstört. Jetzt will das Stiftskapitel Teile der Ruine modern überdachen - nicht zur Freude aller Lindower.

Das wurde bei der Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstagabend deutlich, als Stiftskapitelvorsitzender Prof. Horst Borgmann, Dr. Bernd Stary von der Technischen Universität Berlin und Architekt Martin Glass die modernen Möglichkeiten des textilen Regen- und Sonnenschutzes vorstellten. Gut ein halbes Jahr hatten sich Studenten aus aller Welt mit dem Problem der Überdachung innerhalb der historischen Mauern beschäftigt. Eine Idee sah die Überdachung eines Weges vor. Bei einer anderen sollten Schirme Schutz bieten. In der dritten Variante sorgt eine Konstruktion, auf dem die textilen Dachelemente bewegt werden, zusätzlich noch für eine sakrale Stimmung. Einige Wochen standen drei Lösungsansätze in Form von Modellen zur Ansicht im Lindower Rathaus. Eine richtige Begeisterung dafür wollte aber nicht aufkommen.

Die CDU-Abgeordnete Heidrun Otto legte als erste den Finger in die Wunde. "Für uns ist das schwierig. Wir stecken nicht so im Thema", sagte sie. Die Menschen, mit denen sie sich unterhalten hat, hätten nicht viel Zustimmung für die Überdachung gehabt. "Ich glaube, die Diskussion ist noch lange nicht zu Ende", sagte sie und hatte damit den Nagel auf den Kopf getroffen.

Viele der Redner aus den Reihen des Publikums konnten sich mit dem Gedanken an ein Textildach über der Ruine nicht anfreunden. "Die Ruine spricht eine eigene Sprache. Es ist auch ein Denkmal für Zerstörung", hieß es in einem Beitrag. Das Kloster sei ein Ort der Erinnerung und der Besinnung, "da bedarf es keiner Ergänzung und technischer Experimente". Hinzu kommt, dass einige Lindower die touristische Nutzung der Ruine fürchten, was neben zahlenden Gästen auch ein Parkplatz- und Toilettenproblem mit sich bringen könnte. "Der Regenschirm ist erfunden und die meisten Konzertbesucher haben damit Erfahrung", sagte ein Gast bei der Sitzung. Für den SPD-Abgeordneten Heinz Bratschedl ist das Kloster auch ein Ort der Stille, der Besinnung und der Würde. "Was für die Planer verführerisch wirkt, wirkt auf uns eher futuristisch", sagte er.

Aber es gibt auch ganz andere Meinungen. Frederik Otto (CDU) machte darauf aufmerksam, dass Lindow mit einem außergewöhnlichen Dach in der Ruine ein Alleinstellungsmerkmal in der Region hätte. "Ich erinnere nur an den Neuruppiner Parzival. Als der aufgestellt wurde, ging ein Aufschrei durchs Land. Und heute gehen alle Leute hin, um ihn sich anzusehen", sagte er. Der FDP-Abgeordnete Bert Groche ist selbst Mitglied im Stiftskapitel. Er stimmte zu und sagte, dass sich Lindow nicht immer von Neuruppin und Rheinsberg etwas vormachen lassen müsste. Die Klosteranlage werde durch ein Dach und die Angebote, die dort stattfinden können, noch attraktiver. "Denkmale der Zerstörung haben wir schon genug", so Groche.

"Das wird kein 100-Meter-Lauf, das wird ein Marathon", so Lindows Bürgermeister Wolfgang Schwericke (SPD), der sich auch dafür aussprach, neue Wege zu gehen. Am Ende stimmten alle Abgeordneten dafür, dass das Stiftskapitels ein Dach installieren kann. Das liegt sowieso allein in der Hand des obersten Stiftsgremiums, das sich nur die Rückendeckung der Stadt für ihr Projekt holen wollte. Finanziell ist die Kommune daran nicht beteiligt.Bis ein Dach steht - oder hängt - wird auch noch viel Zeit verstreichen, sagte Kapitelvorsitzender Horst Borgmann. Denn erst müsse über Sponsoren die Finanzierung gesichert werden. Dr. Bernd Stary machte am Ende noch einmal deutlich, dass ein Dach die Anmutung der Ruine nicht zerstören soll. "Sie soll sie in einem neuen Glanz erscheinen lassen und den historischen Wert noch unterstreichen", so Stary. Mit dem Sonnen- und Regenschutz solle die Ruine ein erlebbarer Raum für alle werden. Und die Diskussion mit den Lindowern zu diesem Thema sei noch nicht vorbei, sicherten Borgmann und Stary zu.
erstellt von Mathias Wolf am 14.11.2013, zuletzt bearbeitet am 27.12.2014
veröffentlicht unter: Neues aus den Kirchengemeinden