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Verfolgte Christen
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Verfolgte Christen

Andacht von Martin Schubach, Kirchenmusiker in Gransee

Kennen, mögen oder brauchen Sie Latein? Wenn nicht, lesen Sie bitte trotzdem weiter. Denn Sie sind zwar im Moment mit großer Wahrscheinlichkeit nicht persönlich in Gefahr, aber unsere westliche Demokratie ist es schon. Mittelalterliche Zustände drohen hereinzubrechen, wenn die Religions- bzw. Glaubensfreiheit nicht energischer verteidigt wird!
Die sechs Sonntage zwischen Aschermittwoch und Ostern tragen alle wohlklingende lateinische Namen gleich Glockenschlägen: Invocavit, Reminiscere, Okuli, Lätare, Judika, Palmarum. Jeder Name ist der Anfang eines Psalmverses bzw. steht für ein Thema bzw. einen inhaltlichen Schwerpunkt. Am kommenden Sonntag ist nun "Reminiscere", übersetzt: "Gedenke"... Herr, an deine Barmherzigkeit.... Das Thema ist Ausgeliefertsein, Verfolgung.
Wohl deshalb hat die Evangelische Kirche vor einiger Zeit diesen Sonntag zum Gedenktag für verfolgte Christen erklärt. Denn langsam sind auch Skeptiker überzeugt:
Christen sind die am stärksten bedrängte und verfolgte Bevölkerungsgruppe weltweit! Deutlich über 100 Millionen (Quelle: Open Doors) werden wegen ihres Glaubens unterdrückt oder müssen sogar um ihr Leben fürchten. Eine Verfolgung hat es in der Geschichte zwar immer gegeben, aber die Dimensionen sind immer größer geworden. Im 20. Jahrhundert gab es eine bedeutende Verfolgungswelle besonders in den kommunistischen Diktaturen, übrig geblieben davon ist Nordkorea, wo heute bereits der Besitz einer Bibel mit Haft in Todeslagern geahndet wird.
Heute hat sich der Schwerpunkt der Verfolgung in die islamisch regierten Länder verschoben, und so gelangen in den letzten Jahren zunehmend auch christliche Flüchtlinge zu uns nach Deutschland. Sie hoffen hier auf ein freiheitliches demokratisches Miteinander, auf ein Ende der Bedrängnis, und werden manchmal bitter enttäuscht. Immer häufiger kommt es zu Drangsalierungen vor allem in Erstaufnahmeeinrichtungen - bisher ein politisches Tabu. Wer will schon gerne zugeben, dass wir nicht mehr alles "im Griff" haben, dass es islamische Parallelwelten, rechtsfreie Räume auch vor unserer Haustür gibt?
Am Sonntag soll nun im Gottesdienst besonders an verfolgte Christen gedacht und für sie gebetet werden. Eine gute Idee. Aber als mündige Bürger eines freiheitlich demokratischen Staates, seien wir nun in der Kirche oder nicht, dürfen und sollten wir auch protestieren, boykottieren, unterstützen wo wir können. Es geht um das mühsam errungene Gut der Glaubensfreiheit!

Ihr Martin Schubach
erstellt von Mathias Wolf am 21.02.2016, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv