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Löwenberger Initiative wiederbelebt
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Löwenberger Initiative wiederbelebt

Ein Artikel aus der Gransee-Zeitung von Volkmar Ernst

Er kann’s nicht lassen: Sich einfach zurücklehnen und den Tag nur genießen, das kann Gerhard Gabriel, Pfarrer i.R., nicht. Er engagiert sich sowohl in der kleinen als auch großen Politik.

Löwenberger Land (MOZ) Post und Unterstützung aus Brandenburg werden demnächst CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erhalten, die die Einführung eines „Gesellschaftsjahres“ angeregt haben. Genau das hatte die „Löwenberger Initiative“ bereits 2012 mit der Einführung eines „Sozialen Jahres auf gesetzlicher Grundlage“ vorgeschlagen.

Zu den Mitbegründern der Initiative gehörte unter anderem der Grüneberger Pfarrer i.R. Gerhard Gabriel, der auch heute noch zu dem Vorhaben steht, wie er in einem Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Dass nun die „große Politik“ das Thema aufgegriffen hat, freut ihn insofern, da die Aktivitäten der Löwenberger Initiative mit der Zeit einfach verebbten. Dabei hatten die Mitstreiter um Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp und den Theologen Professor Richard Schröder viele namhafte Unterstützer, darunter sogar Altkanzler Helmut Schmidt, für ihr Vorhaben gewinnen können.

Gefordert hatte die Initiative das soziale Jahr vorrangig im Interesse der Jugendlichen selbst. „Es soll ihnen gemeinwohlorientierte Tätigkeiten ermöglichen, deren Sinnhaftigkeit unmittelbar erfahrbar ist, und neue Horizonte eröffnen“, hieß es in der Begründung. „Wer Alte unterstützt oder Kindern hilft, wer Natur bewahrt oder Kulturgüter pflegt, gewinnt an Empathie und Engagement.“ Das Jahr als Pflicht festzuschreiben, war wohl überlegt, um auch all jene dazu zu verpflichten, die sich solchen Herausforderungen eben nicht aus eigenem Antrieb stellen. „Extremistische Haltungen gedeihen besonders in beschränkten und isolierten Milieus. Die besten Heilmittel dagegen sind frischer Wind, neue Herausforderungen, eine neue Umgebung und neue Erfahrungen“, heißt es weiter.

Absolviert werden sollte das Jahr bei allen gemeinnützigen Rechtsträgern, also Kommunen, Kirchen, Krankenhäusern, diakonischen und caritativen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten, Theatern sowie Natur- und Umweltschutzorganisationen, gegebenenfalls sogar im Ausland. Strikt abgelehnt wurde ein kommerzieller Charakter, um keine regulären Arbeitsplätze zu verdrängen oder zu gefährden.

Dass dies so einfach nicht umzusetzen ist, wussten auch die Mitstreiter der Initiative, wie Gabriel sagt. „Der Gesetzgeber muss dann natürlich sicherstellen, dass die Jugendlichen während ihres Einsatzes betreut werden.“ Auch müsse der Gesetzgeber klar regeln, wie der Einsatz mit dem verfassungsmäßigen Recht, dass niemand zu einer Tätigkeit gezwungen werden kann, in Einklang gebracht werden könne, so Gabriel weiter. Ebenso wichtig sei zudem, wie der Einsatz finanziell abgesichert werde, und dass sich niemand dieser Pflicht verwehren oder sich daraus freikaufen könne.

Damit der Vorstoß von Kramp-Karrenbauer und Kretschmer nicht nur als Sommerloch-Diskussion abgetan wird und wie vor Jahren die Vorschläge der Löwenberger Initiative in Vergessenheit geraten, bietet eben diese ihre Mitarbeit den Politikern an. „Vielleicht gelingt es uns gemeinsam, dieses Vorhaben auf den Weg zu bringen, wenn daran sowohl die große Politik von oben als auch die Basis von unten daran arbeiten“, sagt Gabriel und hofft auf eine Antwort der Politiker.
Mitstreiter

Zu den Unterstützern der Initiative zur gesetzlichen Einführung eines Sozialen-Pflicht-Dienst-Jahres in der Bundesrepublik Deutschland gehörten 2012 unter anderem: Karl-Heinz Schröter (Landrat Oberhavel), Hans-Joachim Laesicke (Bürgermeister Oranienburg), Uwe Simon (Superintendent Kirchenkreis Oberes Havelland), Frank Steege (Amtsdirektor Gransee), Arno Dahlenburg (Bürgermeister Zehdenick), Heilgard Asmus (Generalsuperintendentin, Potsdam), Professor Wolf Krötke (Humboldt-Universität), Peter Merseburger (ARD-Korrespondent), Peer Steinbrück (Bundestagsabgeordneter, Berlin), Steffi Schicker (Gleichstellungsbeauftragte Naumburg) und Henryk Wichmann (Landtagsabgeordneter).
erstellt von Mathias Wolf am 13.08.2018, zuletzt bearbeitet am 11.03.2019
veröffentlicht unter: Neues aus dem Pfarrsprengel