Start Kirchengemeinden Liste der Pfarrsprengel Templin Passionsandachten zu Holzschnitten von Lucas Cranach Artikel: 11. Kreuzigung (Matth. 27,33ff; Mark. 15 ,25 ff; Luk. 23,33 ff; Joh. 19, 19 ff)
11. Kreuzigung (Matth. 27,33ff; Mark. 15 ,25 ff; Luk. 23,33 ff; Joh. 19, 19 ff)
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11. Kreuzigung (Matth. 27,33ff; Mark. 15 ,25 ff; Luk. 23,33 ff; Joh. 19, 19 ff)

Gedanken von Pfarrer Ralf-Günther Schein

„Dort an der Schädelstätte kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. Pilatus schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden...... Danach spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm damit und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund...“(Joh. 19,19ff: „und es kam eine Finsternis über das ganze Land... und die Sonne verlor ihren Glanz und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei ... (Luk.23, 44 f)

Die Vertikale des Kreuzes, die den Himmel berührt, teilt diesen Holzschnitt in zwei Hälften.
Die Fülle der Menschen unter dem Kreuz hat sich dabei weitestgehend in ihrer Stellung zum Gekreuzigten positioniert.
Vom Betrachter aus gesehen rechts sind die Verantwortlichen für dieses Geschehen, die
Folterknechte und Ankläger versammelt. Ihre Folterwerkzeuge und Lanzen „stechen“ gleichsam in den Himmel. Von seinem Pferd aus scheint Pilatus, vorn rechts im Bild, gerade einen Soldaten zu belehren. Vielleicht hatte sich jener beschwert über die Inschrift am Kreuz: Jesus von Nazareth, der König der Juden, was soll das? Doch Pilatus antwortet, was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.
Jesus ist ein König! Wieder ein ungewolltes Bekenntnis des Heiden. Königlich stolziert deshalb wohl auch das Pferd in jenem Moment nach vorn und nimmt dabei den Betrachter in den Blick. Es ist, als ob die Mitschöpfung auch einen Auftrag in der Passion wahrnimmt, so wie auch der Himmel, der sich in jener Stunde zuzog und verdunkelte. Die heraufziehenden Wolken hinter dem Kreuz deuten es an. Auf der rechten Seite, über Pilatus, hängt der spottende und ungerechtfertigte Schächer am Kreuz.
Jesus wendet sich auf der anderen Seite mit seinem Gesicht dem anderen Mitgekreuzigten und den Trauernden zu. Wie eine Art Gegenstück zum zerrissenen Vorhang im Tempel flattert sein Lendentuch fast beschützend über all diese Menschen auf der (vom Betrachter aus gesehenen) linken Seite des Kreuzes.
Dennoch, Maria Magdalena ist „ganz am Boden“. In ihrer Trauer kauert sie sich auf die Erde und ringt mit ihren Händen um Fassung. Den anderen Frauen fällt es schwer, das Sterben Jesu mit anzusehen. Sie wenden sich klagend einander zu.
Unter dem Kreuz, auf dieser Seite des Mitgefühls, der Trauer und der Zuwendung sehen wir auch den Knecht, der Jesus einen Schwamm mit zu Essig gewordenem Wein reicht. Es ist ein kleines und letztes Zeichen der Barmherzigkeit aber auch des Spottes zugleich.
Die Erfüllung der Schrift ist hier wiederum angedeutet. In Psalm 69 Vers 22 heißt es: „Sie geben mir Essig zu trinken für meinen Durst.“ Man sagt, jenes saure und dann auch bitter gemachtes Getränk lindert ein wenig den Schmerz. Und doch könnte dies im wahrsten Wortsinn bedeuten: Jesus noch einmal Saures zu geben. Er trägt es und nimmt darin all die sauren und bitteren Erfahrungen des Menschseins auf sich.
Aber er stirbt dann doch ganz in der Zu-Neigung seines Herzens für all die Menschen unter dem Kreuz. Dazu gehört auch der von Cranach herausgehobene Mann, mit der Maske des Todes, direkt hinter dem Kreuz. Es ist nach meinem Eindruck wieder Malchus, der hier zu Jesus aufblickt.
Ist er verwundert, unentschlossen, spottend, nachdenklich? Es bleibt offen.
Cranach hat ihn dennoch auf „der Seite der Zuwendung“ gemalt.

Und noch eines fällt auf: Cranach hat nur hier auf diesem Bild auf das kursächsische Wappen verzichtet.
erstellt von Mathias Wolf am 12.02.2015, zuletzt bearbeitet am 13.02.2015
veröffentlicht unter: Passionsandachten zu Holzschnitten von Lucas Cranach