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Pfarrer Sebastian Wilhelm

Christhorn und Einkind – oder Einhorn und Christkind

05.12.2021 | 2. Advent | Gedanken zum Wochenende von Pfarrer Sebastian Wilhelm aus Gransee

„Gibt‘s Engel? Ist das Christkind echt? Und wie ist das mit den Einhörnern?“ Wer Kinder in seiner Nähe hat, kennt diese Fragen. - Und vielleicht auch eine gewisse Unsicherheit, darauf zu antworten. Gerade in der Zeit vor Weihnachten fallen sie besonders auf: die Kinder, die Kinderfragen und die schwierige Suche nach Antworten, mit denen sich die Kinder zufrieden geben. Gibt es Christkind und Co wirklich? Um diese Zeit müssen wir uns ohnehin um so viele Fragen Gedanken machen, da machen diese den Kohl (bzw. Weihnachtsmann) auch nicht mehr fett: Gibt es das Christkind eigentlich wirklich? Und was ist mit den Engeln? Und wie ist das mit den Einhörnern (passen die eigentlich dazu)? Da es ja keine besonders adventliche Lösung wäre, den Kindern das Fragen zu verbieten, bleibt eigentlich nur, wie auch bei all den anderen weihnachtlichen Dingen, die sorgfältige Vorbereitung. Mit welcher Antwort werde ich also glänzen können (der Glanz passt hervorragend zu meinen adventlichen Vorbereitungen)?

Ich schlage vor, sich vorsichtig heranzutasten und sage: „Naja, was heißt schon wirklich?“ Glänzt mir dann eher eine gewisse Irritation oder Enttäuschung entgegen, kann ich darauf verweisen, dass meine Antwort noch nicht ganz fertig ist. Ich sage dann: „Es gibt die Welt, die wir sehen können. Das ist das eine. Und in dieser Welt habe ich, ehrlich gesagt, noch kein Einhorn gesehen und keinen Engel und keine Engel auf Einhörnern (Wie schade eingentlich!). Und das Christkind habe ich auch noch nicht gesehen.“ Aber vielleicht ist die Welt, die wir sehen können, noch nicht alles, was es gibt. Vielleicht gibt es ja auch noch eine Welt, die wir nicht sehen können.“

Das könnte ja sein. Vielleicht ist es ja so, dass unsere Augen und Ohren und Nasen und Hände nur einen Teil dessen wahrnehmen können von dem, was ist. Und vielleicht ist es so, dass die Engel und das Christkind in der Welt wohnen, die unsere Augen nicht sehen können.

Und weil die Kinder ohnehin schon sehr klug sind, sage ich ihnen auch noch etwas ganz kluges: „Die Welt, die man sehen kann, nennt man Immanenz. Und die Welt, die man nicht sehen kann, nennt man Transzendenz.“
Und wenn Sie dieser Tage mal zwischen alle den Vorbereitungen Zeit haben, dann machen Sie ruhig mal Pause, schließen die Augen und schauen in die „Nicht-Augen-Welt“. Das wirkt. Und damit sind viele Dinge wirklich, die wir nicht sehen und anfassen können.

Ich wünsche Großen und Kleinen einen frohen Advent.
Pfr. Sebastian Wilhelm
erstellt von Stefan Determann am 03.12.2021, zuletzt bearbeitet am 14.01.2022
veröffentlicht unter: Andachten-2021