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Kirchturmkugel offenbart viele Geheimnisse
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Kirchturmkugel offenbart viele Geheimnisse

Ein Artikel aus der Gransee-Zeitung von Martin Risken

Zabelsdorf (MOZ) Spannender Moment im Schatten des Turms der Sophienkirche Zabelsdorf: Unter den Augen von Pfarrer Günther Schobert und vielen geladenen Gästen ist am Mittwoch die Kirchturmkugel geöffnet worden, um nachzuschauen, was die Vorfahren der Nachwelt hinterlassen haben.
Doch als Tadeusz Gornicke und sein Kollege Adam Perkaski die beiden Kugelhälften auseinander ziehen, ist es fast so, als würde jemand einen vollen Staubsaugerbeutel öffnen: Ein Häufchen brauner Staub kommt zum Vorschein. Vorsichtig arbeitete sich Pfarrer Schobert mit den Finger durch die bräunliche Masse. Nach und nach kommen Münzen aus dem Deutschen Reich aus den 1920er-Jahren zum Vorschein. „Leider keine Goldmünze“, bedauert Superintendent Uwe Simon als er seinem Pfarrer interessiert über die Schulter schaut. Dann legte Schobert noch die Reste eines Geldscheins frei. Doch außer ein paar Fetzen ist nach einhundert Jahren nicht viel geblieben. So lange wurde die Kugel höchstwahrscheinlich nicht mehr geöffnet. Genau ließ sich das aber am Mittwoch nicht feststellen. Denn die Schrift auf den beigelegten Dokumenten war nicht mehr zu lesen. Zuletzt wurde in den 1980er-Jahren die Wetterfahne erneuert, damals aber die Kugel nicht geöffnet. Als das Geheimnis gelüftet war, wurde die Kugel mit neuen Dokumenten gefüllt, darunter auch der Lokalteil der Gransee-Zeitung vom 18. Juli 2018 sowie Euro-Münzen, Fotos und einem umfassenden Schriftstück, das über den Grund der Abnahme der Kirchturmzier informierte. Seit Ende 2017 wird der Kirchturm der Sophienkirche saniert. Es ist der erste Abschnitt einer umfassenden Restaurierung des Gotteshauses aus dem 13. Jahrhundert, um es für nachfolgende Generationen zu bewahren. Knapp 200 000 Euro kosten die Arbeiten. Die Vergabe gestaltete sich schwierig. Zu dem vorgegebenen Budget fand sich keine Baufirma. Die meisten Angeboten lagen bis zu 25 Prozent darüber. Die Firma von Winfred Günther aus Sommerfeld, der auch Mitglied des kreiskirchlichen Bauausschuss ist, erklärt sich bereit, die Arbeiten in Kooperation mit Restaurationsbetrieben aus Polen auszuführen. Das Land Brandenburg beteiligt sich mit 95 000 Euro, der Kirchenkreis übernimmt 60 000 Euro, die Landeskirche 30 000 Euro und die Kirchengemeinde selbst 10 500 Euro. Die Planung und Bauleitung hat das Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung aus Hoppegarten übernommen, die Fachberatung Jochen Hochsieder.

Im kommenden Jahr soll es weiter gehen. Dann ist das Kirchenschiff an der Reihe, die Arbeiten werden sich voraussichtlich bis ins Jahr 2020 hinziehen. „Als Pfarrer werde ich das hier nicht mehr erleben“, so Günther Schobert, der in einem Jahr und zwölf Tagen in den Ruhestand verabschiedet wird, als bislang dienstältester Pfarrer Mildenbergs, der dann 39 Jahre in Amt und Würden war. Nachdenkliche Worte fand Schobert anlässlich der Öffnung der Kirchturmzier: „Waren auch auch als Christen 1989 mit dem friedlichen Aufbruch in ein vereintes Deutschland und Wegfall der ,Ost-West-Konfrontation’ noch der Hoffnung, das Leben in Frieden und Freiheit würde leichter werden, belehrt uns die Entwicklung eines Besseren. Bürgerkriege im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika, latente Terroropfer, zirka 60 Millionen Flüchtlinge weltweit, beginnende Wirtschaftskriege, wachsen Diskrepanzen zwischen Arm und Reich, bröckelnder Zusammenhalt in Europa machen Angst.“ Da heiße es einfach nur zu vertrauen. „Schließlich überwindet Vertrauen die Angst.“

Bis der Kirchturm der Sophienkriche neu bekrönt wird, werden wohl noch ein paar Wochen ins Land gehen. Die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1792 soll erneut und um das Jahr 2018 ergänzt werden.

erstellt von Mathias Wolf am 24.07.2018, zuletzt bearbeitet am 02.11.2018
veröffentlicht unter: Neues aus den Kirchengemeinden