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„Ich bin da!“
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„Ich bin da!“

Andacht von Pfarrer Gernot Fleischer (Lychen und Bredereiche) zum 2. Sonntag nach Weihnachten am 4. Januar 2016

Noch ist es ganz neu, ganz unberührt. Noch ist ungewiss, was aus ihm werden wird. Und was es machen wird mit uns. Das neue Jahr. Fast wie ein Säugling ist es, ein neugeborenes Kind. Freude darüber ist da, Erwartung, Hoffnung, dass alles gut werden wird im neuen Leben. Sorge und Bangen aber auch, dass das Böse fern bleiben möge. Wir Alten tragen Erinnerungslast mit uns, haben manche Schrecken des alten Jahres und unseres bisherigen Lebens im Gepäck. Aber hoffentlich doch auch Zukunftssehnsucht, Wünsche noch und einen Glauben, dass die kommende Zeit gut werden wird.
Das Licht von Weihnachten leuchtet weiter in das neue Jahr hinein. Der Stern von Bethlehem ist nicht untergangenen, an den Kirchen und auch in manchen Häusern ist er noch zu sehen. Das Dunkel auch dieser Tage macht er hell. „Fürchtet euch nicht!“, ja, das ist die Weihnachtsbotschaft – und sie gilt uns das ganze Jahr hindurch: „Fürchtet euch nicht!“ Denn ich bin da. Euer Gott ist da.
Im Stall von Bethlehem ist er geboren als ein Kind, schutz- und hilflos selber, aber doch ist dieses Kind Schutz und Hilfe, Kraft und Stärke für so Viele. Im Vertrauen auf seinen Vatergott hat es immer gelebt, dieses Gotteskind, bis in Not und Tod hinein und selbst da hindurch.
Denn Gott schenkt allen seinen Gotteskindern das Leben, immer wieder neu, auch uns im neuen Jahr. Und er wird auch uns da hindurchtragen - durch manches Leid und hoffentlich große und viel mehr Freud.

Das Gedicht eines unbekannten Verfassers kann uns tröstlich und Zuspruch gebend zugleich begleiten, nicht nur am Anfang dieses neuen Jahres. Ein Gedicht über den, der zu uns sagt: „Ich bin da!“
Gott sagt zu dir: Ich bin da!
In das Dunkel der Vergangenheit
und in das Ungewisse der Zukunft,
in den Segen deines Helfens
und in das Elend deiner Ohnmacht -
dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!
In das Spiel deiner Gefühle
und in den Ernst deiner Gedanken,
in den Reichtum deines Schweigens
und in die Armut deiner Sprache -
dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!
In die Fülle deiner Aufgaben
und in die Leere deiner Geschäftigkeit,
in die Vielzahl deiner Fähigkeiten
und in die Begrenzung deiner Begabung -
dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!
In das Gelingen deiner Gespräche
und in die Langeweile deines Betens,
in die Freude deines Erfolgs
und in den Schmerz deines Versagens -
dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!
In die Enge deines Alltags
und in die Weite deiner Träume,
in die Schwäche deines Verstandes
und in die Kraft deines Herzens -
dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!

Ihr Pfarrer Gernot Fleischer
erstellt von Mathias Wolf am 04.01.2016, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv