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Gottesdienst zum Sonntag Lätare 22.3.2020 Pfarrsprengel Sachsenhausen

Am Sonntag, 22. März, 9.30 Uhr wollten wir einen Sprengelgottesdienst in der Kirche in Sachsenhausen feiern. Unser Katechet Michael Wendt hat den Gottesdienst vorbereitet. Wir laden ein, sich nun zu Hause die Zeit zum Gebet zu nehmen und stellen den Gottesdienst hier zur Verfügung:

Gottesdienst zum Sonntag Lätare 22. März 2020 im Pfarrsprengel Sachsenhausen

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

herzlich Willkommen zum Gottesdienst in unserer Kirche, in unserem Gemeinderaum so würden wir Sie normalerweise begrüßen. Heute begrüße ich sie herzlich auf unserer Homepage zum Gottesdienst in schriftlicher Form.
Es sind besondere Zeiten, in denen wir gerade leben mit all unseren Ängsten und Sorgen, mit allen Anordnungen und Einschränkungen, aber auch mit aller Hoffnung, dass alles bald vorbei ist und Normalität wieder Einzug hält. Wir sind mitten drin im Leid, das uns umgibt, vielleicht den einen oder anderen schon direkt getroffen hat.
Wir sind auch mitten in der Passionszeit. Lätare heißt dieser Sonntag, übersetzt „Freue dich“. Er kündet vorösterlich von der Freude, die dem Leiden nachfolgt. Die Freude wird das letzte Wort behalten, gerade da, wo wir es am wenigsten erwarten. So hoffen wir besonders in diesen Tagen auf Gott, dass das Dunkel nicht überhandnehme und wir befreit werden von der Last des Leidens.
Gemeinsam stehen wir zusammen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Lied: Er weckt mich alle Morgen (EG 452)

Gebet:
Wir wollen im Gebet vor Gott bringen, was uns bewegt und ihn um sein Erbarmen bitten:

Manchmal sind wir bekümmert und das Herz ist uns schwer.
Dann wissen wir selbst nicht, was uns fehlt.
Dann suchen wir - und finden nicht.
Dann rufen wir zu dir: Herr erbarme dich!

Manchmal versperren Angst, Zweifel und Sorgen uns den Blick in eine lichte Zukunft. Unsere Hoffnung und unser Glauben werden immer kleiner. Dann rufen wir zu dir: Herr erbarme dich!

Manchmal richten Misstrauen, Hass und Gewalt die Erwartungen an das Leben zugrunde, dann wünschen wir uns nichts als Vertrauen, Liebe und Frieden und rufen zu dir. Herr erbarme dich!

Lied: In dir ist Freude (EG 398)

Evangeliumslesung: Joh 12,20-24

Ehr sei dir, o Herre!
Unter denen, die zum Fest nach Jerusalem gekommen waren, um Gott anzubeten, befanden sich auch einige Nichtjuden. Sie gingen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: »Herr, wir möchten gerne Jesus kennen lernen.«
Philippus sagte es Andreas, und die beiden gingen zu Jesus. Er antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen! Jetzt wird die Herrlichkeit des Menschensohns sichtbar werden.
Amen, ich versichere euch: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Aber wenn es stirbt, bringt es viel Frucht.“
Lob sei dir, o Christe!

Lied: Wir glauben Gott im höchsten Thron (EG 184)


