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Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020, Jes 40,31

Ev. Pfarrsprengel Sachsenhausen von Pfarrer Peter Krause

Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020
Ev. Pfarrsprengel Sachsenhausen von Pfarrer Peter Krause

„Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ (Jes 40,31)


Lied: EG 108, 1-3 Mit Freuden zart zu dieser Fahrt

1. Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen,
beid, Groß und Klein, von Herzen rein mit hellem Ton frei erklingen.
Das ewig Heil wird uns zuteil, denn Jesus Christ erstanden ist,
welchs er lässt reichlich verkünden.

2. Er ist der Erst, der stark und fest all unsre Feind hat bezwungen
und durch den Tod als wahrer Gott zum neuen Leben gedrungen,
auch seiner Schar verheißen klar durch sein rein Wort,
zur Himmelspfort desgleichen Sieg zu erlangen.

3. Singt Lob und Dank mit freiem Klang unserm Herrn zu allen Zeiten
und tut sein Ehr je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten:
So wird er uns aus Lieb und Gunst nach unserm Tod, frei aller Not,
zur ewgen Freude geleiten.
Text: Georg Vetter 1566


Psalm 116

Das ist mir lieb,
dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.
Denn er neigt sein Ohr zu mir;
darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen,
des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;
ich kam in Jammer und Not.
Aber ich rief den Namen des Herrn:
Ach, Herr, errette mich!
Der Herr ist gnädig und gerecht,
und unser Gott ist barmherzig.
Der Herr behütet die Unmündigen;
wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;
denn der Herr tut dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem Herrn
im Lande der Lebendigen.
Amen.

Gedanken zum Predigttext für den Sonntag Quasimodogeniti
Jes 40, 26-31

Liebe Leserinnen und Leser,
auf einem Parament, das unseren Altar in der Kirche Sachsenhausen schmückt, ist der Satz aufgestickt: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.“ Schon öfter habe ich überlegt, wie veraltet dieser Satz in meinen Ohren klingt. „Harren“, da entstehen Bilder zu diesem Wort in meinem Kopf. Arme schwache Menschen nehmen ihre letzten Kräfte zusammen und reißen sie nach oben, ohne aber etwas richtig fassen zu können. So wie Noah auf seiner Arche ausharrte. Es gab nichts zu tun, als abzuwarten und zu hoffen. (1.Mose 8, 12) Ähnlich ging es den Menschen zur Zeit Deuterojesajas, wenn sie sich auch in einer ganz anderen Lage befanden. Weltgeschichte ist über sie hereingebrochen. Die Babylonier eroberten ihr Land. Ohnmächtig waren sie ihnen ausgeliefert, deportiert in ein fremdes Land. Nichts blieb als nur so auszuharren. Auszuhalten und sich dabei eine innere Hoffnung zu bewahren. Vorbei war die Zeit, wo sie noch meinten: Wir stemmen uns selbst gegen diese Bedrohung. Nun konnte man nur noch hoffen. Aber worauf? Die Babylonier hatten ihren Regional-Gott. Nicht viel. Aber immerhin hielten sie ihren Gott Marduk in Stein oder Holz in den Händen. Und Israel – fern der Heimat? Wonach konnten sie ihre Hände ausstrecken?
Liebe Leserinnen und Leser,
diese momentane Zeit gerade kommt schon sehr außergewöhnlich daher. Vor einigen Monaten so in die Runde gefragt, wer hätte da nicht in Politik und Wirtschaft und selbst im Gesundheitswesen darauf verwiesen: Wir haben alles fest im Griff! Zukunft geht mit uns! Nun sind die Stimmen leiser geworden: Wir können immer nur auf Sicht fahren. Ist es für uns alle eine neue Einsicht, dass auch wir heute noch immer angewiesen und abhängig sind von Bedingungen zum Leben, die wir nicht selber schaffen können? Wer ausharrt, der weiß um seine eigene Ohnmacht. Und doch, wer ausharrt, der hat auch etwas, was Mut macht zu hoffen. Und diese Hoffnung kommt von außen, nicht aus uns selbst. Ostern ist das Fest der Hoffnung schlechthin. Spricht es doch davon, dass wir nicht nur in diesem Leben Grund haben, auch in herausfordernden Zeiten auszuharren, sondern sogar im Sterben. Ostern spricht vom Ausharren selbst über den Tod hinaus. Weil Gott so für uns handelt.
„Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jes 40, 31) Nein, nicht alles haben nur wir allein in unseren Händen. Gott sei auch uns Kraftquelle zum Ausharren. Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg von den Nazis ermordet wurde, formulierte: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“


Lied: EG 117, 1-3 Der schöne Ostertag

1. Der schöne Ostertag! Ihr Menschen, kommt ins Helle!
Christ, der begraben lag, brach heut aus seiner Zelle.
Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden,
so glaubten wir umsonst. Doch nun ist er erstanden.

2. Was euch auch niederwirft, Schuld, Krankheit, Flut und Beben -
er, den ihr lieben dürft, trug euer Kreuz ins Leben.
Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden,
so kämpften wir umsonst. Doch nun ist er erstanden.

3. Muss ich von hier nach dort - er hat den Weg erlitten.
Der Fluss reißt mich nicht fort, seit Jesus ihn durchschritten.
Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden,
so hofften wir umsonst. Doch nun ist er erstanden.
Text: Jürgen Henkys 1983 frei nach dem englischen »This joyful Eastertide« von George Ratcliffe Woodward 1894 und dessen niederländischer Vorlage »Hoe groot de vrugten zijn« von Joachim Frants Oudaan 1684

Gebet:

Unser Gott, die Freude dieses Tages und die Last dieses Tages, das Selbstzutrauen und die Unsicherheit, die Pläne und die Ungewissheit – alles legen wir in deine Hand. Denn du bist die Quelle des Lebens. Du bist die Quelle der Hoffnung. Denn du bist die liebevolle Hand, die uns hält und die uns führt. Durch unseren auferstandenen Herrn, der mit dir lebt und wirkt in Ewigkeit.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


Segen:

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. (Dietrich Bohnhoeffer 1944)

So segne und behüte uns der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020, Jes 40, 31
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erstellt von Peter Krause am 18.04.2020, zuletzt bearbeitet am 09.07.2020
veröffentlicht unter: Aktuelles aus dem Pfarrsprengel

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