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Sabine Benndorf: Gottes Widerstand eröffnet Himmel

Gottes Widerstand eröffnet Himmel

15.08.2021 | 11. Sonntag nach Trinitatis | Gedanken zum Wochenende von Sabine Benndorf, Prädikantin in der Region Templin

Was denken Sie dabei? Gott widersteht? Zunächst klingt das fremd: Gottes Widerstand. Dazu eine Geschichte, die der Prophet Nathan dem König David erzählt:

Ein armer Mann hütet mit großer Liebe sein einziges Schaf. Ein reicher Mann hingegen hat viele Schafe und Rinder. Als dieser einmal Besuch bekommt, nimmt er aber einfach das Tier des armen Mannes und setzt es seinem Gast vor. David wird zornig, als er das hört. Aber Nathan konfrontiert ihn: „Du bist dieser Mann, David. Du hast dir einfach Urias Frau genommen und Uria erschlagen.“ David begreift seine Schuld und kann sie bekennen. Gott widerspricht: Gott tötet David nicht, sondern schenkt Leben.

Wie kann ich heute damit umgehen? Ich werde doch täglich schuldig an der Textilarbeiterin in Bangladesh, am Klimaflüchtling aus dem Pazifik, an indigenen Völkern, deren Regenwald gerodet wird, in meinem Reden und Denken über die anderen.

Ich bin reich, ich kann meinen Reichtum einsetzen für Brot für die Welt. Ich habe Zeit und kann sie einsetzen für einen Besuch nebenan. Ich bin frei, kann anderen zur Sonne zu werden. Da fallen doch auch Ihnen Geschichten ein von der Solidarität für Flutopfer, von der Nachbarschaftshilfe…

Vor Gott kann ich meine Ansprüche loslassen, etwas sein zu wollen, etwas vorweisen zu müssen. Wer aus solcher Gelassenheit lebt, öffnet sich für die Nächsten. Gott widersteht unseren Ansprüchen und eröffnet Wege in gelingendes Miteinander. Schenkt er uns seine Gnade, öffnet sich der Himmel.
erstellt von Stefan Determann am 13.08.2021, zuletzt bearbeitet am 14.01.2022
veröffentlicht unter: Andachten-2021