Predigt über Jesaja 66, 10-14

Liebe Gemeinde,
bleibt behütet und vor allem gesund, so verabschiede ich mich in diesen Tagen von Menschen, mit denen ich direkt oder indirekt in Kontakt gestanden habe, sei es von Angesicht zu Angesicht, per Telefongespräch oder über Mail - und Briefverkehr.
Gesund bleiben, was wünschen wir uns nicht mehr in diesen Tagen. Wir wünschen Gesundheit für uns selbst und füreinander. Aber genauso wichtig wie das Gesundbleiben oder – werden ist das behütet sein.
Denn egal ob wir erkranken oder gesund bleiben, ob unser Bewegungsraum eingeschränkt wird oder wir weiterhin halbwegs normal leben können, es ist wichtig, behütet zu bleiben, von Gott behütet zu bleiben.
In den Zeiten, wo unsere Hoffnung zu schwinden beginnt und Ängste sich immer mehr Raum verschaffen, ist es gut, einen festen Grund zu haben. Einen festen Grund, der uns trägt und uns nicht untergehen lässt im Strudel überbordender Nachrichten, Fakten, Zahlen, Empfehlungen und Anordnungen. Der Grund der uns trägt, der Grund aller unser Hoffnung ist Gott. So glauben wir es und so wenden wir uns ihm zu im Gebet.
Vielleicht bekommt unsere Beziehung zu Gott in diesen Tagen, gerade wegen der sich verschärfenden Problemlage, wegen der ständigen neuen Nachrichten und der sich ausbreitenden Ungewissheit, gerade wegen der zu praktizierenden sozialen Distanz oder Isolierung einen neuen Schub. Erkennen wir doch, wie machtlos wir manchmal sind. All unser Wissen reicht eben doch nicht aus, die Welt zu beherrschen. Und vielleicht finden wir am Ende unserer Weisheit wieder mehr zu Gott, denn selbst manch Wissenschaftler sagt: Am Ende hilft nur beten.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Gott uns am nächsten scheint, wenn die Welt nicht in Ordnung ist. Dann bleibt er als letzte Hoffnung.
Wir erleben gerade durch alle Altersstrukturen hindurch eine große Erschütterung. Alles, was bisher als Normal galt, ist in Frage gestellt.
Was heute gilt und Orientierung verheißt, kann morgen schon verworfen sein. Kein Wissenschaftler, kein Politiker, kein Mediziner kann mit absoluter Gewissheit sagen, wie die nahe Zukunft ausschauen wird.
Aber genau dieses verstärkt die Ungewissheit, die verunsichert und zu irrationalem Handeln verleitet. Wir können dieses Handeln an den leeren Regalen in den Einkaufszentren und Geschäften sehen, obwohl versichert ist, dass die Versorgung der Bevölkerung mit allen lebensnotwendigen Produkten gewährleistet ist und auch die gesundheitliche Versorgung funktioniert. Wir alle werden genug zu essen und trinken haben und wir alle werden medizinisch versorgt werden. Dafür gibt es ja all die Einschränkungen, denen wir uns unterziehen müssen. Es geht um nichts anders als um die Grundbedürfnisse des menschlichen Lebens zu sichern. Die Versorgung mit Lebensmitteln und das Aufrechterhalten der medizinischen Versorgung.
Und wir alle können dazu beitragen, die Lage zu stabilisieren durch unser eigenes Handeln und durch unser eigenes Verhalten. Seien wir geduldig, nehmen wir Einschränkungen im Lebensalltag an, üben wir uns in Verzicht und Entbehrung. Folgen wir unbedingt den Anweisungen der Verantwortungsträger. Seien wir aber auch dankbar und respektvoll denjenigen gegenüber, die den Gefahren einer Infizierung unmittelbar ausgesetzt sind, den Ärztinnen und Ärzten, den Pflegerinnen und Pflegern, den Polizisten, den Rettungskräften, den MitarbeiterInnen im öffentlichen Nahverkehr und den Mitarbeiterinnen im Einzelhandel.
Durch unser verantwortungsvolles Verhalten und Handeln tragen wir ganz aktiv mit dazu bei, dass sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt oder gar einstellt.

Liebe Gemeinde wir befinden uns kirchenjahreszeitlich in der Passionszeit. Und ich glaube keiner von uns hat Passion schon einmal so existentiell wahrgenommen und erlebt.
Um ein bisschen Leidenserfahrung zu spüren, haben wir uns in den Jahren zuvor ein wenig selbst eingeschränkt. Haben zeitlich begrenzt, unter dem Stichwort „7 Wochen ohne“, auf Liebgewordenes verzichtet und dadurch etwas für Körper und Geist getan, vielleicht auch ein wenig das schlechte Gewissen beruhigt, ob der Gedankenlosigkeiten in der restlichen Zeit des Jahres.
Aber in unserer gegenwärtigen Situation machen wir ganz neue Leidenserfahrungen. Wir erleben eine kollektive Passion, die vieles von uns abverlangt, ob wir es wollen oder nicht.

Kollektive Leidenserfahrungen hat auch das Volk Israel in seiner Geschichte schon viele erlebt. An das Ende der letzten großen Leidenserfahrung mit Millionen von Toten, erinnern wir in diesen Tagen, trotz aller Ablenkung und Einschränkungen, zum fünfundsiebzigsten Mal.

Welches unermessliche Leid mussten die Kinder Gottes ertragen, wie viele Millionen haben ihr Leben gelassen, wie viele Millionen wurden aus ihren Heimatorten vertrieben, wie viele Familien sind auseinander gerissen worden oder ganz ausgelöscht. Diese Fragen taten sich auf, nachdem es Frieden wurde in Europa und auf der Welt und der Wahnsinn ein Ende hatte. Und wie sollte es weitergehen.
Hoffnungslos waren die Menschen. Sie standen vor den Trümmern ihres Lebens. Nicht nur dass die Häuser zerstört waren, auch die Zukunft, die Träume vom gelingenden Leben, die Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit waren zertrümmert worden. Hat das Leben überhaupt noch Sinn, werden sich viele gefragt haben. Und wo sollen wir leben.
An diese Menschen sind die Worte gerichtet die wir beim Propheten Jesaja hören.
Freut euch mit Jerusalem! Jubelt über diese Stadt, alle, die ihr sie liebt! Früher habt ihr um sie getrauert, doch jetzt dürft ihr singen und jubeln vor Freude. Lasst euch von ihr trösten wie ein Kind an der Mutterbrust. Trinkt euch satt! Genießt die Pracht dieser Stadt! Denn ich, der HERR, sage euch: Frieden und Wohlstand werden Jerusalem überfluten wie ein großer Strom. Ich lasse den Reichtum der Völker hereinfließen wie einen nie versiegenden Bach. Und an dieser Fülle dürft ihr euch satt trinken. In dieser Stadt werdet ihr euch wie Kinder fühlen, die ihre Mutter auf den Armen trägt, auf den Schoß nimmt und liebkost. Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind. Die neue Pracht Jerusalems lässt euch den Kummer vergessen. Wenn ihr das alles seht, werdet ihr wieder von Herzen fröhlich sein, und neue Lebenskraft wird in euch aufkeimen wie frisches Gras.

Dort im dunkelsten Moment des Lebens, im Anblick der Hoffnungslosigkeit und des unermesslichen Leides werden Worte der Hoffnung gesetzt, Worte der Freude, Worte des Lebens.

Es ist ein Aufruf, ein Weckruf, die Welt neu zu bauen können. Neu anzufangen und eben nicht aufzugeben trotz aller leidvollen Erfahrungen. Gott hat befreit. Gott führt aus Gefangenschaft und Tod Gott führt zum Leben.
Kommt, wir schaffen das. Wir lassen beiseite, was einengt und trennt, all unsere engen Grenzen. Denken wir groß. Vertrauen wir Gott.
Das Leben wird neu erwachen. Denn Gott schenkt es uns.

Ja, Angst und Kummer, Hass und Neid, all die schlechten Erfahrungen, sie gehören auch zu uns und sie lähmen den Weitblick, sie verschließen den Blick in die göttliche Zukunft.

Es sind Gottes Worte, die eine rosige Zukunft in unsere Herzen und Sinne malen. Sie geben wieder, wie er sich das Miteinander der Menschheit vorstellt. Fröhlich sollen die Menschen sein, in einer lebendigen Gesellschaft leben, gut versorgt durch seine Schöpfung, an der alle teilhaben dürfen. Gespeist von dem Reichtum aller Völker, die sich einbringen mit materiellen und geistigen Gaben, aber auch mit ihren Ideen und Kulturen.
Wenn wir diese Worte in uns aufnehmen, ist es, als wenn wir durch ein Schlüsselloch schauen und den Himmel auf Erden sehen.

Eine noch nie dagewesenen Welt, wo Menschen in Frieden und Eintracht miteinander leben. Und durch dieses Miteinander sind alle Menschen mit einem wahren Reichtum gesegnet, der nie zu Ende geht und aller Kummer und alle Sorgen werden vergessen sein.

Wenn wir diese Worte hören, können wir vor unseren Augen sehen, was Gott uns Gutes tun will.

In vielen Erzählungen der Bibel wird uns in Erinnerung gebracht, dass unser Gott ein guter und barmherziger Gott ist.
Denn immer wieder hat er ein Licht der Hoffnung gesetzt, hat aus brenzligen Situationen herausgeführt, aus der Gefangenschaft in Ägypten und später aus dem babylonischen Exil.
Er hat mit den Menschen ein Bund geschlossen und sein Zeichen an den Himmel gesetzt, der garantiert, dass der Mensch von dem Leben kann, was aus Gottes Schöpfung erwächst, er hat uns von unseren Sünden befreit durch Jesus Christus. Im Leiden ist Gott den Menschen nie von der Seite gewichen, auch wenn wir es selbst manchmal anders fühlen. Er ist es, der die Leidenden in den dunklen Stunden des Lebens getragen hat.
Liebe Gemeinde, auf unseren Leidenswegen, in unseren Passionen, den persönlichen wie den kollektiven ist es wichtig, den Halt nicht unter den Füßen zu verlieren. Es ist wichtig, festen Grund zu finden, der trägt. An den dunklen Punkten brauchen wir ein Licht zur Orientierung. Wir brauchen eine Hoffnung, einen Traum, eine Vision von gelingendem Leben. Und deshalb ist es wichtig, auch in den Stunden der Krise einem neuen Himmel und eine neuen Erde zu träumen und an all das zu erinnern, was Gott uns Gutes getan hat.

Lassen wir uns nicht einengen und gefangen nehmen von dem, was uns gegenwärtig umgibt, sondern wir richten mitten in der Passion, mitten im Leid unseren Blick nach vorn auf das, was sein kann, wenn alles gut wird. Und freuen wir uns darauf.
Denn Gott ist bei uns, er segnet und behütet uns im größten Leid.

Bleiben Sie alle gesegnet, behütet und vor allem gesund. Amen


Lied: Jesus ist kommen (EG 66)

Fürbitten:
Herr Jesus Christus, du Licht in der Finsternis unserer Welt. An dich wenden wir uns:

Wir bitten für alle, die Angst haben vor einer Infektion, lass ihnen Menschen zur Seite sein, die ihnen Mut und Zuversicht zusprechen.

Wir bitten für alle, die am Coranavirus erkrankt sind, sei bei ihnen in ihrem Leiden und erhalte Leben, wo immer es möglich ist.

Wir bitten für alle die Angehörige verloren haben, sei ihnen nah in Ihrer Trauer und in ihrer Verzweiflung.

Wir bitten für alle Politiker und Entscheidungsträger, dass sie ihre Entscheidungen gut überlegen und konsequent umsetzen, gib ihnen die nötige Kraft und Weisheit dazu.

Wir bitten für die Ärztinnen und Pfleger, die sich um die Kranken kümmern, für alle, die darum bemüht sind, dass öffentliche Leben so gut es geht aufrecht zu halten, stärke sie alle in ihrer wichtigen Arbeit.

Wir bitten für alle die sich nicht frei bewegen können, lass bei ihnen die Erkenntnis reifen, dass diese Maßnahmen lebensnotwendig sind.

Wir bitten für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmitteln suchen, dass sie schnell geeignete Impfstoffen entwickeln die Leben retten können.

Alle Ängste und Sorgen aber auch alle Hoffnung wollen wir in das Gebet legen, dass Jesus Christus uns gelehrt hat und das uns weltweit verbindet.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.




Segenslied: Bewahre uns Gott (EG 171, 1-4)

Segen:
Gott der Herr geht vor uns, um uns den Weg zu bereiten.
Gott der Herr geht hinter uns, um uns vor Gefahren zu bewahren.
Gott der Herr geht neben uns, um uns aufzufangen wenn wir straucheln.
Gott der Herr ist über uns, um uns zu segnen.
Amen.
Gottesdienst zum Sonntag Lätare im Pfarrsprengel Sachsenhausen zum Ausdrucken
hochgeladen am: 21.03.2020
hochgeladen von: Stefan Determann
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erstellt von Peter Krause am 21.03.2020, zuletzt bearbeitet am 26.09.2020
veröffentlicht unter: Aktuelles aus dem Pfarrsprengel

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