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Gedanken zum Osterfest
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Gedanken zum Osterfest

von Superintendent Uwe Simon, Gransee

Man mag sich mit dem Karfreitag und dem Kreuz schwer tun, aber sie sind so viel realer als die Botschaft von der Auferstehung und dem Leben, die wir mit Ostern feiern. Ich sehe die schon bunt geschmückten Sträucher vor den Häusern in den Vorgärten, lese die Aushänge, die überall zu Osterfeuern oder Ostertanz einladen, hoffe auch, dass endlich wahr wird, was die Natur schon seit Wochen verspricht, dass uns der Frühling blüht, bleibe aber erst einmal hängen an den Schrecken dieser Tage, den Bildern und Nachrichten und begreife: an den Tod muss ich nicht glauben. Er bringt sich von allein schmerzhaft und hartnäckig in Erinnerung. Er macht Angst und ist nur selten sanft und erlösend. In der Karwoche am Dienstag kam er mit den Schreckensbildern aus Brüssel wieder so nah, dass ich mich, auch wenn ich nicht in Brüssel oder Paris, sondern in Gransee, Oranienburg oder Zehdenick lebe, nicht wirklich sicher vor ihm fühlen kann. Vielleicht fiel es manchen in diesen Tagen zumindest leichter zu begreifen, warum es Tage im Jahr gibt, die stiller sind, an denen Menschen innehalten und schweigen, einmal kein Zirkus und kein Theater zur Belustigung veranstaltet wird, sondern das Leid und der Schrecken, den Menschen erleben, und die Trauer, die damit verbunden sind, Raum bekommen.
Aber auch das ist nur die eine Hälfte der Wahrheit: gekreuzigt, gestorben und begraben….
Wäre die Geschichte Jesu damit zu Ende, würde heute kein Hahn mehr danach krähen und wir würden mit Osterfeuern, Ostertänzen und ähnlichen Bräuchen wirklich nicht mehr als nur die Vertreibung des Winters feiern. Wir feiern aber unsere Hoffnung und die Sehnsucht nach Leben und wir feiern das große Versprechen Gottes, dass diese Sehnsucht mehr als nur ein Wunschtraum und die Hoffnung mehr als nur Einbildung ist.
„Ich will leben, nicht nur Überleben“ hat im vergangenen Herbst Guido Westerwelle von seinem Kampf gegen den Krebs, den er gerade verloren hat, erzählt. Und wenn ich das von Ostern her auch für uns übersetze, heißt das: ich kann solche Kämpfe gegen die Krankheit verlieren; Mut, Angst und Schrecken liegen nahe beieinander; ich weiß nicht immer, wer oder was stärker sein wird. Ich werde nicht alle Tage und in alle Ewigkeit überleben, aber ich werde in Ewigkeit und das heißt in der Gegenwart Gottes, leben. Weil „Leben“ der andere Name Gottes ist. Weil „Leben“ das ist, was Gott über uns denkt und mit uns vorhat.
Die, die den Tod Jesu am Kreuz hautnah miterlebt haben, hatten sich eigentlich schon mit dem Ende seiner Geschichte abgefunden und wollten nur noch endgültig Abschied von ihm nehmen.
Aber er ist ihnen als Auferstandener begegnet, wie ein Versprechen auf dieses Leben jenseits allen Überlebens, wie ein Vorgeschmack auf Gottes Welt, wie der Trost in allem Schrecken und in aller Angst. Begriffen haben sie das nicht gleich, wie denn auch. Aber es hat sie nachhaltig verändert, mutig und fröhlich gemacht, geholfen auf Gott und das Leben zu vertrauen.
Das wünsche ich mir für uns alle in diesem Jahr zu Ostern auch, dass wir unsere Lebensfreude und Lebenszuversicht nicht verlieren, sondern wiederfinden. Ich wünsche mir, dass wir gegen allen Todesschrecken lautstark im Namen Gottes protestieren : der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Und dass wir dann auch aufstehen zum Leben heute und in Ewigkeit.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest

Ihr Uwe Simon
erstellt von Mathias Wolf am 24.03.2016, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv