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Trinitatis?!
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Trinitatis?!

Gedanken zum Wochenende des Sonntags Trinitatis (Dreieinigkeit Gottes) am 21./22.05.2016 von Pfarrer Gernot Fleischer, Lychen

In diesen Wochen feiern viele Menschen in den Kirchengemeinden landauf, landab ihr Konfirmationsjubiläum. Menschen, die vor 50, 60 oder noch mehr Jahren eingesegnet wurden. Sie alle haben damals das Glaubensbekenntnis abgelegt, das die Christenheit seit mehr als 1500 Jahren um den ganzen Erdball herum eint: „Ich glaube an Gott, den Vater, …und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, …und an den Heiligen Geist. …“ Ob sie es damals auch wirklich so geglaubt haben? Als junge Mädchen und Buben im Alter von 14 Jahren? Ob sie es heute so glauben, wenn sie das Bekenntnis in den Festgottesdiensten wieder sprechen? Das Glaubensbekenntnis ist seit jeher ein Versuch, das, was nicht in Worte zu fassen ist, dennoch zu formulieren. Göttliches in Menschlichem ausdrücken. Himmlisches in Irdisches zu verpacken. Um einen Anhalt zu haben: Was ist es, woran wir glauben? Es ist ein Versuch, der nie zufrieden stellen kann, der unvollendet bleiben muss, denn unsere Sprache, unsere Worte, unser Denken können den nicht beschreiben, an den wir glauben. Alleine, dass wir ihn einen `dreieinen Gott´ nennen, der sich im Schöpfer, in dem Zimmermannssohn Jesus aus Nazareth und in einer Geisteskraft zugleich zu erkennen gibt und den wir dennoch als nur einen Gott glauben -gerade das Besondere des christlichen Gottesglaubens-, lässt erkennen, wie konstrukthaft unser Bemühen ist, unsere Glaubenserfahrung zu beschreiben. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum viele Menschen heute mit dem christlichen Glauben so wenig nur noch anfangen können. Weil die Kirche den Glauben mithilfe von Sprache in Denkmodellen fasst, die so eben kaum zu glauben sind?
Wie ehrlich und befreiend spricht da die Bibel selbst zu uns: „Niemand hat Gott je gesehen.“ (Johannes 1, 18 und 1. Johannes 4, 12) Wie wahr. Wie klar aber auch, dass wir deshalb über Gott im Grunde kaum etwas aussagen können. Allerdings - so die Bibel dann doch (an den gleichen Stellen): „Christus aber hat ihn uns verkündigt.“ Nämlich so: „Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollkommen.“
Ein Glaubensbekenntnis, mit dem wir vielleicht mehr anfangen können als mit den Glaubenssätzen der Alten Kirche. Oder ganz einfach so gesagt: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Johannes 4, 16). Das im Herzen, kommen wir dem dreieinen Gott doch wohl auch nahe: Denn dann leben wir im Geist der Liebe, die vom Vater ausgeht und die uns Jesus gezeigt hat. Einen gesegneten Trinitatissonntag (Fest der Dreieinigkeit Gottes)!
Pfarrer Gernot Fleischer, Lychen
erstellt von Mathias Wolf am 23.05.2016, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
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