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Besonnenheit
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Besonnenheit

Andacht von Pfarrer Christian Guth, Gransee

Das neue Jahr hat turbulent begonnen. In größter Radikalität wurde die Sorglosigkeit, die Ruhe und die Besinnlichkeit der Weihnachtstage durchbrochen. Eine Unheilsbotschaft nach der Anderen geht augenblicklich durch die Presse. Das ist nichts Außergewöhnliches. Schon früher gab es die Nachrichten von den Krisen in aller Welt, von Krieg, humanitären Katastrophen, von Terror oder Wirtschaftssystemen, die ins Chaos zu stürzen drohen. Doch anders als in den Jahren zuvor sind wir selbst betroffen. Flüchtlinge kommen zu uns. Und zu denen, die hier Asyl suchen kommen diejenigen, die hier stranden, weil ihnen der Weg in die skandinavischen Länder versperrt wurde. Zu der Frage nach dem „Schaffen wir das wirklich?“ gesellen sich die Nachrichten von Silvester: Von Übergriffen von Menschen mit Migrationshintergrund auf Frauen, von einer „konkreten Terrorgefahr“ in München. Und schließlich der größte wirtschaftliche Einbruch an den Börsen seit der Wiedervereinigung. Ja, da ist die Sorge, ob wir all dem gewachsen sind. Da ist die Angst, dass unser Leben, wie wir es bisher kannten, gefährdet sein könnte.
Fast schon wie ein rebellisches Wort klingt da der Monatsspruch für den Januar 2016 – ausgesucht, als noch niemand erahnen konnte, was in diesen Tagen geschehen würde. Im 2. Timotheusbrief lesen wir: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Es ist ein Wort, das mich etwas erschüttert hat. Ja, mich besorgen die Ereignisse der vergangenen Tage, weil sie mir vor Augen führen, wie zerbrechlich die Dinge sind, die ich doch für so selbstverständlich hielt: Frieden, ein gutes Auskommen, Sicherheit. Aber dieses Bibelwort ruft mir in Erinnerung, dass Angst in alledem ein schlechter Ratgeber ist. Wer sich fürchtet, der neigt dazu, unüberlegt zu reagieren. Die schnelle Lösung zu suchen, die, die am Einfachsten und Effektivsten klingt. Doch nur in den seltensten Fällen ist sie die Beste. Und häufig genug ist sie – um es mit Worten von George Lucas, dem Erfinder der StarWars-Saga, zu sagen – „eine Ausgeburt der dunklen Seite der Macht“. Die Lösungen der hellen Seite der Macht sind komplizierter, scheinen zunächst weniger effektiv, aber sind letztlich nachhaltiger. Und sie entspringen dem Geist, den der Bibeltext von uns fordert: Dem Geist der Liebe und der Besonnenheit, und nicht dem Geist der Furcht.
Darum: Lasst uns versuchen beides auch in dieser Zeit zu bewahren: Liebe und Besonnenheit. Nicht denen nachzulaufen, die schnelle und einfache Lösungen versprechen, sondern alles gut zu prüfen. Wir stehen vor Problemen und müssen versuchen Lösungen zu finden. Aber nur diejenigen, die in Liebe und Besonnenheit erdacht wurden, werden letztlich kraftvoll sein und nachhaltig bleiben. Alles andere führt am Ende zu einem bösen Erwachen – nicht nur in den StarWars-Filmen, sondern auch in der Realität.
erstellt von Mathias Wolf am 10.01.2016, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv