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Andacht zum Sonntag Miserikordias Domini, 26. April 2020, 1.Petr 2,21

Ev. Pfarrsprengel Sachsenhausen von Pfarrer Peter Krause

„Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen,
dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.“ (1.Petr 2,21)

Lied: EG 98, 1-4 Korn das in die Erde, in den Tod versinkt

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.
2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.
3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.
Text: Jürgen Henkys (1976) 1978 nach dem englischen »Now the green blade rises« von John Macleod Campbell Crum 1928

Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Amen.

Gedanken zum Predigttext für den Sonntag Miserikordias Domini
1.Petr 2,21

Liebe Leserinnen und Leser,
haben die letzten Wochen Sie irgendwie verändert? Manches Verhalten haben wir der momentanen Gefährdungslage angepasst. Haben Sie früher andere, denen Sie einfach so auf der Straße begegneten, überhaupt wahrgenommen? Jetzt halten wir ganz bewusst Abstand, um einander zu schützen, obwohl wir uns vorher nie gesehen haben. Vor einiger Zeit sind wir in großen Gruppen einfach so untergetaucht. Erhält jetzt jeder einzelne Kontakt einen ganz besonderen Wert? Vielleicht nehmen wir an uns selbst auch Seiten wahr, die wir vorher gar nicht von uns kannten? Spürt der, der immer genau wusste, wohin die Lebensreise zu gehen hat, plötzlich im ganz Alltäglichen eine gewisse Unsicherheit in sich? Und nimmt diejenige, die so leicht nichts erschüttern konnte, gewisse Ängste bei sich wahr? Angst und Unsicherheit sind Eigenschaften, die nicht zu den beliebtesten gehören. Sie können uns aber auch wirklich hilfreich sein. Denn sie schützen uns vor zu schnellem und unbedachtem Agieren. Und dennoch ist die Angst allein kein guter Ratgeber. Denn sie kann uns völlig und ganz für sich beanspruchen und so unsere Sichtweise stark einengen wie auch unser Handeln sehr einseitig prägen. In den letzten Tagen habe ich davon gehört, wie Nachbarn angezeigt wurden. Ich habe davon gehört, wie am Virus Erkrankte von anderen plötzlich mit anderen Augen betrachtet wurden, als ob sie sich schuldig fühlen müssten. Ich habe davon gehört, wie auch dort eigenen Ängsten sehr schnell Raum gegeben wurde, in dem man Ausschau nach Schuldigen zu hält. Schnell wird man in alten Vorurteilen fündig.
Der zweite Sonntag nach Ostern wird der Sonntag des guten Hirten genannt. Kein anderer Psalm als der 23. Psalm der Bibel ist bekannter. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ (Ps 23,1) Ein Vertrauenslied gegen die Angst. Ein Vertrauensgebet gegen alle Gefährdung. Ein Vertrauenspsalm in unsicheren Zeiten. „Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.“ (1.Petr 2,21) „Denn ihr wart wie irrende Schafe.“ (1.Petr 2,25a) Ist uns das Bild von umherirrenden Schafen in den letzten Wochen irgendwie näher gerückt? Und damit auch eine gewisse Sehnsucht nach einem guten Hirten oder einer guten Hirtin? Der Schreiber des 1. Petrusbriefes vergleicht Christus mit einem solchen Hirten. Und anders als im 23. Psalm verspricht er nicht vorschnell grüne Auen. Er erinnert an das Leben von Jesus, der bereit und stark war auszuhalten, statt seinen eigenen Ängsten allein Raum zu geben und sich mit eigenen Drohungen oder Schmähungen zu wehren. Ist Jesus dann ein guter Hirte, uns Orientierung zu schenken in anstrengenden unübersichtlichen und herausfordernden Zeiten? Ostern gibt Jesus Recht. Der Weg, den er ging, ist ein Weg, an dessen Ende das Leben steht. Und nicht nur egoistisch das eigene Leben ist gerettet. Sondern dieses errungene Leben durch das Leiden hindurch schafft Heil für alle. In diesen Wochen hört man häufiger, diese Krise wird unser Land verändern. In welche Richtung? Das hängt nicht zuletzt auch davon ab, wieviel Raum wir unseren innersten Ängsten zugestehen. Gottvertrauen möge dazu stärken, dass unsere Ängste bei Gott einen Ort finden, wo wir sie abgeben können. Vertrauen schenkt Kraft. Vertrauen schafft Gemeinschaft, auch in unsicheren Zeiten. Vertrauen schenkt Halt und das Gefühl, nicht allein nur für sich zu stehen. Solche Erfahrungen zu machen, das wünsche ich uns in diesen Tagen besonders.

Lied: SJ 135, 1-4 Hab keine Angst

1. Hab keine Angst. Verborgen blinkt ein Zeichen, ein Name schützt dich, wenn du weitergehst. Dein Einsamsein hat Strände, die schon leuchten. Hab keine Angst. Im Sand ist eine Spur.
2. Er hat dich lieb, er wartet auf dich, abends – es ist ein Abend, da du ihn verstehst. Der selbst kein Haus hat, horcht auf deinen Tritt. Dass er dich trifft, war ewig ausgemacht.
3. Hab keine Angst. Im Dunkel liegt ein Hafen, noch siehst du nichts, doch hältst du darauf zu. Einmal bekennst du offen seinen Namen, den Frieden, dessen Liebe nichts begehrt.
4. Einst wird die Nacht auf deinem Wege weiß. Dann wächst aus seinen Armen Stern um Stern. Hab keine Angst. Im Dunkel liegt ein Hafen, noch siehst du nichts, doch hältst du darauf zu.

Gebet:

Du guter Hirte, unser Gott! Die Angst allein ist kein guter Ratgeber für unser Denken und Tun. Aber wohin mit dem, was unsicher macht? Wohin mit dem, wovor wir uns fürchten? Mit unseren Ängsten und Sorgen können wir zu dir flüchten? Wie gern wollen wir in deinem Schutzraum frei atmen können. So lass uns deine Nähe spüren. Dass wir zur Ruhe kommen und unser Blick sich weitet. Zeige uns, was uns einer guten Zukunft näher bringt. Führe uns dahin, wo Mitmenschlichkeit und Vertrauen untereinander Raum behält. Ja, du bist der gute Hirte. Jetzt und alle Zeit.


Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen:

Der allmächtige Gott gewähre uns Segen und Heil; er offenbare uns die Wege seiner Weisheit. Er stärke unseren Glauben durch sein Wort und schenke uns die Gnade, nach seinen Geboten zu leben, damit in allem sein Wille geschehe. Er lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens; er mache uns beharrlich im Guten und vollende uns in der Liebe. Das gewähre uns der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Andacht zum Sonntag Miserikordias Domini, 26. April 2020, 1.Petr 2,21
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erstellt von Peter Krause am 25.04.2020, zuletzt bearbeitet am 01.06.2020
veröffentlicht unter: Aktuelles aus dem Pfarrsprengel

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