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Foto: Pfarrer Peter Krause aus Sachsenhausen

Mein Gott!

02.04.2021 | Gedanken zum Karfreitag von Pfarrer Peter Krause aus Sachsenhausen

„Mein Gott!“ Ich halte mir die Hand vor den Mund. Mir fehlen die Worte. Regungslos stehe ich da. „Mein Gott! Mein Gott!“ Es sind dieselben Worte, die Jesus am Kreuz rief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34) Der Ausruf eines Menschen, der einsam und Willkür ausgeliefert mit seinem Tod ringt. Von Menschen verlassen hängt er am Kreuz. Ein schreckliches Leiden! Dazu geeignet, um die anderen einzuschüchtern.

So geht es, wenn einer sich nicht an die Regeln hält und den Mund aufmacht, um seinen Glauben und seine Überzeugungen zu leben. Nicht nur damals war das so. Despoten verursachen Leid, um ihre Macht durch kraftvolle Taten zur Schau zu stellen. „Mein Gott!“ - Wo ist Gott? Jesus fühlt sich allein. Nur auf sich selbst zurückgeworfen. Und doch schreit er Gott entgegen: „Mein Gott“?

Aus der Einsamkeit flüchtet er sich zu dem, der doch nur allein letzter Halt und letzte Hilfe sein kann? Es war immer und ist doch auch jetzt SEIN Gott. Ob er gerade in seinem Rufen nicht allein bleibt? Wo menschliche Worte fehlen, dringt das Fragen zum Himmel? In aller Brüchigkeit menschlichen Schicksals, wo Verstehen unmöglich scheint, wo Kreuz und Leid übermächtig werden, wo alles in Wanken gerät, auch das Gottvertrauen - bleibt da dennoch dieser Ort des Gebetes?

Verlassen und gedemütigt von den Menschen ruft Jesus zu Gott. Bei ihm muss sein Geschrei Gehör finden! Ja, Jesus weiß, wie sich Einsamkeit anfühlt. Im Johannesevangelium ruft er vom Kreuz herab zu seiner Mutter: „Frau, siehe, das ist dein Sohn!“ Und zu einem seiner Jünger: „Siehe, das ist deine Mutter!“ (Joh 19,26f)

Am Karfreitag gilt es Einsamkeit, Leiden, Fragen menschlicher Schuld und irdischer Vergänglichkeit nicht auszuweichen. Jesus aber weist uns Menschen aneinander. Und Gott? Im Leiden am Kreuz kann Jesus die Nähe nicht spüren. Aber die Verbindung bleibt. Jesus selbst sucht sie. Und Gott überlässt ihn nicht dem endgültigen Tod.
Es wird Ostern. Gott sei Dank!
veröffentlicht unter: Andachten-2021