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6. Geißelung Christi (Joh. 19,1 ;Mark.14,65 ; Matth. 27,26)
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6. Geißelung Christi (Joh. 19,1 ;Mark.14,65 ; Matth. 27,26)

Gedanken von Pfarrer Ralf-Günther Schein

Die Geißelung Christi wird in den Evangelien nur am Rande erwähnt. So heißt es lapidar im Johannesevangelium 19,1: „Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln.“
In den Evangelien ist aber immer wieder davon die Rede, dass Jesus zwischen den Verhandlungen geschlagen und verspottet wird.
Trotz dieser Randnotizen nimmt diese Szene in der Malerei immer einen breiten Raum ein.
Cranach zeigt hier wieder Christus, ganz im Sinne des Johannesevangeliums, als der souveräne, standhaft leidende, sich um unserer Erlösung willen hingebende Gottessohn.
Christus wird in diesem Holzschnitt, an eine tragende Säule gebunden, dargestellt. Die aus dem Bild herausragende Mittel - Säule mit dem schönen Kapitell, könnte in dem Zusammenhang an die Säulen des salomonischen Tempels denken lassen (den Jesus im geistlichen Sinne in der Auferstehung neu errichten wird, vgl. Joh.2 19-21). Die Namen der salomonischen Tempelsäulen lauteten: Jachin, d.h.:
„Er, Jahwe lässt fest stehen“ und Boas, d.h.: „In ihm ist Kraft“.
An der Säule festgebunden kann Jesus den Schlägen seiner Peiniger nicht ausweichen. Ein Scherge zieht ihn von hinten an den Haaren und schlägt mit einer Rute zu. Er vermag Jesus nicht ins Gesicht zu schauen. Hinterrücks lassen sich eben die gemeinsten Schläge verpassen.
Der Körper Jesu trägt von dieser Tortur noch keine Wunden davon. So sind im unteren Teil des Bildes weitere Schergen dabei, neue Ruten zu binden. Von oben herab schaut Pilatus und sein Gefolge dem Geschehen zu. Eingehüllt in prunkvollen Gewändern halten sie sich diese Grausamkeiten vom Leib. Die Schergen und Zuschauer stellen durch ihre unterschiedliche Kleidung unterschiedliche soziale Schichten dar. Es scheint, als richte sich diese Verschiedenheit auch an die verschiedenen Betrachter jener
Passionsbilder . Sie alle, wir alle, so könnte der Maler damit sagen, sind daran beteiligt Jesus Schläge zuzusetzen. Stellvertretend nimmt ER all die Nackenschläge auf sich, die wir an andere verteilen, aber auch die, die uns zuteilwerden. Doch in unserem Schuldigwerden aneinander sind wir auf das Leiden Christi für uns und auf sein Erbarmen angewiesen, als eine tragende Säule unserer Erlösung.
erstellt von Mathias Wolf am 12.02.2015, zuletzt bearbeitet am 13.02.2015
veröffentlicht unter: Passionsandachten zu Holzschnitten von Lucas Cranach