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Wir sind nicht im Krieg.
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Wir sind nicht im Krieg.

Andacht von Pfarrer Anreas Domke, Zehdenick

Nein – wir sind nicht im Krieg.
Lassen wir uns nichts vormachen.
Auch wenn große Titel dies verkünden, auch wenn Politiker dies aussprechen. Wir sind nicht im Krieg! Weder Zeitungen noch einzelne Politiker können dies einfach so festlegen. Das ist eine alte Mode aus Königs- und Kaiserzeiten. Sowohl das Krieg-Machen als auch das Krieg-Erklären.
So einfach ist es nicht mehr – zum Glück.
Bloß weil Mordbuben und Terrormädels Bomben zünden und Menschen erschießen, lassen wir uns nicht zu Kriegern machen. Wir bleiben zivil!
Im Krieg ist allen, die da mitmachen, das Töten erlaubt. Krieg heißt: die Opfer der Anschläge sind Kriegstote. Die Meuchelmörder wären dann Soldaten und zumindest für einige Kriegshelden. Dann hätte das alles irgendwie einen Sinn. Aber das hat es nicht. Es ist ein sinnloses Töten.
Krieg, das bedeutet, Menschenrechte würden für Kriegsrecht aufgegeben werden. Nachfragen wäre nicht mehr erlaubt, wenn Befehle ausgesprochen werden.
Und wer zweifelt, würde als Landesverräter ein Verbrecher genannt. Wer Witze macht, würde als Schädling zum Schweigen gebracht.
Zum Glück ist kein Krieg. Und wir lassen uns nicht ein, auf dieses Denken von Schlagen und Gegenschlagen. Wir lassen uns unsere Menschlichkeit und unseren mehr oder weniger gesunden Menschenverstand nicht auf Gleichschritt trimmen. Wir lassen uns keine Menschen als Feinde vormachen.
Wir bleiben Menschen. Wir sind erschrocken und traurig. Wir wagen es, angesichts des Terrors zu verstummen. Wir trauen uns, in unserer Wut mit allem Mut, nach einem friedlichen Zusammenleben von Menschen zu fragen. Unser Schmerzschrei wird nicht zum Hassgesang. Er bleibt Anklage eines gemeinen Verbrechens. Und wir machen uns und allen klar: Unser Land ist kein Schlachtfeld! -
Frauen und Männer sind schnell dabei „Krieg!“ zu rufen. Aber das ist ein dummes und fahrlässiges Gebrüll.
Der Frieden ist der schwierige Weg. Aber so ist das Leben: immer wieder eine Herausforderung. Immer wieder voller Zumutungen. Es gibt sie ja wirklich die unerträglichen und unverbesserlichen Menschen. Aber gerade von denen lassen wir uns doch unser Leben nicht vorschreiben – und schon gar nicht, dass wir im Krieg sind.
Es bleibt die Herausforderung, gemeinsames, zivilisiertes Leben zu gestalten.
Dazu können wir uns zur Besinnung rufen lassen und dürfen selber Frieden finden. Vielleicht in einer der kühlen Kirchen am Wegesrand oder mitten in der aufgeheizten Stadt.
Seien Sie jedenfalls herzlich dorthin eingeladen, wo es für jede und jeden heißt: Friede sei mit Dir!

erstellt von Mathias Wolf am 08.08.2016, zuletzt bearbeitet am 31.10.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv