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13. Grablegung (Joh. 19,38 ff)
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13. Grablegung (Joh. 19,38 ff)

Gedanken von Pfarrer Ralf-Günther Schein

Die zum vorigen Bild erwähnten Bibelstellen stehen auch im Zusammenhang mit der Darstellung der Grablegung Christi. Zitiert sei hier aus dem Johannesevangelium, Kapitel 19, Vers 40 f:
„Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit wohlriechenden Ölen, wie die Juden zu begraben pflegten. Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. Dahin legten sie Jesus.“
(Im Lukasevangelium 23,53 wird es als ein Felsengrab bezeichnet).
Grabeshöhle und Steinsarkophag stehen so, in der Art der Darstellung von Grablegung und Auferstehung auf vielen mittelalterlichen Bildern, nebeneinander.
Zum Inventar vieler Kirchen gehörte im gesamten Mittelalter zur Vergegenwärtigung des Passionsgeschehens auch eine Nachbildung des Heiligen Grabes.

Auf dem Holzschnitt Cranachs legen Joseph von Arimathäa und Nikodemus den Leichnam Jesu mit Hilfe von Tüchern in das Grab. Hinter Josef steht im Schatten der Grabeshöhle eine weitere Person, die sich nicht genau bestimmen lässt. Unter den trauernden Frauen fällt in der Mitte Maria auf, die mit gekreuzten Armen, hier am Ende des Kreuzweges ihres Sohnes, Abschied nimmt und sich verbeugt. Ihr verbeugt sein ist aber Ausdruck dafür, dass sie ganz gebeugt ist in ihrer Trauer um den Sohn.
Die prunkvoll gekleidete Maria Magdalena (die in ihrer Gestaltung mit der Netzhaube geradezu typisch wird für Cranach) kniet an der rechten Seite des Sarkophages und wendet sich - mit ihrem vom Schmerz gezeichneten Gesicht - dem Betrachter zu. Es ist, als lade sie mit dieser Haltung ein, sich auf dem freien Platz neben ihr hinzuknien und mit ihr die Trauer zu teilen.
Die dunkle Grabeshöhle im Hintergrund verstärkt den Eindruck, dass hier wirklich der Tiefpunkt der Erniedrigung und des Leidensweges Jesu erreicht ist.
Unter den Wurzeln mächtiger und belaubter Bäume wird Jesus auf diesem Bild zu Grabe getragen.
Angedeutet erscheint mir darin, dass die Erlösung unseres Menschseins und die Hoffnung auf ein verwandeltes Leben hinter der Dunkelheit des Sterbens, gerade in dem sich hingebenden Tod Jesu ihre Wurzeln hat.
Vom Grab Jesu fällt nun auch ein Licht auf unsere Gräber, an denen wir oft verzweifelt stehen oder in die wir einmal gesenkt werden. Es gibt nun einen, der das alles durchritt und überwand und uns bis in die tiefste Dunkelheit unseres Daseins begleitet und hindurchträgt.
erstellt von Mathias Wolf am 12.02.2015, zuletzt bearbeitet am 13.02.2015
veröffentlicht unter: Passionsandachten zu Holzschnitten von Lucas Cranach