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Andacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias, 24. Januar 2021 - Rut 1,16b

Ev. Pfarrsprengel Sachsenhausen von Pfarrer Peter Krause

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.
Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“
(Rut 1,16b)


Lied: Auf, Seele, auf und säume nicht (EG 73,1-4)

1. Auf, Seele, auf und säume nicht, es bricht das Licht herfür;
der Wunderstern gibt dir Bericht, der Held sei vor der Tür.
2. Geh weg aus deinem Vaterhaus zu suchen solchen Herrn
und richte deine Sinne aus auf diesen Morgenstern.
3. Gib Acht auf diesen hellen Schein, der aufgegangen ist;
er führet dich zum Kindelein, das heißet Jesus Christ.
4. Drum mache dich behände auf, befreit von aller Last,
und lass nicht ab von deinem Lauf, bis du dies Kindlein hast.
(Text: Michael Müller 1700/1704)

Psalm 86

Herr, neige deine Ohren und erhöre mich;
Denn ich bin elend und arm.
Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu.
Hilf du, mein Gott, deinem Knechte,
der sich verlässt auf dich.
Denn du, Herr, bist gut und gnädig,
von großer Güte allen, die dich anrufen.
Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen
und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,
dass du so groß bist und Wunder tust
und du allein Gott bist.
Weise mir, Herr, deinen Weg,
dass ich wandle in deiner Wahrheit;
erhalte mein Herz bei dem einen,
dass ich deinen Namen fürchte.
Amen.

Gedanken zum Predigttext für den Sonntag - Rut 1, 1-19

Liebe Leserinnen und Leser!
„Wohin soll die Reise gehen?“ Das ist nicht nur die erste Frage, die wir gestellt bekommen, wenn wir ein Reisebüro betreten. - Ja, irgendwann wird auch das wieder möglich sein! ;-) Diese Frage stellen wir uns auch selbst und wir stellen sie anderen. Wohin soll es denn nun im Leben weitergehen? Es gibt Zeiten, da wird eine Antwort dringlich. Etwa, wenn Vertrautes plötzlich wegbricht. Oder wenn einer spürt, wie langsam aber stetig irgendwie die Luft raus ist und Leben nur noch vor sich hin dümpelt. Ein anderer steht kurz vor einem großen bedeutenden Schritt in eine neue Zukunft. Ungewollt stellen sich auch Noomi und ihr Mann diese Frage. Ungewollt deshalb, weil da plötzlich in ihrer Heimat keine Zukunft mehr ist. Eine große Hungersnot überkommt das Land. Was nun? Beide ziehen mit ihren Söhnen los ins Land der Moabiter, um dort in der Fremde zumindest ihr Leben sichern zu können. Zumindest eines bleibt ihnen: Sie haben einander. Doch im fremden Land, so erzählt die Bibel, stirbt Noomis Mann bald. Die beiden Söhne heiraten. Als sie nun so zehn Jahre im Land waren, verstarben auch beide Söhne der Frau. Traurig! Noomi befand sich allein in einem fremden Land. Wovon sollte sie leben? Sie beschließt also, in ihre Heimat zurückzukehren. Da waren noch Ihre beiden Schwiegertöchter. Aber die gehörten ja hier in das Land Moab. Es ist ihre Heimat. Wie groß ist die Traurigkeit. „Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.“ - „Kehrt um, meine Töchter!“ Noomi könnte nie für die beiden sorgen und ihnen eine gute Zukunft in ihrer Heimat ermöglichen. Unter Küssen verabschiedete sich die eine. Rut aber sprach: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ (Rut 1, 16b) Das Buch Rut der Bibel erzählt weiter, wie sich dann alles in der Heimat aber nun doch gut fügt und sowohl Noomi als auch Rut hier ihre Zukunft finden. Gottes Segen lag über dem Weg der Gemeinschaft der beide. Die Worte, die Rut zu ihrer Schwiegermutter am Scheideweg zwischen Vergangenheit und Zukunft sprach, die wählen sich heute oft Brautpaare als ihren Trauspruch aus. Auch wenn es ursprünglich gar nicht um eine Hochzeitsbeziehung im biblischen Text geht, drücken diese Worte eben eine feste Verbundenheit aus, die alle Gefährdungen, auch das Schwere überwinden hilft. Egal, was die Zukunft auch bringen wird: Wir bleiben zusammen und wir stehen zusammen. Was dich ausmacht, das berührt auch mich.
Liebe Leserinnen und Leser!
„Wohin soll die Reise gehen?“ Was die Lebensreise betrifft, da haben wir Pläne und Träume und hoffentlich nicht zu viele Befürchtungen und Ängste. Das Buch Rut stellt die Frage etwas anders: „Mit wem darf ich auf die Reise gehen?“ Und es öffnet dann einen Blick dafür, wie gut es tun kann, wenn es auf diese Frage eine dauerhaft tragende Antwort gibt. Noomi muss nicht allein gehen. Rut begleitet sie. Und Rut muss nicht allein gehen, denn tief miteinander verbunden wird Noomi bei ihr sein. Und in dieser Gemeinschaft wird dann für beide ein neuer Weg sichtbar. Segen liegt auf dieser Beziehung. Gott hält eine gute Zukunft für beide bereit. Die Überwindung von Grenzen wird möglich. Zwei Frauen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Sprache und Religion, unterschiedlichen Alters finden zueinander und bleiben beieinander. Der Verlust ihrer Angehörigen verbindet, auch die Erfahrung, was es heißt, fremd zu sein und doch Aufnahme zu finden. Beide überwinden im Miteinander die Angst vor der Berührung mit dem Fremden.
Liebe Leserinnen und Leser,
den Weg nicht allein gehen zu müssen, stärkt zum Losgehen. Und das nicht nur in unsicherer Zeit. Der heutige Sonntag erinnert daran, wie Gott Menschen verbindet und zusammenruft zu einer großen Gemeinschaft – zu seiner Gemeinde. Menschen aus aller Welt und jeden Alters ruft er in seine Nähe und setzt sie nebeneinander an seinen Tisch. Wie schön, wenn es auch uns gelingt, Unterschiede und alte Grenzen und Vorurteile zu überwinden und wohltuende Beziehungen wachsen. Gott verbindet Menschen in seiner Gemeinde und lässt sie dabei im Miteinander selbst tolle Erfahrungen machen. Egal, wohin die Reise gehen mag, die guten menschlichen Beziehungen unseres Lebens mögen uns Halt, Freude und Geborgenheit schenken! Die Beziehung zu Gott verbinde und weise Menschen einen guten Weg!

Lied: In Christus gilt nicht Ost noch West (EG.E 13, 1-4)

1. In Christus gilt nicht Ost noch West, es gilt nicht Süd noch Nord, denn Christus macht uns alle eins in jedem Land und Ort.
2. In Christus findet unser Herz, was wahre Einheit bringt: Er ist es, der das goldne Band der Liebe um uns schlingt.
3. So reicht einander eure Hand, uns trennt kein Unterschied. Wer immer unserm Vater dient, ist der Familie Glied.
4. In Christus trifft sich Ost und West, es trifft sich Süd und Nord. Wir wissen uns in Christus eins, gegründet auf sein Wort.
(Text: John Oxenham (1908)1924, dt. Friedrich Karl Hofmann 1981)

Gebet:

Gott, in deiner Weite umfasst du alle Menschen. Das ist ein Grund zur Freude. Ich bin nicht allein. Ich gehöre zu einer Gemeinschaft. Du sammelst aus nah und fern, aus allen Himmelsrichtungen deine Gemeinde. So stellst du auch meine Füße auf weiten Raum. So ermöglichst du mir zu leben und frei zu sein. Frei zu sein von Vorurteilen anderen gegenüber. Frei zu sein, auf andere zuzugehen. Frei zu sein zur Liebe. Gib mir die Weite, Gott, dass ich auch anderen den Raum gebe, den sie brauchen. Auch da, wo sie ganz anders sind als ich.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen:

Gott stärke uns mit dem Mut des Anfangs.
Gott leite uns mit der Weisheit seiner Allmacht.
Gott belebe uns mit der Begeisterung der Jünger Jesu.
Gott eine uns durch die Kraft seines Heiligen Geistes.
Gott segne uns in den vielen Gesichtern seiner Kinder.
Gott segne die Vielfalt unseres Glaubens. (Norbert M. Becker)
So segne und bewahre uns der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

Andacht Rut 1,16b Pfarrer Peter Krause
hochgeladen am: 22.01.2021
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erstellt von Peter Krause am 22.01.2021, zuletzt bearbeitet am 30.03.2021
veröffentlicht unter: Aktuelles aus dem Pfarrsprengel

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